Gbureks Geld-Geklimper: Böse und gute Omen für Anleger

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Böse und gute Omen für Anleger

Kolumne von Manfred Gburek

Notenbanken schüren Inflationserwartungen, doch Anleger folgen ihnen noch nicht - außer in Japan, woraus sich Chancen auf weitere Kursgewinne ergeben.

Seit einigen Wochen ist an den Anleihemärkten ein Spektakel zu beobachten, das speziell die Besitzer inflationsgeschützter Anleihen in den Bann zieht: Deren Kurse sind nach eher verhaltener Entwicklung während der vergangenen vier Jahre in jüngster Zeit für ihre Verhältnisse recht kräftig gefallen. Wie etwa der Kurs der bis 2016 laufenden Bundesanleihe mit der Wertpapier-Kennnummer (WKN) 103050 oder der Kurs der bis 2018 laufenden Bundesobligation mit der WKN 103053. Die Preise der auf solche Papiere spezialisierten Fonds sind gleich mit gefallen, sodass es sich um ein Phänomen handelt, das weite Anlegerkreise betrifft.

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Den Kauf deutscher Staatsanleihen würde unser Kolumnist nach den Beschlüssen des EU-Gipfels, die Krisenstaaten wieder billiges Geld beschaffen, erst auf einem höheren Renditeniveau wieder erwägen.

Ein Bulle, Symbol für Börsenaufschwung Quelle: dpa

Robert Rethfeld, Chef des Onlinedienstes wellenreiter-invest.de, hat dieses Phänomen am 31. Mai unter Verwendung amerikanischer Daten auf seine Weise interpretiert: „TIPS-Crash und zwei Hindenburg-Omen“. Das heißt, die Kurse von Treasury Inflation Protected Securities, also TIPS = inflationsgeschützte Anleihen, sind zuletzt gleich zwei Mal aus heiterem Himmel gefallen wie einst das Luftschiff „Hindenburg“ ein Mal. „Das Signal lautet: Die Inflationserwartungen fallen rasant. Ein Inflationsschutz erscheint vielen Anlegern nicht mehr opportun“, resümiert Rethfeld.

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Dieses Mal ist fast alles anders als 2008

Ähnliches gab es im Herbst 2008. Damals brachen allerdings nicht allein TIPS-Kurse ein, und zwar viel heftiger als zuletzt, sondern auch Aktienkurse und Rohstoffpreise. Außerdem explodierten die Kurse von Anleihen ohne Inflationsschutz geradezu – nicht nach unten, sondern nach oben. Im Vergleich dazu wirken sie jetzt ziemlich zahm. Glättet man ihren Verlauf, ergibt sich sogar eine leichte Abwärtstendenz. Und noch eines: Im Herbst 2008 mangelte es zunächst fast überall auf der Welt an Liquidität, deshalb die Schwäche von Aktien und Rohstoffen. Dagegen haben wir es heute mit einem Übermaß an Liquidität zu tun, von der zuletzt besonders die Aktienkurse in Europa und Amerika profitiert haben. Freilich hinken die Preise der Rohstoffe hinterher, unter anderem deshalb, weil viele Anleger ihnen Immobilien vorziehen.
Wenn Kurse auf breiter Front in den freien Fall überzugehen drohen oder schon übergehen, läutet dies nach aller Erfahrung das Ende einer Abwärtsbewegung ein. Umgekehrt bedeutet ein fast senkrechter Kursanstieg in der Regel, dass es bald zu einer heftigen Reaktion nach unten kommt. Letzteres ist zuletzt bekanntlich japanischen Aktien widerfahren – eine Episode, die zu denken gibt, ist sie doch stark mit Erwartungen verknüpft. In diesem Fall jedoch nicht mit den von Rethfeld beschriebenen Inflationserwartungen, sondern mit von höchster Stelle geschürten Befürchtungen einer Deflation.

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