Gbureks Geld-Geklimper: Auch unruhige Börsen bieten Chancen

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Auch unruhige Börsen bieten Chancen

Kolumne von Manfred Gburek

Der Euro ist durch den Ausgang der Italien-Wahl mal wieder angeschlagen, der deutsche Aktienmarkt auch. Grund genug, sich anderswo umzusehen.

Es ist schon komisch, dass Börsianer die beiden italienischen Politiker Silvio Berlusconi und Beppe Grillo, ausgerechnet von Peer Steinbrück als Clowns bezeichnet, zu Beginn der Woche für die weltweit miese Stimmung an den Aktienmärkten verantwortlich machten. Auf dem Laufband des Fernsehsenders n-tv hieß es sogar, der japanische Aktienindex Nikkei hätte seinen Rückgang dem Wahlfiasko in Italien zu verdanken. Mit den nachträglichen Erklärungsversuchen, warum Aktienkurse mal in die eine, mal in die andere Richtung tendieren, ist es halt so eine Crux. Aber was hat die Italien-Wahl wirklich mit den Kursen zu tun?

Das Land befindet sich seit eineinhalb Jahren in einer mittelschweren Wirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und steigt, die hohen Lohnstückkosten lassen an der Konkurrenzfähigkeit italienischer Unternehmen zweifeln, Investitionen aus dem In- und Ausland bleiben aus, der Staat muss sich am Kapitalmarkt jährlich an die 400 Milliarden Euro pumpen, und der neuerliche Anstieg der Renditen italienischer Anleihen verheißt diesbezüglich gar nichts Gutes. Die Börsen-Zeitung trifft den Nagel auf den Kopf: „Die Italiener haben sich mental aus der Währungsunion verabschiedet.“

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Weitere Unruhen an den Börsen sind so gut wie sicher

Sie sind aber immer noch Mitglied dieser von Beginn an politisch gewollten und jetzt mit aller politischen Macht verteidigten Fehlkonstruktion, also des Zusammenschlusses von krass unterschiedlichen Volkswirtschaften unter dem Schirm einer einheitlichen Währung, dem Euro. Der Ausgang der Italien-Wahl verdeutlicht einmal mehr die Schwäche dieser Konstruktion: Die politische Union, die sie beseitigen könnte, rückt in weite Ferne, und die Politclowns haben nicht von ungefähr mit Anti-Euro-Parolen gepunktet. Sie werden Nachahmer finden, und das wird für weitere Unruhen an den Börsen sorgen.

Japanische Aktien Nikkei startet sein Comeback

Die Japaner steigen von Anleihen auf Aktien um. Das Ausland könnte auf diesen Zug aufspringen. Der jüngste Kurssprung in Japan dürfte der Beginn einer längeren Aktien-Rally sein.

Ein Börsenhändler verfolgt die Rede von Japans Premierminister Shinzo Abe Quelle: REUTERS

Wie sollen sich Anleger da verhalten? Im Grunde wie bisher an dieser Stelle immer wieder empfohlen, also Edelmetalle, Cash für spätere Aktienkäufe, Schweizer Franken und ein Haus oder eine Eigentumswohnung für den Eigenbedarf, dagegen keine Anleihen (Ausnahmen: Anleihen erstklassiger Schuldner in Schweizer Franken und anderen harten Währungen), keine Zertifikate, keine Immobilien zum Vermieten, keine geschlossenen Fonds, nur in ganz speziellen Fällen unter Beachtung des Timings Aktien- oder Mischfonds, deren Manager den Leistungsbeweis schon erbracht haben.

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