Geldanlage: Was die besten Vermögensverwalter kaufen

Geldanlage: Was die besten Vermögensverwalter kaufen

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Peter Dreide

von Hauke Reimer, Martin Gerth, Stefan Hajek und Heike Schwerdtfeger

Die WirtschaftsWoche hat die besten Geldanlage-Manager Deutschlands ermittelt. Wer sie sind, welche Aktien sie jetzt kaufen, was sie Anlegern empfehlen, ob sie sich vor Inflation fürchten und was sie von Gold, Aktien und Zinspapieren halten.

"Ein Vermögensverwalter, hier?“ Der Taxifahrer legt die Stirn in Falten, kratzt sich im Nacken. Dann drückt er zwei Minuten planlos auf seinem Navi herum, frickelt umständlich ein Hustenbonbon aus der giftgrünen Hülle. „Wie heißt der?“, schmatzt er endlich. „TBF? Nie gehört! Da müsset Sie sich in der Rheinseite geirrt habe’. So Hedgefonds und Verwalter sitzet doch alle drübe’, in der Schweiz, die Halunke.“ Nicht alle, erst recht nicht alle Guten: Peter Dreide etwa bevorzugt die deutsche Rheinseite. Er hat sich nach einer Karriere als Investmentbanker in London, Toronto und New York in Singen im Hegau niedergelassen. Der 44.000-Seelen-Ort ist bisher nicht als Finanzmetropole bekannt, höchstens als Heimat der Maggi-Würfel. Macht nichts, sagt Dreide. Bewusst habe er die Kleinstadt gewählt, weit weg von den großen Geldzentren. „Hier kann ich mich aufs Wesentliche konzentrieren“, sagt er, „Aktien analysieren, Bilanzen lesen oder einfach in Ruhe meine Gedanken strukturieren.“

Die Ruhe zahlt sich aus. Mit einer Wertsteigerung von 11, 21 und 29 Prozent pro Jahr steuerte Dreide gleich drei Depots seiner Kunden ganz nach vorn im großen Vermögensverwalter-Ranking der WirtschaftsWoche. So wie Peter Dreide arbeiten viele der besten Anlage-Manager in der Abgeschiedenheit der Provinz. Sie verzichten auf Marketing, neue Kunden kommen fast immer über Mundpropaganda.

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Peter Dreide

Die WirtschaftsWoche hat zusammen mit dem Familiy Office WSH Deutsche Vermögenscontrolling und dem Londoner Researchhaus Lipper die besten Profi-Anleger Deutschlands ermittelt. Rund 310 Depots und in Fonds ausgelagerte Kundenportfolios von knapp 140 Banken und unabhängigen Vermögensverwaltern wurden auf ihre Zusammensetzung, die erzielte Wertentwicklung und die dafür eingegangenen Verlustrisiken untersucht.

Die besten Geldmanager nennen ihre Anlage-Favoriten, gewähren Einblick in ihre Depots und erklären, was sie in den kommenden Monaten von den Märkten erwarten. Die Analyse ist nicht nur für Investoren mit einem liquiden Vermögen von einer Million Euro oder mehr interessant, die auf der Suche nach einem individuellen Verwalter ihrer Portefeuilles sind. Auch Anleger mit bescheideneren Depots können oft in die Fonds der Manager investieren – und wertvolle Hinweise aus deren Anlagestrategie gewinnen.

Die Mehrheit hält – trotz aktueller Börsenhausse und Konjunkturerholung – die Finanz- und Schuldenkrise nicht für beendet; fast alle rechnen in den kommenden Jahren mit steigender Inflation, jedoch nicht mit Hyperinflation.Viele nutzen Edelmetalle wie Gold, zunehmend aber auch Silber, um das Vermögen gegen steigende Inflationsraten und Kaufkraftverluste abzusichern.Fast alle setzen stark auf Aktien. Bei Zinspapieren und Zertifikaten finden sie kaum noch attraktive Titel.

„Eine selbst entwickelte Software übernimmt bei uns die Vorauswahl der Aktien, die wir uns dann genauer ansehen“, erklärt Peter Dreide, Chef und Gründer der TBF Global Asset Management in Singen. Rund 850 Titel hat Dreide ständig unter Beobachtung, 25 bis 40 finden den Weg in seine Portfolios, „nach Kriterien wie Ertragskraft und Bilanzqualität – am liebsten kaufen wir Unternehmen mit mehr Cash als Schulden auf den Büchern“, sagt er.

1999 kam Dreide aus Nordamerika nach Singen. Er hatte seinen Job als leitender Aktienhändler Nordamerika bei Barclays, damals einer der größten Broker der Welt, an den Nagel gehängt. Drei Jahre nahm der dreifache Vater sich danach Zeit, um an seiner Software zu tüfteln; die Familie lebte von Ersparnissen; immer wieder fuhr Dreide Testläufe, bis er sich 2002 mit dem ersten Kunden an den Start traute. Heute verwaltet er gut 210 Millionen Euro, meist Mandate von institutionellen Anlegern wie Versicherungen und Pensionskassen, aber auch Privatleute sind dabei, „die meisten sind Unternehmer“, sagt Dreide.

Viel habe er sich von den Hedgefonds abgeschaut, sagt er. Die kamen Anfang der Neunziger an den Markt. „Vorher machten alle alles aus dem Bauch“, erzählt Dreide: Man fand eine Aktie gut, man kaufte sie. Die Begründung lieferte man nach. Die Hedgefonds begannen, den Investment-Prozess zu versachlichen; sie bauten mathematische Modelle, arbeiteten mit Stochastik. „Jetzt kann man einwenden, der ganze Mathe-Kram habe 2008 versagt“, sagt Dreide, „das stimmt – für eine kurze Zeit. Aber der grundsätzliche Ansatz der Hedgefonds ist richtig: emotionslos, nüchtern und uneitel an die Sache herangehen; nie recht behalten wollen, pragmatisch bleiben:. Neue Fakten? Ändern wir die Strategie! Denkfehler gemacht? Ändern wir sie auch!“

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