Geldanlage in der Schuldenkrise: Sicherheit statt Rendite

Geldanlage in der Schuldenkrise: Sicherheit statt Rendite

, aktualisiert 22. November 2011, 08:58 Uhr
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Bundesanleihen stehen bei Anlegern derzeit hoch im Kurs - doch die Rendite sinkt immer tiefer.

von Andrea CünnenQuelle:Handelsblatt Online

Bei einer Rezession heißt die oberste Priorität für Anleger Kapitalerhalt. Warum sich die Anleger auf deutsche Staatsanleihen stürzen - obwohl sie nur noch Mini-Zinsen abwerfen.

FrankfurtExperten für Staatsanleihen kommen mitunter geradezu zynisch daher. Was für jeden Normalsterblichen der blanke Horror ist, beschreiben die Geld- und Kapitalmarktexperten der Landesbank Baden-Württemberg in wenigen Worten als „Best-Case-Szenario“ für deutsche Bundesanleihen: „Die Schuldenkrise im Euro-Raum und in den USA eskaliert weiter, die Solidarität in der Europäischen Währungsunion bröckelt. Erneute Rezession.“ Immerhin 35 Prozent Wahrscheinlichkeit messen sie diesem Szenario zu, und die Empfehlung für diesen Fall ist klar: Bundesanleihen kaufen.

Verwunderlich ist das nicht, denn in der Geschichte der Bundesrepublik flohen Anleger stets in Bundesanleihen, wenn sich Wirtschaftskrisen abzeichneten. Anschließend gab es zwar auch immer Gegenbewegungen mit fallenden Kursen und steigenden Renditen. Fest steht aber:  Unter dem Strich gehen die Bund-Renditen seit gut 30 Jahren zurück. Von knapp elf Prozent, die Investoren noch Anfang der 80er-Jahre für zehnjährige deutsche Bundesanleihen bekamen – damals lag auch die Inflation bei knapp sieben Prozent – ist die Rendite bis Mitte September dieses Jahres auf ein historisches Tief von 1,64 Prozent gefallen. Seither ist sie zwar leicht gestiegen, liegt aber immer noch unter zwei Prozent. Und Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit werfen aktuell ein halbes Prozent Rendite ab und damit ebenfalls historisch wenig.

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Wer jetzt Bundesanleihen kauft, wird folglich nicht einmal für die Inflation entschädigt, die zuletzt in Deutschland bei 2,5 Prozent lag. Für Lazlo Belgrado, Leiter des Anleihebereichs bei der Fondsgesellschaft KBC, ist deshalb klar: „Bundesanleihen sind nur noch ein gutes Investment, wenn es tatsächlich zu einer Rezession kommt. In diesem Fall werden Bundesanleihen zu den Anlagen mit einem starken Ertrag gehören.“ Dabei ist das Potenzial angesichts der schon niedrigen Renditen zwar begrenzt. Aber: Wenn die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf ein Prozent und damit das Niveau zehnjähriger japanischer Staatsbonds sinken würde, brächte das Anlegern neben den Zinsen einen Kursgewinn von fast sieben Prozent.


Das deutsche Geschäftsmodell stimmt

Der Grund für die Nachfrage nach Anleihen des deutschen Staats bei einer Rezession ist simpel: „In Krisenzeiten geht es den Investoren vor allem darum, ihr Kapital zu erhalten“, meint Martin Wilhelm von der Vermögensverwaltung IfK – Institut für Kapitalmarkt. Und mit Blick auf die Sicherheit steht Deutschland eben noch gut da und dürfte seine Zinsen pünktlich überweisen und am Ende der Laufzeit die Anleiheschulden tilgen. Bei Aktien gibt es dagegen in der Regel nur dann Kursgewinne, wenn die Unternehmen ihre Gewinne steigern, und das ist in einer Rezession eben schwer. Auch Anleihen von Unternehmen sind in diesem Fall weniger gefragt, weil Investoren fürchten, dass eine schwere Wirtschaftskrise die Zahlungskraft der Unternehmen mindert. In Deutschland dagegen steigen die Schulden bislang in geringerem Ausmaß als prognostiziert, und die Wirtschaft dürfte auch in einer Rezession weniger stark schrumpfen als in anderen Euro-Ländern. „Von daher gilt Deutschland als Schuldner mit einem der solidesten Geschäftsmodelle“, meint Torben Skopnik, Analyst bei der LBBW.

Hinzu kommt die gute Handelbarkeit der Bundesanleihen, für die es stets genügend Käufer und Verkäufer gibt. Gründe dafür sind das ausgeprägte Vertrauen der Investoren in Deutschland, die großen Volumina der Bundesanleihen und die Absicherungsmöglichkeiten über Terminkontrakte wie den Bund-Future.

Rainer Guntermann, Stratege bei der Commerzbank, geht schon jetzt davon aus, dass die Bund-Renditen noch in diesem Jahr neue Tiefs markieren werden. Der Grund: Schon gegen Ende des Jahre dürften die Ängste vor einer Rezession wieder zunehmen, weil es der Politik noch nicht gelingt, die Krise im Euro-Raum zu entschärfen.

Ein Grund für die große Nachfrage nach Bundesanleihen in einer Rezession ist auch, dass die Notenbanken in diesem Fall stets die Leitzinsen extrem niedrig halten und dazu die Ängste der Investoren vor einer Inflation, also vor stetig steigenden Preisen, in Ängste vor einer Deflation,  also vor stetig fallenden Preisen, umschlagen. Schließlich senken Unternehmen in einer Rezession die Preise, um noch Abnehmer für ihre Produkte zu finden, und auch die Rohstoffpreise gehen angesichts sinkender Nachfrage in einer Wirtschaftskrise zurück.


Japanische Verhältnisse?

In einem solchen theoretischen Umfeld könnten sich viele Experten vorstellen, dass die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen auf nur noch knapp ein Prozent fällt. Vorbild für dieses Szenario ist Japan. Seit mehr als einem Jahrzehnt wächst die Wirtschaft in Japan bestenfalls mäßig, und die Preise sinken. Die Folge für Japans Staatsbonds: Die Rendite schwankt seit Februar 1999 zwischen knapp einem halben und zwei Prozent. Zurzeit liegt sie bei etwas unter einem Prozent. Angesichts der aktuellen Deflationsrate von 0,7 Prozent bietet sie damit real einen immer noch erklecklichen Ertrag. Dass Japans Schuldenberg auf inzwischen gut 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gewachsen ist, tut der Nachfrage gerade der inländischen Investoren dabei keinen Abbruch.

„Auch in Deutschland würde bei einer Rezession die Verschuldung weiter steigen“, meint Vermögensverwalter Wilhelm, „allerdings wohl eher in Richtung 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.“ Das Umfeld – niedrige Leitzinsen, niedrige Inflation, gemäßigtes Wirtschaftswachstum sowie geringe Renditen von Bundesanleihen – erinnere dabei schon jetzt an japanische Verhältnisse. Und im Falle einer Rezession würde sich diese Parallele noch verstärken – mit noch niedrigeren Renditen für die deutschen Bundesanleihen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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