Geldanlage in den USA: Die Gebühren fressen die Rendite auf

Geldanlage in den USA: Die Gebühren fressen die Rendite auf

, aktualisiert 14. September 2016, 20:33 Uhr
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Der Chairman von Blackstone im Interview auf der „Delivering Alpha conference“.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Amerikanische Investoren tun sich schwer, auf die Herausforderung niedriger Zinsen zu reagieren. Aber sie haben doch noch ein paar Ideen parat – manche davon sind durchaus überraschend.

New YorkMark Carhart hat eine schlechte Nachricht für Anleger. „Bei der in den USA üblichen Aufteilung des Vermögens auf 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen ist nur noch eine Rendite von etwa 2,8 Prozent zu erreichen – die Hälfte von dem, was es früher gab“, sagt der Chef-Investor von Kepos Partner. Er rät Anlegern, sich auf niedrigere Renditen einzustellen.

Das ist nicht nur für die Anleger ein Problem, sondern auch für Vermögensverwalter. „Wenn die Renditen lange so niedrig bleiben, dann sind die Gebühren aller Anbieter zu hoch“, sagt Mary Callahan Erdoes, die Chefin von J.P. Morgan Asset Management. Fünf bis sechs Prozent Rendite seien kaum noch zu erzielen. Sie weist darauf hin, dass die Vermögensverwalter ihren Kunden gegenüber verpflichtet sind, die Gebühren deutlich unterhalb der Renditen zu halten. Listig fügt sie hinzu: „Die Frage ist allerdings, auf welchen Zeitraum sich das bezieht.“ Ross Margolies von Stelliam Investment schlägt vor, den Kunden Preisnachlass zu bieten, wenn sie sich auf eine langfristige Bindung des Kapitals einlassen.

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Was tun, wenn es fast keine Zinsen mehr gibt? Grundsätzlich gibt es vier Wege darauf zu reagieren. Einmal können Investoren sich an niedrige Renditen gewönnen. Oder sie gehen höhere Risiken ein, verzichten auf Liquidität oder achten mehr auf die Kosten. Oder alles zugleich. Bei der Investoren-Konferenz „Delivering Alpha“ versuchten Anlageprofis, sich in diesem schwierigen Umfeld zurecht zu finden.

Bill Miller, Gründer und Chef von LMM Investments, setzt unverdrossen auf US-Aktien, auf den gesamten Index Standard & Poor’s 500. Dagegen sollten die Anleger US-Schatzanleihen verkaufen. Er vergleicht die heutige Situation mit der vom September 1987, kurz vor dem damaligen Aktiencrash. Der S&P 500 war damals mit dem 15,6 fachen der Unternehmensgewinne bewertet, etwas weniger als zurzeit mit 18,5. Die Dividendenrendite lag bei 3,57 Prozent, die Gewinnrendite (also die gesamten Gewinne auf den Kurs bezogen) bei 6,4 Prozent. Die heutigen Werte liegen dagegen bei 2,13 und 5,41 Prozent. Insgesamt sind die Aktien heute also etwas höher bewertet als damals.

Aber viel drastischer fällt der Vergleich der zehnjährigen US-Staatsanleihen aus. Die Rendite lag damals bei 9,09 Prozent, die Papiere waren also mit Elf-fachen des Gewinns bewertet. Heute dagegen erreicht die Rendite nur 1,57 Prozent. Damit sind die Papiere mit dem 63,8fachen des Kurses bewertet.


Aktien versprechen mehr als Anleihen

Aus diesem drastischen Vergleich zieht die Miller die Konsequenz: Aktien versprechen mehr als Anleihen. Er nennt auch zwei Beispiele. Einmal die kanadische Pharmafirma Valeant. Nach einer tiefen Krise und einem Kurssturz hat sie unter dem neue Chef Joseph Papa wieder ein tragfähiges Geschäftsmodell mit hohen Finanzüberschüssen, glaubt Miller. Außerdem empfiehlt er Amazon, weil er dort auf bessere Margen hofft, und die Aktien der US-Fluggesellschaften hält er für „lächerlich“ billig.

Einen etwas spezielleren Tipp hat Robert Bishop, der Gründer von Impala Bishop Management. Er glaubt, dass die Preise von Metallen wie Kupfer und Zink den Tiefpunkt überwunden haben. „Angebot und Nachfrage sind in der Balance, der Bedarf in China steigt wieder und es gibt kaum neue Investitionen in dem Bereich“, sagt er. Daher empfiehlt er die kanadische Firma Teck Ressources. Dagegen rät er von Freeport ab, weil diese Firma zu stark verschuldet sei. Alcoa gegenüber bleibt er zurückhaltend. „Bei der Aluminiumerzeugung gibt es von den Rohstoffen her kaum eine Beschränkung, sondern vom Kapitaleinsatz für die Verarbeitung“, sagt er. Deswegen glaubt er, dass dort die Erholung der Rohstoffpreise nicht so stark durchschlägt.

Hedgefonds-Manager verdienen ihr Geld freilich auch damit, dass sie gegen Aktien wetten. Jim Chanos, Gründer von Kynikos Associates, hat sich Tesla als Zielscheibe ausgesucht. Die Fusion des Herstellers von Elektro-Autos mit Solar City hält er für „verrückt“. Denn Solar City verbrennt bei der Vermietung von Solar-Panelen seiner Berechnung nach pro Quartal rund eine Milliarde Dollar. Sollten die Märkten sich drehen und Tesla-Chef Elon Musk nicht mehr so bereitwillig wie bisher Kapital überlassen, dann wäre Tesla sogar in der Existenz gefährdet, sagt Chanos. Er lässt auch den Vergleich von Musk mit Amazon-Gründer Jeff Bezos nicht gelten, den viele anfangs auch für verrückt hielten. „Amazon erzielt schon lange Finanzüberschüsse“, sagt er.

Chanos hat sich noch ein weitaus größeres Ziel ausgesucht: den chinesischen Online-Händler Alibaba. „Der funktioniert nach dem chinesischen Prinzip: Man sieht nicht alles“, sagt er. Seiner Meinung nach ist zu wenig vom Geschäft in der Konzernbilanz konsolidiert, etwa der ganze Bereich der Zulieferung zu den Kunden. Alibaba ist auch früher schon wegen einer wenig transparenten Struktur kritisiert worden, die stark auf die Person des legendären Konzerngründers Jack Ma zugeschnitten ist.


„Es sind schlechte Zeiten für liquide Anlagen“

Auf derselben Konferenz konterte aber Joseph Tsai, der Vize-Chef von Alibaba. „Das Zuliefergeschäft ist ausgegliedert, weil wir eine Technik-Gesellschaft sind und nicht zwei Millionen Zusteller managen wollen“, sagt er. Er verweist auf die enormen Wachstumschancen, weil China sein ganzes Wirtschaftsmodell auf Konsum umstellt und vor allem junge Leute gerne mit dem Smartphone einkaufen. „Wir haben 430 Millionen aktive Shopper, die sich im Schnitt sieben Mal pro Tag für zusammen 25 Minuten bei uns einklinken, das ist mehr Zeit als bei Twitter oder Snapchat“, sagt er.

Neben einem höheren Risiko können Anleger mehr Rendite auch dadurch erzielen, dass sie auf Liquidität verzichten. Das klassische Beispiel für private Anleger sind Immobilien – entsprechend sind die Preise ja zum Teil auch schon gestiegen in den letzten Jahren. Für Großinvestoren kommt dagegen auch Private Equity infrage, also die Anlege in nicht an der Börse notierten Unternehmen.

Stephen Schwarzman, als Gründer Blackstone eine der bekanntesten Figuren der Branche, bietet Anlagen mit einer Bindungsdauer bis zu 20 Jahren an. „Dann müssen wir nicht zwischendurch Unternehmen abstoßen und dann möglicherweise warten, bis sich eine neue Kaufgelegenheit ergibt, sondern die Rendite kann die ganze Zeit durchlaufen“, sagt er. Vor allem Pensionsfonds seien an langen Laufzeiten interessiert.

Er verspricht keine bestimmten Renditen, aber sagt: „Man denkt da so an zwölf oder 13 Prozent.“ Und wie lässt sich das erzielen? Schwarzman sagt: „Wir schauen uns die Unternehmen sorgfältig an, überlegen uns eine Wachstumsstrategie und hebeln die Rendite noch etwas durch stärkere Schuldenfinanzierung hoch.“ Er freut sich darüber, dass gängige Wertpapiere wie Aktien und Anleihen alle relativ teuer sind: „Es ist eine schlechte Zeit für liquide Anlagen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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