kolumneGbureks Geld-Geklimper: Auf Wiedersehen, Dax – bis auf Weiteres

08. November 2012
Kolumne von Manfred Gburek

Über deutschen Aktien braut sich etwas zusammen. Grund genug, den Aktienanteil am Vermögen zu reduzieren, um später bei niedrigeren Kursen wieder einzusteigen.

Die folgende Prognose wird den meisten Börsianern nicht gefallen. Doch nach eingehender Analyse wird es höchste Zeit, sie hier abzugeben: Der Deutsche Aktienindex Dax ist reif für eine Korrektur nach unten. Nicht für eine nachhaltige Trendumkehr, sondern für eine ausgeprägte technische Reaktion der Art, wie wir sie nach dem Kursanstieg von 2009/10 schon zwei Mal in größerem und einige weitere Male in kleinerem Umfang erlebt haben.

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Die am meisten überzeugende kurstechnische Begründung liefert der VDax, der die Volatilität deutscher Aktien, also deren Schwankungsintensität, mathematisch wiedergibt: Er ist zuletzt unter 20 Punkte gerutscht, eine Gefahrenzone, in der er sich zuvor schon einmal während des ersten Halbjahrs 2011 befand.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Damals folgte bekanntlich eine scharfe Abwärtskorrektur des Dax um 30 Prozent. Das letzte VDax-Tief mit 16,3 Punkten datiert von Mitte Oktober dieses Jahres; es liegt verdächtig nahe am vorangegangen Tief mit 15,3 Punkten im Februar 2011, das ein klares Verkaufssignal war.

Ungünstige fundamentale Daten

So weit die kurstechnische Argumentation, die sich an bewährten vergangenen Verhaltensmustern der Anleger orientiert, in diesem Fall repräsentiert durch die Gegenbewegungen von Dax und VDax. Dagegen sind fundamentale Argumente nicht so einfach mit mathematischen Hilfsgrößen zu finden. Denn ihnen liegen zum Beispiel unsichere Erwartungen zur konjunkturellen Entwicklung zugrunde, wie sie etwa aus den Indizes von ifo und ZEW hervorgehen, außerdem Schätzungen von Unternehmensgewinnen und - wegen der ständigen Kursbewegungen - täglich variierende Kennzahlen, wie Dividendenrenditen, Kurs-Gewinn- oder Kurs-Buchwert-Verhältnisse.

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Kommentare | 4Alle Kommentare
  • 08.11.2012, 08:37 UhrAha

    Welcher Stümper hat denn die Tabelle mit den 10-jährigen Anlagen gemacht?
    Da wurde z. B. beim Tagegeld kein Zinseszins eingerechnet.
    Peinlich!

  • 08.11.2012, 10:49 UhrDrake

    Selten so einen schrott gelesen.
    Tagesgeld-Zins ist unterhalb der Inflationsrate.
    Entweder ich investiere in Sachwerte (Aktien, Immobilien) oder ich gebe mein Geld aus, es auf dem Tagesgeld zu parken ist wohl so ziemlich das dümmste überhaupt.
    Desweiteren weiss ich nicht zum wievielten Mal jetzt von einem massiven Rücksetzer gesprochen wird, die Wahrheit sieht nunmal anders aus, allein in 2012 haben wir eine Performance auf den DAX die jedes Tagesgeld konto um ein zigfaches schlägt (ohne Dividenden eingerechnet zu haben).
    Desweiteren wäre es das erste mal seit es den DAX gibt, das ein 2er-Wahljahr im Herbst kein günstiger Einstiegszeitpunkt gewesen wäre.
    Manchmal frage ich mich wirklich was für Leute hier alles Beiträge schreiben dürfen und woher diese ihr "Fachwissen" haben ;-)

  • 08.11.2012, 11:06 Uhr4money

    Stimme ich zu, allerdings würde ich Ihren Gegenvorschlag von Aktien und Immobilien noch um Rohstoffe, Edelmetalle, ... erweitern.
    Ansonsten bin ich bei Ihnen, auch wenn der DAX jetzt 5-10% abgeben sollte (wovon ich nicht ausgehe) so hätten wir auf 2012 gesamt immernoch gut verdient und prinzipiell halte ich so Pauschalaussagen (nur weil der DAX in Summe nachgibt, heisst das nicht das sämtliche Aktien in einem Depot auch nachgeben) für schlechte Panikmache. Ich würde wetten das wir bis Ende 2013 einen DAX oberhalb von 8000 Punkten haben und obs da dann zwischendurch Rücksetzer gab oder nicht spielt für mich keine Rolle. Ich sehe das als Geldanlage und zwar nicht für die nächsten 4-6 Wochen sondern für einen längeren Zeitraum. Man muss aufhören ständig so kurzfristig zu denken, es würde ja auch keiner alle paar Wochen den Tagesgeldkonten-Anbieter zu wechseln oder etwa doch?!?

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