Geldanlage: Tafelsilber mit glänzenden Aussichten

Geldanlage: Tafelsilber mit glänzenden Aussichten

, aktualisiert 17. Juli 2016, 13:28 Uhr
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Alt, teuer und verschnörkelt – mit Tafelsilber lässt sich nicht nur schön speisen. Auch als Geldanlage ist es geeignet.

von Frank DollQuelle:Handelsblatt Online

Die Brexit-Sorgen an den Finanzmärkten haben den Preisanstieg von Silber befeuert. Das Edelmetall bietet Anlegern mehr als nur Krisenschutz. Was Sie jetzt für einen potenziellen Kauf wissen sollten.

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten haben einen klaren Sieger hervorgebracht. Nicht etwa Gold, dessen Anstieg viel Aufmerksamkeit genossen hat, sondern Silber. Fast 20 Prozent hat der Silberpreis in Euro seit dem Brexit-Referendum zugelegt – doppelt so viel wie der Goldpreis. Auch zum Jahresstart liegt Silber mit gut 40 Prozent Preisanstieg fast doppelt so weit vorn.

Für Anleger ist das mehr als eine Momentaufnahme. Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Silber auch jetzt noch mehr Wertsteigerungspotenzial besitzt als Gold. So dürfte dieses Jahr zum vierten Mal in Folge wieder mehr Silber nachgefragt als gefördert werden. Weil Silber – anders als Gold – auch industriell intensiv genutzt wird, sind die über der Erde vorhandenen Vorräte stärker begrenzt. Diese Knappheit treibt die Preise.

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Auch die Gold-Silber-Ratio deutet auf bessere Anlagechancen beim Silber hin (siehe Grafik). Um die Kennzahl zu errechnen, wird der aktuelle Gold- durch den Silberpreis geteilt, jeweils in Dollar. Hohe Werte der Gold-Silber-Ratio deuten darauf hin, dass Silber relativ preiswert ist gegenüber Gold – und umgekehrt.

Erreichte die Kennzahl in den vergangenen Jahren die Schwelle von 80, stellte sich dies in der Rückschau als guter Zeitpunkt für den Einstieg in Silber heraus. Denn anschließend stieg der Silberpreis nicht nur stärker als der Goldpreis, sondern legte auch absolut kräftig zu. Zwischen Anfang 2003 und Ende 2010 etwa, als sich der Preis einer Feinunze Silber (rund 31,1 Gramm) von 4,70 Dollar auf über 30 Dollar mehr als versechsfachte.

Allerdings zahlen Käufer hierzulande auf Barren und Münzen gut 20 Prozent Aufschlag auf den reinen Silberpreis, unter anderem wegen der Mehrwertsteuer. Gold, das Anlagezwecken dient – also Barren und in hohen Stückzahlen aufgelegte Münzen –, ist dagegen in der Europäischen Union von der Mehrwertsteuer befreit. Damit die Rechnung der Silberfans aufgeht, muss ihr Edelmetall insofern deutlich stärker steigen als Gold. Immerhin sind auch ihre Gewinne aus physischen Silberinvestments nach wenigstens einem Jahr Haltedauer steuerfrei.

Ohne Mehrwertsteuer kaufen können Anleger mit Silber gedeckte Wertpapiere. Allerdings werden dann, etwa beim ETFS Physical Silver (siehe Tabelle), beim Verkauf vom möglichen Gewinn 26,4 Prozent Abgeltungsteuer und Soli abgezogen. Im Vergleich schneiden Käufer physischen Silbers erst bei mehr als 170 Prozent Preisanstieg besser ab als die ETF-Anleger, weil die Steuerfreiheit ihres Gewinns dann die höheren Anschaffungskosten ausgleicht.

Außerdem brauchen sich ETF-Anleger keine Gedanken um die Lagerung ihres Silbers zu machen. Kein unwichtiges Detail: Immerhin verbrauchen Silberbarren beim gleichen Anlagebetrag mehr als 100 Mal so viel Stauraum im Tresor wie Goldbarren.

Die Barren, mit denen die börsennotierten Silberfonds besichert sind, lagern überwiegend in Londoner oder Zürcher Tresoren – mittlerweile fast 650 Millionen Unzen oder gut 70 Prozent der Jahresfördermenge. Anders als beim Gold ebbten die Zuflüsse in die Silber-ETFs selbst nach dem Preissturz 2011 nur kurzzeitig ab. Die von den Fonds gelagerte Menge liegt heute, beim Unzenpreis von 19 Dollar, gar rund zehn Prozent höher als zum Zeitpunkt des Rekordhochs bei 49,80 Dollar im April 2011.

Zentral gebunkerte Silberschätze sind keine neue Erfindung. Über viele Jahrhunderte war Silber das gängigste Zahlungsmittel. Noch im 19. Jahrhundert galt in vielen Ländern ein reiner Silberstandard oder ein Bimetallstandard mit Gold und Silber.

Beim Silberstandard waren die umlaufenden Banknoten zu 100 Prozent durch Silber gedeckt. Papiergeld konnte jederzeit in einem festen Verhältnis in Silber getauscht werden. In Ländern mit Bimetallstandard galt zudem ein festes Tauschverhältnis zwischen Silber und Gold. Noch 1940 besaß die US-Regierung nach Schätzungen des New Yorker Rohstoff-Researchhauses CPM Group 3135 Millionen Unzen Silber.


Gold behauptet seinen monetären Stellenwert bis heute

Erst nach großen Goldfunden in Kalifornien und Australien setzten von 1870 an viele Länder auf einen reinen Goldstandard. Das US-Staatssilber wurde verkauft, bis auf eine bescheidene strategische Reserve. Die offiziellen Silberbestände sanken laut CPM Group auf unter 60 Millionen Unzen.

Gold hingegen behauptete seinen monetären Stellenwert bis heute, selbst nachdem US-Präsident Richard Nixon 1971 den Gold-Dollar-Standard gebrochen hatte und Papiergeld somit die letzte Bindung an ein Edelmetall verlor. So halten Regierungen und internationale Organisationen im Schnitt noch gut ein Zehntel ihrer Währungsreserven in Gold vor, insgesamt 1051 Millionen Unzen.

Silber verlor zwar seine Währungsfunktion, nicht aber seine Bedeutung. Es entwickelte sich immer mehr vom Edel- zum Industriemetall. Früher wurde Silber ausschließlich zu Schmuck, Münzen oder Tafelsilber verarbeitet. Es wurde, wie Gold heute noch, gehortet oder wieder verwertet und landete nicht auf der Müllhalde. Heute wird Silber verbraucht. Die Industrie nimmt die Hälfte des jährlichen Angebots ab.

Für viele Anwendungen ist Silber unverzichtbar geworden. Es besitzt von allen Metallen die beste Leitfähigkeit für Wärme und Energie sowie das höchste Reflexionsvermögen. Silber wird zum Beispiel in Katalysatoren im Auto genutzt, wo es statt des deutlich teureren Platins eingesetzt werden kann. Auch in Kühlschränken sind Silberbeschichtungen anzutreffen – Silber wirkt keimtötend. Selbst in Sportunterwäsche werden Silberfäden verarbeitet, damit Sportler auch verschwitzt gut riechen. Seit 1999 stieg die industrielle Nachfrage um 130 Prozent auf rund 590 Millionen Unzen.

Dieser Nachfrageschub verhinderte den wegen des Siegeszugs der digitalen Fotografie immer wieder befürchteten Zusammenbruch des Silbermarktes. Silber wird vor allem in klassischen Analogfilmen verarbeitet. Mit dem Trend zu digitalen Bildern schrumpfte der Silberbedarf der Fotoindustrie daher dramatisch. Ihr Anteil an der Gesamtnachfrage sackte von 26 Prozent 1999 auf jüngst nur noch rund vier Prozent ab.

Gleichzeitig legte die Minenproduktion von 1999 bis 2015 um rund 63 Prozent zu, auf 887 Millionen Unzen. Dennoch reicht die Produktion nicht, um die Nachfrage zu decken. Industriekunden sorgen sich um ihre Versorgung. Keith Neumeyer, der Chef von First Majestic, dem zweitgrößten Silberförderer in Mexiko, berichtete unlängst, ein großer japanischer Elektronikkonzern bemühe sich intensiv um langfristige Lieferverträge.

Ein schnell wachsendes Angebot, das den Preis drücken könnte, droht nicht. Silber wird zu rund 70 Prozent als Nebenprodukt in Bergwerken gewonnen, die etwa Blei, Zink oder Kupfer fördern. Die Produktion hängt somit auch am Tropf der Förderung von zyklischen Industriemetallen. Hohe Preise dieser Metalle bringen mehr Output – und umgekehrt. So sorgte vor allem der Einbruch der Industriemetallpreise dafür, dass die Silberproduktion 2015 nur noch um zwei Prozent wuchs, weniger als halb so stark wie in den drei Jahren zuvor. Da Bergbauunternehmen in den vergangenen Jahren Investitionen massiv gestutzt haben, sollten sie künftig eher weniger Silber aus dem Boden holen.

Abrunden lässt sich ein Silberportfolio mit Aktien von Minenunternehmen, die, wie First Majestic, primär Silber fördern (siehe Tabelle auf der vorherigen Seite). In einer Hausse werden ihre Kurse stärker zulegen als der Unzenpreis selbst, weil ihr Gewinn bei relativ fixen Förderkosten überproportional steigt. Gleichzeitig würden ihre Reserven aufgewertet werden.

Der Effekt wirkt allerdings auch umgekehrt. Fällt der Silberpreis, verlieren die Minen überproportional. Weil der Silbermarkt deutlich weniger liquide ist als etwa der Goldmarkt, sind heftige Preisausschläge jederzeit möglich.

Quelle:  Handelsblatt Online
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