Gbureks Geld-Geklimper: Die Börse ist ein riesiges Spielfeld

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Die Börse ist ein riesiges Spielfeld

Kolumne von Manfred Gburek

Aktien sind überbewertet, Anleihen erst recht. Warum steigen ihre Kurse trotzdem weiter? Weil die Spielregeln sich verändert haben – aber nicht mehr für lange Zeit.

Viele Märchen beginnen mit: Es war einmal. Auch an der Börse? Diesen Eindruck kann man leicht gewinnen, wenn man die Aktienkurse und erst recht die Kommentare zu deren Verlauf verfolgt: Je schlechter die Stimmung in den Unternehmen, desto länger werde die Phase extrem lockerer Geldpolitik mit Zinsen von nahezu null Prozent anhalten, und das sei gut für die Aktienkurse, wird uns da immer wieder eingeredet.

Die Kurse der Anleihen zieht es ja nach oben, wenngleich nur marginal: Der Bund Future, Terminkontrakt für langlaufende Bundesanleihen, ist jetzt auf einen neuen Rekord von mehr als 151 Punkten gesprungen. Aber warum auch die Aktienkurse? Bloß weil genug Spielgeld da ist? Ja.

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Während der vergangenen Jahrzehnte war es in der Regel üblich, dass einer Liquiditätshausse – so nannte man den ersten durch lockeres Geld ausgelösten Kursschub – die fundamentale Hausse und dieser die Bestätigung durch steigende Unternehmensgewinne folgte. Danach kam es meistens zu Kursübertreibungen, die schließlich in Korrekturen mündeten. Diese fielen besonders deutlich beim Crash vom Oktober 1987 und beim Absturz der Aktienkurse von März 2000 bis März 2003 aus.

Für solche Kursverläufe sprach eine gewisse Logik. Aber sind die in den vergangenen drei Jahren gestiegenen Aktienkurse gleich unlogisch, nur weil sie nicht mehr zum früheren Schema passen? Es kommt darauf an: Aus Sicht von Spielern sind sie logisch, aus Sicht von Anlegern, die über den Tellerrand hinausblicken, sind sie dagegen unlogisch.

Wie man an der Börse die besten Chancen hat

  • Elektronische Retter nutzen

    Stop-Loss-Orders, bei deren Unterschreiten automatisch verkauft wird, disziplinieren und bewahren davor, permanent nach Kursen schauen zu müssen. Sinnvoll aber nur bei sehr liquiden Werten. Bei Aktien unterhalb des Dax gefährlich, weil Profis die Aktien unter das Stopp-Loss drücken und billig abfischen könnten.

  • Gewinne lieben lernen

    Stimmen die Gründe für den Kauf noch, wird eine Aktie nur ihrer Kursgewinne wegen nicht riskanter. Also halten, auch dann, wenn es zwischenzeitlich nach unten geht. Verschlechtern sich wesentliche Parameter: verkaufen.

  • Nicht der Meute folgen

    Angst und Gier treiben die Herde, so entstehen heftige Kursbewegungen, die aber auch schnell wieder drehen und deshalb gute Kauf- und Verkaufschancen bieten. US-Ökonom Robert Shiller zieht Parallelen zum Fußball: „Halte dich von der Meute fern, dann wird der Ball früher oder später zu dir kommen.“

  • Prüfen und kontrollieren

    Wer Unternehmen mit überzeugendem Geschäftsmodell hält, prüft Kennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Umsatz- und Cashflow-Entwicklung über viele Jahre und vergleicht sie mit den Zahlen der Konkurrenten. Gründe, die zu einem Investment führen, schriftlich festhalten: hilft klarer zu denken und kann, wenn der Wunsch, zu verkaufen übermächtig wird, nachgelesen werden.

  • Sich an eigene Vorgaben halten

    Irren ist menschlich. Wer schon beim Aktienkauf festlegt, welches Minus er maximal akzeptiert, schützt sich vor Illusionen. Etwa der, nur noch Nachrichten wahrzunehmen, die die eigene positive Überzeugung stützen.

Lieber Worte statt Taten

Die Börse gleicht derzeit einem riesigen Spielfeld. Die darauf tätigen Akteure sind überwiegend Großanleger, Fonds aller Art. Deren Manager wissen, dass sie spielen und ihr prozyklisches Spiel fortsetzen müssen, wenn sie mit Konkurrenten mithalten wollen. Deshalb dürfen sie nicht zu früh antizyklisch agieren. Sie verlassen sich darauf, dass die Geldpolitik so locker bleibt, wie sie gerade ist.

Und weil sich daran nichts zu ändern scheint, geht das Spiel immer weiter, bis es zu Ende ist, ausgelöst durch irgendein kursbestimmendes Ereignis (Konjunkturrückgang, schlechte Stimmung in den  Unternehmen, Handelsbarrieren, Ukraine-Sanktionen, Irak-Krieg, Japan-China-Konflikt usw.). Entscheidend wird dann die Abfolge der Reaktionen sein, also wann und in welchem Umfang die Masse der Fondsmanager die Kurse nach unten purzeln lässt.

Alle wissen um die Bedeutung der Geldpolitik und verfolgen sie deshalb besonders genau. Ein falsches Wort von Fed-Chefin Janet Yellen oder EZB-Präsident Mario Draghi, und schon drohen die Aktienkurse zu kollabieren. Im Bewusstsein dessen erklärte Yellen denn auch schon am 15. Juli, die amerikanischen Zinsen blieben niedrig. Draghi bemühte sich aus Anlass des Treffens der Notenbanker am vergangenen Wochenende in Jackson Hole um eine ähnliche Wortwahl.

Es sind halt überwiegend Worte, mit denen beide Geldpolitik betreiben – im Bewusstsein, dass Taten wie die Senkung des Leitzinses unter null Prozent bestenfalls marginal wirken würden und eine Erhöhung katastrophale Folgen an den Finanzmärkten nach sich zöge.

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