Geldanlage: Emittenten belohnen Risiko bei vielen Zertifikaten nicht

Geldanlage: Emittenten belohnen Risiko bei vielen Zertifikaten nicht

, aktualisiert 01. November 2011, 16:49 Uhr
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Bei Zertifikaten wird mehr Risiko nicht immer belohnt.

von Matthias von ArnimQuelle:Handelsblatt Online

Emittenten mit schwacher Bonität müssten Anlegern für ihre Produkte eigentlich besonders günstige Konditionen anbieten. Doch in der Realität sieht das Bild bei vielen Zertifikaten anders aus.

FrankfurtDen Banken geht es schlecht. Sie trauen sich selber nicht mehr und leihen sich gegenseitig kaum noch Geld. Wie weit das gegenseitige Misstrauen mittlerweile geht, lässt sich an den aktuellen Preisen von Kreditausfallversicherungen für Bankanleihen mit fünfjähriger Restlaufzeit ablesen. Die sogenannten Credit-Spreads bewegen sich derzeit auf Rekordniveau (siehe Grafik). Wer heute eine Bankanleihe im Wert von einer Million Euro versichern will, zahlt im Durchschnitt dafür 25000 Euro im Jahr. Bei Schuldnern wie der WestLB können es auch über 40000 Euro werden. Je teurer die Credit-Spreads sind, desto weniger Vertrauen haben die Marktteilnehmer in den jeweiligen Schuldner - und umso teurer wird für diesen in der Folge die Kreditaufnahme.

Diese Verkettung war in letzter Zeit häufig im Zusammenhang mit Staatsanleihen zu beobachten, hat aber auch für Anleger, die in Zertifikate investieren, eine besondere Bedeutung: Denn es gibt zwei wesentliche Faktoren, die bei Zertifikaten für Preis- und damit Renditeunterschiede sorgen. Ein Faktor ist die Vertriebsmarge des Produkts. Ein anderer ist normalerweise die Kreditwürdigkeit des jeweiligen Emittenten. Hier gilt im Normalfall: Je höher das Risiko, desto höher die Rendite. Mit anderen Worten: Je schlechter die Kreditwürdigkeit des Emittenten ist, desto günstigere Konditionen gewährt er den Anlegern, die seine Zertifikate kaufen. Diese Kreditwürdigkeit lässt sich an den Credit-Spreads ablesen.

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"Je höher der Spread, also der Zinsaufschlag für Kredite an diesen Emittenten, desto niedriger wird dessen Bonität eingeschätzt und umso bessere Konditionen müsste er eigentlich bei seinen Zertifikaten bieten", sagt Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope. Doch erstaunlicherweise sieht das Bild bei vielen Zertifikaten derzeit anders aus. Scope hat in einer Studie 8500 Discountzertifikate auf den Dax untersucht und dabei festgestellt, dass bei einem Drittel der Produkte die schwächere Bonität des jeweiligen Emittenten nicht durch eine größere Ertragschance beim Zertifikat ausgeglichen wird.


Bonität spielt nur eine Nebenrolle

"Anleger werden demnach nicht für das höhere Risiko entlohnt, das sie mit dem Kauf eines Zertifikats von einem relativ bonitätsschwachen Emittenten eingehen", so Perovic. Umgekehrt heißt dies allerdings auch, dass Anleger ohne Aufpreis oder sogar günstiger Produkte von Anbietern mit besserer Bonität bekommen. "Solche Zertifikate sind eindeutig vorzuziehen", empfiehlt Perovic.

Wie kommt es, dass Bonität und Pricing für Zertifikate nicht den normalen Regeln entsprechen? "Die Credit Spreads werden teilweise nicht im vollen Umfang an den Kunden weitergegeben. Das liegt sicherlich auch an der aktuellen Zinspolitik der Zentralbanken", erklärt Florian Roebbeling vom Institut für Zertifikate-Analyse. "Der Verkauf von Zertifikaten ist aus Sicht der Emittenten eine andere Form der Kreditaufnahme. Anleger stellen den Emittenten mit dem Kauf von Zertifikaten Kapital zur Verfügung. Je teurer die Geldbeschaffung für die Emittenten am Kapitalmarkt ist, desto eher sind sie normalerweise bereit, bessere Konditionen zu bieten.

Bonität spielt nur eine Nebenrolle.

Doch die Geldschleusen der Zentralbanken sind weit offen, die Kreditaufnahme für die Banken also kein Problem. "Die Bonität spielt deshalb bei den Konditionen für Zertifikate derzeit eine weniger wichtige Rolle", so Roebbeling. So gilt also aktuell: Mehr Risiko wird nicht immer belohnt. Deshalb sollten Anleger vor dem Kauf die Preise von Zertifikaten mit vergleichbaren Kennzahlen überprüfen. Wie preiswert oder teuer ein Produkt ist, lässt sich im Internet leicht überprüfen. Sortiert nach maximal erzielbarer Rendite, ist schnell erkennbar, welches Zertifikat bei identischen Rahmenbedingungen wie beispielsweise Basiswert, Basispreis und Laufzeit die besten Konditionen bietet. Gleichzeitig können Anleger beispielsweise auf den Internetseiten des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) die aktuellen Credit-Spreads der Emittenten einsehen. Die guten Vergleichsmöglichkeiten sollten Anleger nutzen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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