Gbureks Geld-Geklimper: Ein Crash kommt selten allein

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Ein Crash kommt selten allein

Kolumne von Manfred Gburek

Der nächste Anleihencrash ist programmiert, doch wann er kommt, bleibt offen. Beim Aktiencrash wird es komplizierter. Hier spielen Pannen im Hochfrequenzhandel eine wichtige Rolle - gemeinsam mit der Politik.

An diesem Freitag jährt sich zum 25. Mal der größte Aktiencrash, den Börsianer je an einem einzigen Tag erlebt haben: minus 22,6 Prozent, gemessen am Dow Jones, dem fälschlicherweise oft Index genannten Kursdurchschnitt 30 führender US-Aktien. Die Kursverluste von jenem 19. Oktober 1987 wurden danach an der amerikanischen Börse schneller wieder wettgemacht als an der deutschen; das lag im Wesentlichen daran, dass die Liquidation von Aktien in New York – wie auch in London und anderswo - mehr Zeit in Anspruch nahm als in Frankfurt. Das heißt, der Ansturm der Verkäufer aus aller Welt konzentrierte sich noch auf deutsche Aktien, während die amerikanischen bereits zur Kurserholung übergingen. Die Erforschung des Crash-Phänomens von 1987 förderte schließlich zutage, dass – um es salopp auszudrücken – Computerprogramme ihre verheerende Wirkung erzielt hatten.

Dieses Thema ist aktueller denn je. Nur heißt es heute abwechselnd mal Algo Trading, also Handel nach einem Algorithmus (Rechenverfahren), mal High Frequency Trading oder auf Deutsch Hochfrequenzhandel, den der eine oder andere deutsche Politiker in Verkennung der Fakten verbieten lassen will. Die Fakten: Der Hochfrequenzhandel ist international. Er erstreckt sich praktisch über alle Anlagekategorien und deren Derivate. Folgt man allein den aktuellen Recherchen eines Autorenteams der Frankfurter Goethe-Universität aus dem Bereich e-Finance, ist von der marktneutralen Arbitrage bis zu Momentum-Strategien so ziemlich alles möglich, was die Börsen in ihren Grundfesten erschüttern kann. Und dass der 19. Oktober 1987 keine Eintagsfliege war, hat zuletzt der sogenannte Flash Crash vom 6. Mai 2010 belegt, als Terminkontrakte an der Chicago Mercantile Exchange plötzlich die Aktienkurse wild hin und her springen ließen.

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10 Tipps für Börseneinsteiger

  • Volles Risiko oder lieber Nummer sicher - Typ-Analyse

    Bevor ein potentieller Anleger zum ersten Mal Aktien kauft, sollte er sich Gedanken darüber machen, welches Ziel er mit der Geldanlage verfolgt und für welchen Anlegertyp er sich hält. Wenn mit den Aktien später die Altersvorsorge aufgestockt oder das Studium der Kinder finanziert werden soll, muss an der Börse eine andere Taktik angewendet werden, als wenn es um kurzfristige Gewinne geht. Die grundlegende Frage ist: Sind Sie auf den Betrag angewiesen und investieren deshalb lieber mit möglichst geringem Risiko oder können Sie eventuelle Verluste verschmerzen und renditestärkere aber auch riskantere Papiere kaufen?

  • Gier ist nicht immer gut

    Wer die Frage nach der eigenen Risikoneigung mit "no risk, no fun!" beantwortet, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar sehr viel gewinnen, aber auch sehr viel verlieren kann. Für den Anfang schadet es nicht, auf eine langfristige Strategie zu setzen und die Entwicklungen an den Märkten zu beobachten. Kleine Zockereien für den Nervenkitzel sind dann im Verlustfall besser zu verschmerzen. Nach dem Geckoschen Leitsatz "Greed is good" sollten Börsenneulinge nicht handeln.

  • Nur kaufen, was man versteht

    Was eine Aktie ist und wie sie funktioniert, dürfte jedem klar sein. Wer sein Depot auch mit Anleihen und Zertifikaten füllen möchte, sollte nur in Produkte investieren, die er auch versteht. Wer nur auf die Renditeversprechen hört und Produkte kauft, deren Vor- und Nachteile, beziehungsweise Funktionsweisen er nicht begreift, fällt über kurz oder lang auf die Nase.

  • Bankgebühren beachten

    Bevor Sie ein Depot eröffnen, vergleichen Sie die Gebühren der Banken. Je höher die Gebühren sind, desto geringer fällt die Rendite nachher aus. Direktbanken haben im Regelfall günstige Konditionen und bieten kostenlose Depots an.

  • Auf die Mischung achten

    Anleger sollten ihr Geld - und damit auch ihr Risiko - zumindest am Anfang möglichst breit streuen. Verteilen Sie Ihr Geld auf verschiedene Märkte wie Rohstoffe und Energie, sowie auf Aktien, Fonds und Anleihen.

  • Mischung bei Fonds und Zertifikaten

    Wer seinem Portfolio Fonds oder Zertifikaten beimischt, sollte auch innerhalb dieser Anlageklassen auf eine gute Mischung achten. Fondsanbieter und deren Produkte lassen sich online schnell vergleichen. Wer nicht nur in ein oder zwei Gesellschaften investiert, ist auf der sicheren Seite.

  • Regelmäßige Überprüfung

    Besonders wichtig ist, dass Sie sich Zeit nehmen für Ihre Geldanlage und Ihr Depot regelmäßig überprüfen: Welche Anlageinstrumente haben sich wie entwickelt? Ist es Zeit, das Depot umzuschichten, oder läuft alles in meinem Sinne?

  • Qualität hinterfragen

    Bei der Überprüfung des Depots sollte man sich immer mal wieder fragen: Würde ich diese Aktie oder diesen Fonds heute noch kaufen? Lautet die Antwort ja, behalten Sie das Produkt. Sind Sie von der Qualität nicht mehr überzeugt, wird es Zeit zum Verkauf.

  • Verluste begrenzen

    Entwickelt sich eine Aktie oder ein sonstiges Produkt nicht so, wie geplant, sollten Sie nicht zögern, es zu verkaufen. Sogenannte Stopp-Loss-Orders, also Untergrenzen, bei denen verkauft werden soll, können hilfreich sein. Das bietet sich insbesondere dann an, wenn man den Kurs nicht permanent selbst im Auge behalten kann oder will.

  • Einen kühlen Kopf bewahren

    Grundsätzlich gilt: Verlieren Sie nicht die Nerven. An der Börse gibt es Kursschwankungen, Aktienkurse können unerwartet einbrechen. Das sollte aber kein Grund sein, den Kopf zu verlieren. Panische und unüberlegte Deals kosten meist mehr Geld als die Abwärtstrends.

Renditeversprechen ohne Wert

Der Hochfrequenzhandel birgt für private Anleger neben dem Risiko, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden, die Chance, von günstigen Einstandskursen profitieren zu können. Ein besonders markantes Beispiel ist der nicht mehr abwendbare kommende Anleihencrash aufgrund der ausufernden Schuldenkrise. Den letzten seiner Art gab es 1994 unter damals im Vergleich zu heute ganz anderen Voraussetzungen. Wir haben es demnächst also mit etwas Neuem zu tun. Umso größer wird der Überraschungseffekt sein, der alle Anlagen erfassen dürfte – mal mit negativen, mal mit positiven Folgen.

Crash der Anleihen, das bedeutet: Ihre Kurse fallen schlagartig, und damit steigen ihre Renditen. Die Manager der Lebensversicherer und Pensionskassen werden sich im Zweifel darüber freuen, denn dank des Renditeanstiegs können sie später die nominalen Renditeversprechen gegenüber ihren Kunden besser einhalten als beim aktuellen Renditeniveau. Dagegen wird sich die Freude der Kunden in Grenzen halten, weil die nominalen Versprechen von beispielsweise 3 oder 4 Prozent allein schon in Anbetracht der aktuellen Inflationsrate von 2,6 Prozent real viel weniger wert sind. Und konsequent zu Ende gedacht, bedeutet ein durch den Anleihencrash ausgelöster Renditeanstieg ja auch, dass damit steigende Inflationsraten vorweggenommen werden. Folglich dürfte es danach nur noch kurze Zeit dauern, bis die Renditeversprechen real nichts mehr wert sind.

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