Gbureks Geld-Geklimper: Programmierter Crash bei Bundesanleihen

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Programmierter Crash bei Bundesanleihen

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Ob die Politik das Rettungsboot für Griechenland erfolgreich zu Wasser lässt, bestimmt derzeit die Aktien- und Anleihenkurse

Kolumne von Manfred Gburek

Deutschland muss für Griechenland und andere Euro-Länder mehr als erwartet zahlen. Die Konsequenzen für Anleihen und Aktien.

Erst ein Verhandlungsmarathon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, dann immer noch keine abschließende Einigung – mal wieder typisch für das Griechenland-Drama. Das geht nun schon seit fast zwei Jahren so und vermittelt einen Einblick in das, was wir während dieser Zeit im Kampf um den Euro erleben: Politiker gehen davon aus, dass sie mit jedem Schritt nach vorn (allerdings ohne den selbst gesteckten Zielen entscheidend näher zu kommen) Zeit gewinnen. Dagegen sagt uns der gesunde Menschenverstand, dass sie in Wahrheit Zeit verlieren. Denn je länger die Verhandlungen um die Euro-Rettung und die Versuche um eine Stabilisierung Griechenlands dauern, desto mehr Unruhe staut sich an den Kapitalmärkten auf und desto lauter wird der Knall, sobald die Unruhe Groß- und Kleinanleger zu panischen Reaktionen verleitet.

Von der Politik abhängig
Dass seit geraumer Zeit primär politische Entscheidungen die Märkte beeinflussen, komme einem Paradigmenwechsel gleich, meint Thomas Neiße, Chef des Fondsverbands BVI. Recht hat er. Was zum Beispiel in Bezug auf Aktien und Anleihen so viel bedeutet wie: Deren Bewertung hängt zurzeit mehr von der Politik als von den relevanten Kennzahlen ab. Anhand des Vergleichs der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen mit der Dividendenrendite der 30 Dax-Aktien lautet das Ergebnis: Letztere bewegt sich um vier Prozent, während die Anleihen aktuell gerade mal gut zwei Prozent abwerfen, macht einen Unterschied von fast zwei Prozentpunkten zugunsten der Aktien.

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Anleihen krass überbewertet, Aktien eigentlich unterbewertet

Bundesanleihen, die vor 2008 jahrelang um zwei bis drei Prozentpunkte höher rentierten als Dax-Aktien, genießen unter Anlegern jetzt also offenbar einen politischen Bonus. Oder umgekehrt: Den Aktien haftet ein Malus an, der auch nach dem jüngsten Kursanstieg geblieben ist. Er erklärt sich zum einen aus der Rezessionsgefahr, zum anderen aus den Schwankungen der Aktienkurse, also aus einer gewissen Unberechenbarkeit, die vor allem die Manager von Versicherungsgeldern nicht besonders mögen. Dagegen steht der Aktienbonus, bestehend aus Substanz und überwiegend auch Ertragsstärke, doch der wird manchmal einfach ignoriert.

Noch eklatanter ist die Diskrepanz zwischen den Stärken und Schwächen der beiden Wertpapiergattungen einerseits und ihrer Bewertung durch die Märkte andererseits, wenn man für Bundesanleihen eine Kennzahl bildet, im Zähler bestehend aus dem Nominalwert zehnjähriger Papiere, also 100 Euro, und im Nenner bestehend aus der aktuellen Rendite, die am Mittwoch einen Sprung nach oben auf 2,13 Prozent machte. Ergebnis: 47. Verglichen mit dem aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 Dax-Aktien in Höhe von etwa 10 bedeutet das: Entweder Anleihen sind krass überbewertet oder Aktien krass unterbewertet.

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