Gbureks Geld-Geklimper: Anleger sind klüger als gedacht

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Anleger sind klüger als gedacht

Kolumne von Manfred Gburek

Deutsche Anleger haben keine Lobby, Finanzbildung ist Mangelware. Zum Glück sind die Anleger nicht so dumm, wie es scheint.

Mehr Finanzbildung, ja geradezu eine Wertpapierkultur bräuchten wir in Deutschland. So entfuhr es am vergangenen Montag beim Deutschen Derivate Tag unisono gleich drei Verbandsvertretern für Fonds, für Aktien und für Derivate.

Dazu das Wehklagen über die vielen unausgegorenen Gesetzentwürfe, die überwiegend auf dem Mist der EU-Bürokratie gewachsen sind, etwa zur Anpassung von Finanzmarkt-Gesetzen oder zum Schutz von Kleinanlegern. Und wo bleibt die Finanzbildung? Fehlanzeige.

Anzeige

Man stelle sich die folgende Situation vor: Da versucht ein in die Jahre gekommener Alt-68er sein aus Broschüren des Fondsverbands BVI und des Deutschen Aktieninstituts gewonnenes Halbwissen einer Klasse von Teenies beizubringen, und die haben nichts Besseres im Sinn, als unter der Tischplatte versteckt mit ihrem Smartphone heimlich die Kurse der abgeschmierten Börsenneulinge Zalando und Rocket Internet abzurufen.

Willkommen in der Wertpapierkultur anno 2014! Hier prallen zwei Welten aufeinander, die nie wirklich zueinander finden werden: die eines um Aufklärung bemühten Studienrats der alten Schule auf der einen und die von jungen Aktienspielern, denen die Eltern zu wenig Respekt vor dem Geld beigebracht haben, auf der anderen Seite.

Gbureks Geld-Geklimper Es wird höchste Zeit für Ihre Finanzbildung

Die Schulden- und die Eurokrise ergeben eine Mischung, der Anleger rechtzeitig Wissen entgegensetzen sollten: Indem sie sich selbst zum Finanzberater ausbilden – eine erfolgversprechende Investition in die Bildung.

Alle wollen sie, kaum einer kriegt sieIn Großbritannien fordern 88 Prozent der Befragten Finanzbildung in der Schule. Doch nur zwölf Prozent haben sie auch wirklich erhalten. In Deutschland wünschen sich 78 Prozent, dass Finanzbildung in der Schule vermittelt wird. Jedoch nur 18 Prozent bekamen diese auch in der Schule. Damit haben etwa 40 Millionen Erwachsene keinerlei Finanzbildung in der Schule erhalten. Quelle: dpa

Anleger haben keine Lobby

Wie wird das mit der sogenannten Wertpapierkultur weitergehen? Falls nichts Entscheidendes passiert, wie bisher. Das heißt, passieren wird so gut wie nichts - außer dass vielleicht aus Anlass der nächsten Großpleite mit Unternehmensanleihen oder wenn wieder ein gewiefter Oberzocker vom Schlage Markus Frick seine Fans zu Aktienspielen verführt, das Kleinanlegerschutzgesetz eine nachträgliche Politur erfährt.

Machen wir uns nichts vor, Anleger haben keine Lobby. Dabei wird es allein schon deshalb bleiben, weil die Interessenvertreter der Banken, der Fonds und der Versicherer natürlich weiter ihr eigenes Süppchen kochen werden. Eklatantes Beispiel aus der Vergangenheit: die vermurkste Riester-Rente, ein Provisions-Festmahl für die Finanzwelt, ein ungenießbarer Happen für deren Kunden.

Sogar auf den Anlegerschutz spezialisierte Anwälte profitieren von den Unzulänglichkeiten der Gesetze. Denn längst sind auch reiche Anleger, die sich üppige Anwaltshonorare leisten können, zu Opfern von Anlageskandalen geworden.

Man denke nur an die Affäre um die Kölner Bank Sal. Oppenheim. Derweil bemühen sich Verbraucherschützer – was für eine Unwort! - mehr schlecht als recht um Aufklärung, doch ihre Etats reichen bestenfalls für das Pfeifen im Wald. Und jedes Mal, wenn eine Geldeintreiber-Firma für besonders spektakuläre Schlagzeilen sorgt, wie Prokon mit abenteuerlichen Renditeversprechen oder S&K mit üppigen Partys auf Kosten der Anleger, bricht in Berlin der verbale Paragrafen-Aktivismus los – meistens nur für ein paar Tage, dann ist Schluss.

So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

  • Lebensversicherung

    35 Prozent der Deutschen haben eine Lebensversicherung abgeschlossen.

  • Bausparvertrag

    Fast ebenso viele, nämlich 32 Prozent, besitzen einen Bausparvertrag oder Bausparplan.

  • Tagesgeld

    In Deutschland besitzen 29 Prozent der Bürger ein Tagesgeldkonto.

  • Immobilien

    Ebenso viele, nämlich 29 Prozent, sehen ihre Immobilie als Geldanlage an.

  • Fondsanteile, Festgeld, Aktien

    20 Prozent besitzen Fondsanteile, 17 Prozent Festgeld/Termingeld und 12 Prozent Aktien.

  • Edelmetalle

    Deutlich geringer ist dagegen der Anteil der Edelmetallbesitzer: sieben Prozent haben in Goldbarren oder -münzen investiert und vier Prozent zählen Silberbarren oder -münzen zu ihrem Besitz.

  • Kunst und Antiquitäten

    Sechs Prozent sehen ihre Antiquitäten (z. B. einen sehr alten Schrank) als Geldanlage und vier Prozent besitzen wertvolle Kunstgegenstände.

  • Anleihen und Zertifikate

    Jeweils zwei Prozent haben Geld in Anleihen bzw. Zertifikate angelegt.

Vermurkste Anlageberatung

Der Frankfurter Professor Olaf Stotz bringt das Dilemma der Anbieter von Finanzprodukten im Verhältnis zu ihren Kunden mit einer einfachen Formel auf den Punkt: falsche Fragen, falsche Produkte, falsche Erwartungen. Um diesem Dilemma zu entgehen, müssten Anleger zielorientiert beraten werden.

Eine solche Beratung kann es nicht umsonst geben. Doch statt dies den Anlegern klarzumachen und Kosten offenzulegen, beschummeln Anbieter die Kunden gern mit der Maximierung von mehr oder weniger versteckten Provisionen zu ihren eigenen Gunsten.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%