kolumneGbureks Geld-Geklimper: Glücksspiel mit offenen Immobilienfonds

13. Dezember 2012
Kolumne von Manfred Gburek

Früher als Anlageklasse mit stabilen Erträgen propagiert, bilden diese Fonds heute mehr denn je eine Black Box. Wer sie kauft, riskiert Verluste. Ein neues Gesetz schafft keine Abhilfe.

Offene Immobilienfonds dürfen weiter leben, wenn auch unter neuen Bedingungen. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Treffender formuliert: Die einen – überwiegend Spezialfonds für institutionelle Anleger – werden zu neuem Leben erwachen. Die anderen - Publikumsfonds für private Anleger, vor allem für solche mit kleinem Geldbeutel – werden entweder wie bisher von vertriebsstarken Hausbanken (Deutsche Bank, Commerzbank, Volks- und Raiffeisenbanken, Sparkassen) mit allerlei Versprechungen als vermeintliche Depotstabilisatoren verkauft. Oder sie werden, weil sie - wie etwa Fonds von SEB, Credit Suisse, Degi und anderen - eingefroren sind, nach den Gesetzen des Marktes abgewickelt.

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Diese Gesetze können sich für private Anleger sehr unangenehm auswirken: In der ganzen Immobilienbranche weiß man, dass die betroffenen Fonds Zwangsverkäufe vornehmen müssen. Das drückt zunächst die Preise ihrer eigenen Immobilien und führt dazu, dass Anleger vor die Wahl gestellt sind, entweder zu warten und zu hoffen, ob ihr Fonds nicht vielleicht doch noch eines Tages Glück beim Verkauf hat, oder ihre Fondsanteile an der auf den Handel mit notleidenden Immobilienfonds spezialisierten Hamburger Börse mit hohen Abschlägen zu verkaufen. Im Übrigen können Zwangsverkäufe Kollateralschäden verursachen, sei es durch Preisrückgänge in der Nachbarschaft, sei es durch Preisdruck auf vergleichbare Immobilienobjekte.

Posse aus dem Bundesfinanzministerium

Der eingangs erwähnte Beschluss des Bundeskabinetts bedeutet das vorläufige Ende einer Posse, die im Sommer mit dem Entwurf zum AIFM-Umsetzungsgesetz begann (AIFM = Alternative Investment Fund Manager). Der Entwurf entstammte dem Finanzministerium des in Sachen Euro-Rettung arg geforderten Wolfgang Schäuble, der offenbar keine Zeit fand, ein Machtwort zu sprechen, um das zunächst 545 Seiten umfassende Elaborat schon im Vorfeld gründlich überarbeiten zu lassen.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Die Fondsbranche war entsetzt. Unter anderem sollte es keine neuen offenen Immobilienfonds mehr geben. Die Überarbeitung des Entwurfs kam nachträglich. Dass sie dringend erforderlich war, ergibt sich aus vielen Änderungen. So wird die Vorschrift gekippt, wonach Anleger halbjährlich nur 30.000 Euro liquidieren dürfen. Die Rücknahme von Anteilen soll an einem bestimmten Stichtag mit einjähriger Kündigungsfrist erfolgen. Und die Pflicht, einen unabhängigen Sachverständigenausschuss zu bilden, entfällt wie vieles andere auch.

Aktiv im Plus, eingefroren im Minus

Private Anleger, die einen offenen Immobilienfonds kaufen wollen, beabsichtigen damit in der Regel, stabile Erträge zu erzielen, die über der Verzinsung von Tageszinsen oder Bundesanleihen liegen. Insofern verlangt das, was die auf Immobilien spezialisierte Researchfirma IPD am Dienstag berichtet hat, besondere Beachtung: „Im November erzielten die deutschen Offenen Immobilien-Publikumsfonds 0,1% Rendite.“ Zieht man allein die weiter am Markt aktiven Fonds heran, ergeben sich immerhin positive Werte zwischen 1,9 und 4,5 Prozent. Dagegen weisen die eingefrorenen Fonds ein Minus zwischen 0,5 und 16,6 Prozent auf.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 14.12.2012, 12:43 UhrMUX

    Guthaben auf verschiedene Anlageformen und Banken verteilen
    ist doch nicht neu.
    Das lesen wir schon seit Jahren.
    Wer das nicht macht , dem kann nicht geholfen werden.
    Dass das alles kein gutes Ende nehmen wird , kann sich jeder denken.
    Nur die EURO-FANATIKER machen weiter .

  • 13.12.2012, 16:51 Uhraj1968

    Für den konservativen Anleger bedeutet dies den Verlust einer weiteren Assetklasse. Die offenen Immobilienfonds werden zu Grabe getragen. Hier ruhen schon in sanfter Ruhe:
    Sparbuch
    Tagesgeld
    Festgeld
    Sparbriefe
    Pfandbriefe
    Bundesschatzbriefe & -finanzierungsschätze
    Kapitallebensversicherungen, Rentenversicherungen
    Staatsanleihen
    Unternehmensanleihen
    Einzig allein Aktien, Fremdwährungen und Edelmetalle bieten (noch) etwas Sicherheit. Aber auch hier wird es noch zu Verwerfungen kommen, wie z.B. durch einen Crash oder Kaitalverkehrskontrollen. Es lebe die finanzielle Repression!

  • 13.12.2012, 10:10 UhrRKuberg

    Gott sei Dank gibt es Freiberufler wie Herrn Gburek, der ganz im Sinne des Kunden handelt. Damit steht er offensichtlich im krassen Gegensatz zu all den anderen boshaften Freiberuflern, die immer gern verallgemeinernd als Provisionsoptimierer bezeichnet werden und eher dem Dunstkreis von "Halunken" zuzuordnen sind. Solche Plattitüden machen müde - und senken die Glaubwürdigkeit des Autors. Hier wären differenzierte Kommentare angebracht.

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