Lagarde attackiert Merkel

Zwei typische Beispiele für das fehlerhafte Abwehrverhalten sind die fruchtlosen Diskussionen um eine Finanztransaktionssteuer und die sinnlosen, weil ins Leere zielenden Attacken gegen Hedgefonds. Würde besagte Steuer eingeführt, dürften sich die Börsenspieler in London und New York die Hände reiben, weil sie zusätzliches Geschäft erhielten. Und Hedgefonds zu dämonisieren, weil sie angeblich für das Schicksal hungernder Kinder in Entwicklungsländern verantwortlich seien, so eine naive Vereinfachung von Ursache und Wirkung taugt bestenfalls für eine Talkshow unter lauter Gutmenschen nach Mitternacht.
Derweil hacken transatlantische Kräfte auf Europa ein, speziell auf die Euro-Zone. Mit einem großen medialen Erfolg, wie die Warnung des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einer Rezession in der Euro-Zone zeigt. Pikant daran ist, dass es sich beim IWF um eine von den USA dominierte Organisation mit Sitz in Washington und bei der IWF-Chefin Christine Lagarde um eine Französin handelt, die jüngst sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel attackierte. Über deren Abwehrverhalten ist außer einer Rede zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums am Mittwoch in Davos nichts Konkretes an die Öffentlichkeit gedrungen. Immerhin lässt sich so viel zusammenreimen: Frankreich und die USA hätten gern, dass Deutschland viel stärker als bisher zur Kasse gebeten wird, damit die Konjunktur hüben wie drüben in Schwung kommt – und damit Nicolas Sarkozy wie auch Barack Obama die in diesem Jahr anstehende Präsidentschaftswahl gewinnen.
Draghi macht Anlegern Freude
Durch die Anlegerbrille betrachtet, stellt sich die Frage, welche Konsequenzen das Hickhack um den deutschen Beitrag zur Euro-Rettung haben wird. Realistisch betrachtet deutet jetzt – Euro-Zone hin, Griechenland her – fast alles darauf hin, dass Deutschland ein größeres finanzielles Opfer bringen wird, aber eines, bei dem die Bundeskanzlerin und nicht zu vergessen Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ihr Gesicht wahren können. Also für einen Kompromiss. Dann könnten Börsianer die Aktienkurse unter Schwankungen im Trend weiter moderat steigen lassen, und die zuletzt etwas entwöhnten Besitzer von Gold und Silber würden wieder Freude an ihren Krügerrands und Maple Leafs haben.
Aber bedeutet das nicht am Ende mehr Inflation? Wahrscheinlich, aber wir sind noch nicht am Ende. Und statt uns, wie eingangs beschrieben, allzu sehr mit der fernen Zukunft zu beschäftigen, erscheint es sinnvoller, die aktuelle Entwicklung genauer zu verfolgen. Dazu drängt sich geradezu auf, was Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, in deren Pressekonferenz am 12. Januar wegweisend gesagt hat. Hier die offizielle Übersetzung: „Die Inflation dürfte noch einige Monate über der 2%-Marke bleiben, bevor sie auf unter 2% zurückgeht. Die anhaltenden Finanzmarktspannungen wirken sich erwartungsgemäß weiterhin dämpfend auf die Konjunktur im Euro-Währungsgebiet aus.“ Die Quintessenz daraus: Der EZB-Präsident wird weiter Vollgas geben, das ist sicher. Aktien- und Edelmetallanleger müssen allerdings immer wieder damit rechnen, dass jeder noch so geringe Konjunkturdämpfer zu temporären Rückschlägen der Kurse bzw. Preise führen kann – die dann Kauf- oder Nachkaufgelegenheiten sein werden.








