Gbureks Geld-Geklimper: Heiße Energie-Aktien

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Heiße Energie-Aktien

Kolumne von Manfred Gburek

Der Sturz des Ölpreises bringt unter Energiekonzernen Gewinner und Verlierer hervor. Anleger können davon profitieren – allerdings nur dann, wenn sie sehr spekulativ vorgehen.

Auf schnelle Kursgewinne bedachte Börsianer haben es gern, wenn sich Aktienkurse extrem bewegen. Zumal dann, wenn Kaufkurse immer näher rücken oder schon ihren Boden gefunden haben. Dafür grassiert an der Börse eine hässliche, aber treffende Metapher: ausgebombt. Doch warum machen Börsianer gerade jetzt, da insbesondere die Kurse der meisten Energieaktien ausgebombt sind, um diese einen großen Bogen? Zum Beispiel um E.On und RWE, Royal Dutch und Exxon, Gazprom und Seadrill - um nur repräsentativ einige zu nennen, die es mehr oder weniger stark erwischt hat. Weil Börsianer in solchen Fällen gern einer anderen Metapher verhaftet sind: Fange nie ein fallendes Messer.

Das soll so viel bedeuten wie: Die Kursverluste gehen weiter. Warum, wird gleich nachgereicht: Weil E.On (trotz kommender Aufspaltung) und RWE zu Opfern der deutschen Energiewende geworden sind, weil die Ölreserven von Royal Dutch und Exxon allmählich zur Neige gehen, weil Gazprom im neuen Kalten Krieg zwischen Ost und West aufgerieben werden könnte und weil Seadrill nach besonders tiefen und damit teuren Lagerstätten bohrt, deren Rentabilität in Anbetracht des zurzeit sehr niedrigen Ölpreises in weite Ferne zu rücken droht.

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Die entscheidende Frage bleibt indes, ob die Kursrückgänge nicht bereits einen Großteil der jeweiligen Malaise vorweggenommen haben, kurzum, ob das Messer nicht bald auf den Boden prallt oder vielleicht schon auf ihm liegt.

Heiße Spekulation mit Gazprom und Seadrill

In den Fällen E.On und RWE fällt die Antwort besonders schwer, vor allem, weil die Politik mitmischt. Das heißt, die Aktien der beiden Energieversorger zu kaufen, bedeutet, eine Spekulation ins Blaue zu wagen. Bei Royal Dutch und Exxon ist die Sache dagegen einfach: Solange die beiden Ölmultis auskömmliche Dividenden zahlen, mögen ihre Aktienkurse, wie zuletzt geschehen, zwischenzeitlich um 10 oder 20 Prozent fallen, an der Dividendenfähigkeit wird sich dadurch nicht viel ändern.

Ganz anders steht es um Gazprom. Die Aktie des russischen Konzerns wirft eine hohe Dividendenrendite ab, nicht zuletzt deshalb, weil Deutschland ein großer treuer Abnehmer des Russengases ist. Hier geht es also um die Spekulation, dass es dabei bleibt – und dass der Kalte Krieg nicht weiter eskaliert. Seadrill schließlich ist eine noch heißere Spekulation. Sie lässt sich in erster Linie damit rechtfertigen, dass der Aktienkurs die Bezeichnung ausgebombt noch mehr verdient als der von Gazprom.

Deutsche Energieversorger im Vergleich

  • E.On

    Umsatz im Jahr 2013: 36,8 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.518 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 704 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 11 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • RWE

    Umsatz im Jahr 2013: 28,1 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 28.257 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 271 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 6 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • EnBW

    Umsatz im Jahr 2013:20,5 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 13.802 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 128 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 13 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

  • Vattenfall

    Umsatz im Jahr 2013: 15,3 Milliarden Euro

    Kraftwerkskapazität im Jahr 2013: 18.352 Megawatt

    Stromabsatz im Jahr 2013: 86 Terawattstunden

    Anteil Erneuerbaren Energien: 23 Prozent

    Quelle: Statista, Unternehmen

In letzter Zeit beherrschen eher die vermeintlichen Gewinner des niedrigen Ölpreises die Börsenschlagzeilen. Zu Recht? Eher nicht, denn die meisten der vorgetragenen Argumente sind dann doch zu fade. So muss man sich fragen, ob Lufthansa dank des vorübergehend billigen Öls und damit Kerosins einen nachhaltig gewinnsteigernden Effekt erzielen kann. Oder ob es der Post-Tochter DHL gelingen wird, der Mutter dank des niedrigen Spritpreises einen Gewinnschub zu geben. Auch das Argument, das billige Öl rege den Konsum entscheidend an, ja es sei wie ein Konjunkturprogramm, hält einer kritischen Analyse nicht stand. Marginale Wirkung für maximal einige Monate ja, Superkonjunktur dagegen nein.

Alternative Energien senden Signale

Man verfolge zum Beispiel die Kursentwicklung der Aktien von Unternehmen, die sich alternativen Energien verschrieben haben, um die hier vorgetragenen Argumente zu erhärten: Egal, ob Tesla und First Solar, beide USA, Canadian Solar, Yingli/China, Hanwha/Südkorea, Vestas/Dänemark oder Nordex und Manz, beide Deutschland - all diese und noch manch andere Aktien, deren Kurse jeweils eine erfolgreiche Story im Bereich alternativer Energien mit den Schwerpunkten Sonne und Wind widerspiegeln, hatten zwischenzeitlich beachtliche Höhenflüge zu verzeichnen, ohne danach auf alte Tiefstkurse zurückzufallen (prominente Ausnahme: Solarworld).


Hinter diesen Erfolgsgeschichten verbirgt sich unter anderem die berechtigte Erwartung, dass der Ölpreis nach seinem jetzigen Rücksetzer wieder steigen wird. Immerhin ist das die Erwartung von gestandenen Unternehmern, die lange genug Chancen und Risiken abgewogen haben, statt von Volkswirten, die uns einreden wollen, der amerikanische Schiefergasboom in Verbindung mit dem Öldumping durch Saudi-Arabien werde den Ölpreis dauerhaft drücken.

Es bleibt spannend

Das Thema Öl bleibt auch noch wegen eines weiteren Aspekts spannend: Für Energie-Investitionen wurden vor allem in den USA und Kanada hohe Kredite in Form von hochprozentigen Anleihen aufgenommen. Solche Anleihen erfreuten sich wegen ihrer üppigen Verzinsung über längere Zeit einer wachsenden Beliebtheit bei den Verwaltern von Fonds, Pensionskassen usw.

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Doch zuletzt erreichten immer mehr von ihnen Ramsch-Status, ausgelöst durch negative Bewertungen der Ratingagenturen. Die Konsequenz: Energie-Investitionen werden zurückgefahren, oder das Problem erledigt sich durch Pleiten von selbst.
Wer sich spekulativ bzw. extrem spekulativ betätigen will, greift mit dem ersten Teil des Einsatzes zu einer der sechs eingangs genannten Aktien von Royal Dutch bis Seadrill. Fallen deren Kurse weiter, kommt bei einem nochmaligen Spike nach unten der zweite Teil zum Einsatz. Steigen sie dagegen, sind schnell 10 bis 20 Prozent Kursgewinn möglich, für Anleger mit starken Nerven und viel Durchhaltevermögen sogar noch mehr.

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