Gbureks Geld-Geklimper: Eine Börse wie im Film

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Eine Börse wie im Film

Kolumne von Manfred Gburek

Aktienkurse werden zunehmend von Spielern bestimmt; derweil ticken Zeitbomben. Nach den Beschlüssen des EZB-Rats am 5. Juni ist mit gravierenden Folgen zu rechnen.

Der von den Medien betriebene Kult um die 10.000 Punkte beim Deutschen Aktienindex Dax geht Ihnen wie wahrscheinlich auch den meisten anderen Anlegern bestimmt auf die Nerven. Was bedeuten sie denn schon? Magisch? Historisch? Unsinn. Sie signalisieren doch nur, dass dieser Performance-Index, also die Summe aus aktuellen Kursen und längst ausgezahlten Dividenden deutscher Standardwerte, fünf- statt vierstellig wird. Würde man die historischen Dividenden, wie international üblich, vom deutschen Leitindex abziehen, bliebe gerade mal gut die Hälfte an Dax-Punkten übrig.

Viel Kult wird aktuell auch um die nächste Sitzung des EZB-Rats am 5. Juni betrieben, im Gegensatz zum Dax-Bohei allerdings zu Recht. Denn mit dieser Sitzung verbinden Börsianer hochgestochene Erwartungen, die sich gefährlich auswirken können: Entspricht ihnen die EZB, indem sie den Leitzins von 0,25 auf 0,15 Prozent oder auf eine Bandbreite zwischen null und 0,25 Prozent senkt, wird es anschließend heißen, die Erwartungen seien bereits in den Kursen eingepreist gewesen und die Kursspielräume nach oben ohne weitere Impulse deshalb begrenzt. Belässt die EZB es wider Erwarten beim Leitzins von 0,25 Prozent, könnten Börsianer für kurze Zeit schockiert reagieren. Falls die EZB jedoch zu besonders drastischen Maßnahmen greift, indem sie etwa ihr ganzes Arsenal an expansiver Geldpolitik einschließlich Anleihenkauf einsetzt, wären die Folgen für längere Zeit gravierend.

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Gleich zwei tickende Zeitbomben

Was für Folgen? Solche, die gerade kontrovers diskutiert werden. Zum Beispiel einerseits eine Blasenbildung, inzwischen gängiger Ausdruck für eine Überbewertung. Andererseits träumen viele Anleger davon, der seit Mitte Mai im Vergleich zum Dollar etwas schwächere Euro würde dem ganzen Euroraum Wettbewerbsvorteile verschaffen und für alles andere als eine Blasenbildung sprechen. Wiederum andere, vor allem Profis, machen sich Sorgen um die steigenden Barwerte der Pensionsverpflichtungen deutscher Konzerne, deren Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme dadurch sinkt und so mittelbar auf die Aktienkurse zu drücken droht. Doch die meisten Anleger dürften mit Entsetzen beobachten, wie ihre Kapitallebensversicherung oder alternativ ihre private Rentenversicherung im Lauf der Jahre zusammenschrumpft und damit die Altersvorsorge infrage stellt – schließlich verfügen die Deutschen ja, statistisch betrachtet, pro Person im Durchschnitt über mehr als eine von solchen Versicherungen.


Was wiegt besonders schwer? Blasenbildung hin oder her, beim Kursniveau um 10.000 Dax-Punkte, zustande gekommen nach einem fünfeinhalbjährigen Aufwärtstrend mit nur einer größeren Unterbrechung im Sommer 2011, sind auf jeden Fall Gewinnmitnahmen an der Tagesordnung. Ein starker Kursausbruch nach oben ist also nicht zu erwarten. Der leicht schwächelnde Euro bringt zwar geringfügige Wettbewerbsvorteile; aber damit der ganze Euroraum von ihnen profitiert, müssten etwa die französische und die italienische Autoindustrie erst einmal profitabel arbeiten, müssten Spaniens leer stehende Häuser endlich Käufer finden und niederländische Verbraucher weniger auf Pump leben. Die steigenden Pensionsverpflichtungen deutscher Konzerne sind tickende Zeitbomben, die jederzeit hochgehen und die Aktienkurse nach unten befördern können, die schrumpfenden Versicherungen nicht minder, weil sie zur Altersarmut beitragen.

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