Geldanlage: Riskante Indexfonds

KommentarGeldanlage: Riskante Indexfonds

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Der weltgrößte Indexfondsanbieter Blackrock verleiht nur noch 50 Prozent seiner Wertpapiere und kommt damit der EU-Aufsicht entgegen.

von Heike Schwerdtfeger

Die Aufsicht sollte börsengehandelten Indexfonds das Verleihen von Wertpapieren verbieten.

Wo ist Geld sicher? Das ist die derzeit wohl brennendste Frage aller Anleger. Die Kurz-Variante der Antwort: Verteilen Sie Geld auf Aktien, Zinspapiere, Spareinlagen und vielleicht Gold. Vereinfachen Sie die Sache dadurch, dass Sie die Expertise gestandener, selbstständiger Geldverwalter nutzen, etwa durch Kauf von Mischfonds. Warum dabei kleinere Vermögensverwalter die bessere Wahl sind? Weil viele nicht mit an dem großen Rad drehen, das die Finanzindustrie ins Schwingen und die Aufseher zum Zittern bringt: Wertpapierleihe.

Weltweit verleihen Fonds, Versicherer und Banken untereinander täglich Aktien und Anleihen im Wert von 1800 Milliarden Dollar, ohne Börsenhandel, im Verborgenen. Die Papiere nutzen Hedgefonds oder die Anbieter von Optionsscheinen und Hebelzertifikaten. Sie würden ohne Wertpapierleihe gar nicht existieren.

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Wertpapierleihe brauchen alle, die auf sinkende Kurse spekulieren. Wer sich Aktien leiht, verkauft sie in der Erwartung, sie später am Markt günstiger zurückkaufen zu können, um sie dem Verleiher zurückzuliefern. Die Differenz aus dem Geschäft ist der Gewinn, der nur durch geringe Kosten – meist im Promillebereich – belastet wird, die Verleiher in Rechnung stellen. Fondsgesellschaften geben nur einen Teil der Einnahmen aus der Leihe an Anleger zurück, etwa 40 Prozent behalten sie für sich. Weil sie die Papiere meist erst zurückbekommen, wenn der Hedgefonds sein Ziel erreicht hat und der Kurs gesunken ist, ist dieses selbstmörderische Spiel für Anleger fatal. Die mickrigen Einnahmen ihres Fonds aus der Leihe können Kursverluste nicht aufwiegen.

Aufseher verlieren den Überblick

Bei den boomenden börsengehandelten Indexfonds (ETFs) entwickeln sich regelrechte Verleihketten. Indexfonds verleihen bis zu 90 Prozent ihrer Wertpapiere. Im Gegenzug bekommen sie vom Hedgefonds Wertpapiere als Sicherheiten. Beim weltgrößten Indexfondsanbieter Blackrock besteht die Hälfte des Sicherheiten-Korbs aus Apple-Aktien. Aber nicht nur ETFs verleihen Wertpapiere, auch die großen ETF-Investoren wiederum können ihre ETFs verleihen. Aufseher verlieren den Überblick. Sie sehen die Indexfonds-Industrie als Bedrohung für die Stabilität des Finanzmarkts.

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Eine Kettenreaktion könnte die Börsen ins Chaos stürzen, wenn ETF-Anleger in einer Panik massiv verkaufen oder Sicherheiten und Leihegeschäfte durch die Pleite einer Bank gefährdet sind. Blackrock gibt jetzt bei seiner Marke iShares nur noch maximal 50 Prozent der Wertpapiere in die Leihe. Einzelne Titel könnten aber weiter komplett verliehen werden, beispielsweise, wenn die Leiherträge besonders hoch sind – wie derzeit bei spanischen Staatsanleihen. Blackrock hat der EU-Aufsicht ESMA nur den kleinen Finger gereicht, und europäische Wettbewerber verleihen noch immer 90 Prozent. Die ESMA darf sich nicht damit zufriedengeben. Sie sollte den Indexfonds die Leihe verbieten, damit diese wieder durchschaubarer werden – und das Geld der Anleger in ihnen gut aufgehoben ist.

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