Gegenwind für Aktien: Börsentanz in der Erdbebenzone

Gegenwind für Aktien: Börsentanz in der Erdbebenzone

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Zitterpartie an der Börse: Bitte keine schlechten Nachrichten.

von Stefan Hajek

Die Konzerngewinne schwächeln, die Kurse haben sich seit Jahresbeginn kräftig erholt. Jetzt wird die Luft an der Börse dünner.

Restlos gut gelaunte Dax-Vorstände trifft man derzeit tief in der Provinz. In Herzogenaurach, zum Beispiel. Dort präsentierte Adidas-Chef Herbert Hainer am 12. Mai bei strahlendem Sonnenschein glänzende Zahlen. In den ersten drei Monaten des Jahres haben die Franken den Umsatz kräftig gesteigert. Der Gewinn je Aktie schnellte um gut 50 Prozent in die Höhe, den Ausblick für 2016 hob Hainer an. Die Börse feiert mit: Seit ihrem Tief Anfang 2015 hat sich die Adidas-Aktie fast verdoppelt.

Damit ist Adidas aber die große Ausnahme. Nachdem inzwischen 29 der 30 Dax-Konzerne ihr Zwischenzeugnis fürs erste Quartal vorgelegt haben, ist klar: Der Gegenwind nimmt zu. Auch ohne handfeste Skandale wie bei VW oder bei der Deutschen Bank musste jedes dritte Dax-Unternehmen fallende Gewinne melden. Laut einer Untersuchung von Ernst & Young steigen zwar insgesamt die Gewinne noch leicht. Die Umsätze aber sinken bereits auf breiter Front.

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Noch dürften die anhaltenden Niedrigzinsen eine Massenflucht aus Aktien in Zinspapiere verhindern. Aber die Kurse sind seit Februar kräftig gestiegen, während Umsätze und Gewinne vieler Unternehmen bereits fallen – ein Paradox, historisch die krasse Ausnahme. Unwahrscheinlich, dass diese Entwicklung folgenlos bleibt. Viele Probleme, wie den möglichen Abschied der Briten aus der EU, blenden Anleger derzeit aus. „Die Börse preist klar ein, dass alles gut gehen wird“, sagt James McCann, Ökonom von Standard Life in Edinburgh. Viel Raum nach oben haben die Kurse so nicht. Nur wenige Aktien sind chancenreich.

Konjunktur schwächelt

Ängste vor einer weltweiten Rezession, ausgehend von China, hatten dem Dax zu Jahresbeginn fast 24 Prozent minus und (nach 2008) den zweitschlechtesten Jahresstart aller Zeiten eingebrockt. Die gute Nachricht: Chinas Wirtschaft stürzt nicht ins Bodenlose und die USA nicht in eine Rezession. Die US-Notenbank Fed hat das aufkommende Wirtschaftswachstum nicht abgewürgt, indem sie zu aggressiv die Zinsen erhöht und die Geldmenge verknappt. Folge: Der Dax hat sich erholt, schlingert erneut um die Marke von 10.000 Punkten. Erholung bedeutet aber nicht Entwarnung.

Von der Konjunktur kommt kaum Rückenwind. „Ab Mitte Februar hat die Erleichterung darüber, dass sich Rezessionssorgen nicht bestätigten, die Kurse getrieben“, meint Ralf Zimmermann, Chefstratege beim Bankhaus Lampe. Die Dynamik nehme jedoch schon wieder ab. Zwar konnten sich die wichtigsten Indikatoren für den Dax, der ifo- und die Einkaufsmanager-Indizes, zuletzt stabilisieren. Doch die Kurse sind erstmals den ifo-Geschäftserwartungen enteilt (siehe Chart unten). Vor allem die Binnennachfrage – Konsum und Bau – stützt noch die deutsche Konjunktur; die Bundesbank warnte am Dienstag schon vor einer erneuten Abkühlung ab Jahresmitte.

Euro-Rückenwind lässt nach

Wichtiger für den Dax mit seinen vielen Exportunternehmen ist die Industrie. Zwar zog auch die im März 1,9 Prozent mehr Aufträge an Land als im Februar. Dabei hat jedoch vor allem der schwache Euro geholfen. Auf dem Weltmarkt waren deutsche Produkte, die in US-Dollar abgerechnet werden, billiger als in den Quartalen zuvor. Dieser Schub lässt aber nach. Der Euro hat seit seinem Tief im November gegen den US-Dollar fast neun Cent zugelegt.

Die ersten Dax-Konzerne merken das bereits: Chiphersteller Infineon musste Anfang Mai seine Jahresprognose zurückfahren, obwohl das operative Geschäft recht gut läuft. Aber: Jeder Cent, den der Euro gegenüber dem Dollar zulegt, drückt den Jahresumsatz Infineons um rund 30 Millionen Euro. Der Gewinn falle allein dadurch um acht bis zwölf Millionen Euro niedriger aus, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss. Dennoch ist der Chiphersteller einer der wenigen Dax-Konzerne mit mittelfristigem Potenzial. Bereinigt um Wechselkurseffekte, steigen Gewinn, Umsatz und Cashflow. Im zweiten Halbjahr dürften neue Handymodelle wieder für stärkere Nachfrage nach den Chips der Münchner sorgen.

Seit 2014 haben sich die Aktienkurse erstmals von den Konjunkturerwartungen abgekoppelt. Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Seit 2014 haben sich die Aktienkurse erstmals von den Konjunkturerwartungen abgekoppelt. Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Auch Infineons früherer Mutterkonzern Siemens sowie SAP scheinen langfristig attraktiv; beide Aktien dürften vom weltweiten Trend zur Automatisierung, Vernetzung und Digitalisierung der Industrieproduktion profitieren. Vorsichtige Anleger können sich derweil mit Shortzertifikaten mit begrenzter Laufzeit auf den Dax absichern.

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