Geldanlage: Vorsicht vor Falsch-Infos: Erst prüfen, dann handeln

KommentarGeldanlage: Vorsicht vor Falsch-Infos: Erst prüfen, dann handeln

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Twitter-Sitz in San Francisco

von Sebastian Kirsch

Anleger sollten nicht sofort auf eine Nachricht reagieren, sondern zunächst die Fakten checken. Denn der Kurssprung der Twitter-Aktien zeigt: wenn Falschinformationen den Handel dominieren, ist das ärgerlich.

Wenn die Agentur Bloomberg meldet, dass der Internet-Riese Google das soziale Netzwerk Twitter für 31 Milliarden Dollar übernimmt, sind das wahrlich News. So wichtige News, dass jeder professionelle Investor, private Anleger oder Redakteur bei der WirtschaftsWoche die Meldung noch einmal überprüft.

Wer dann auf eine Web-Site stößt, die zwar dem Stil der echten Bloomberg-Seite nachempfunden ist, aber erst am 10. Juli 2015 registriert wurde und die die Endung bloomberg.market trägt, statt bloomberg.com, der sollte stutzig werden. Erst recht, wenn dort Ex-Twitter-Chef Dick Costolo zu Dick Costello wird.

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Leider haben einige Anleger auf das Überprüfen verzichtet. Wer profitieren wollte, musste sofort handeln, hatte keine Zeit, den Wahrheitsgehalt der Quelle zu überprüfen. „Alles! Jetzt!“ ist das Motto der Anleger – ob sie die Aktien noch per Mausklick kaufen oder automatisiert über ein Computerprogramm. So schaffte es die Falschmeldung am 14. Juli, den Twitter-Aktienkurs binnen 20 Minuten um 8,5 Prozent nach oben zu katapultieren, auf über 38 Dollar. Es wäre leicht, in diesem Fall wieder den Algorithmen und Hochfrequenzhändlern die Schuld zuzuschieben, die vermeintlich unkontrollierbar den Markt beherrschen und normale Privatanleger chancenlos zurücklassen.

Twitter-Aktie Wie eine Falschmeldung die Kurse pushen kann

Eine gefälschte Meldung über eine 31 Milliarden Dollar schwere Kaufofferte für Twitter hat den Aktienkurs des Unternehmens zwischenzeitlich um über acht Prozent steigen lassen.

Twittersymbol an der NYSE Quelle: AP

Nachricht nicht gefunden

Dabei zeigt der Fall das Gegenteil: Privatanleger haben durchaus Chancen, wenn sie nicht auf Schnelligkeit, sondern Ruhe setzen. Im Twitter-Fall waren es offenbar sogar sie selbst, die die unberechtigte Kursexplosion ausgelöst haben. Erst ihre Kommentare in sozialen Netzwerken machten aus der Falschmeldung eine Nachricht. Die Finanz-Web-Site Benzinga verbreitete offenbar zuerst die falsche Meldung als Übernahmegerücht an ihre Nutzer. Die teilten es dann über Twitter, wo sich die Information verselbstständigte.

Erst so wurden auch Computerprogramme wohl auf die Spekulation aufmerksam. Denn die können zwar in Sekundenbruchteilen Nachrichten auslesen und darauf sogar eigenständig handeln. Doch in diesem Fall dürften sie die falsche Nachricht anfangs nicht gefunden haben – verlassen sie sich doch meist auf offizielle Meldungen. Eine gerade erst registrierte Web-Seite findet ein Algorithmus kaum.

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Privatanleger sollten sich bei solch einem Schauspiel beruhigt zurücklehnen. Auch wenn eine Meldung auf Twitter so hochkocht, dass sie nun wirklich einfach stimmen muss, bringt es ihnen nichts, blind dem Strom zu folgen. Das Twitter-Spektakel beruhigte sich schnell wieder, die Aktie schloss den Tag mit nur 0,9 Prozent plus, als sei nichts gewesen. Ein aufgeschreckter Twitter-Schwarm mag Trends anzeigen und kurzfristige Kauf- oder Verkaufssignale identifizieren. Er hilft aber nicht dabei, aussichtsreiche Unternehmen zu identifizieren.

Der Übernahmeschwindel war gut gemacht, keine Frage. In den letzten Wochen galt Twitter immer wieder als Übernahmeziel. Und eine Mischung aus Optimismus und Spekulation gehört seit jeher zur Börse. Heute verbreiten sich Gerüchte eben schneller und mit globalem Publikum. Ärgerlich ist es, wenn unwahre Informationen den Handel dominieren – und Unternehmen damit Geld verdienen, solche Mitteilungen aus sozialen Netzwerken für Trader zu sammeln, die damit blitzschnell handeln, ohne zu überprüfen, worauf sie spekulieren. Versuchen Privatanleger dabei mitzumischen, können sie nur verlieren.

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