Geldpolitik: Großbritannien kämpft mit der Inflation

Geldpolitik: Großbritannien kämpft mit der Inflation

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Der umstrittene Notenbankchef Mervyn King soll im kommenden Jahr abgelöst werden.

von Yvonne Esterházy

Die Bank of England bekommt die Inflation nicht in den Griff und die Wirtschaft nicht in Schwung. Nun soll sie auch noch die Bankenaufsicht übernehmen.

Mervyn King, Gouverneur der Bank of England (BoE), steht derzeit von allen Seiten unter Beschuss. Kritiker werfen ihm vor, er habe die Finanzkrise nicht vorhergesehen, bei der Bekämpfung der Inflation versagt und bekomme – trotz äußerst expansiver Geldpolitik – die Wirtschaft nicht auf Trab. Trotzdem warten auf ihn neue Aufgaben: Ab 2013 soll die BoE erneut die Oberaufsicht über die Banken und die Regulierung des Finanzsektors übernehmen. Die bisherige Finanzaufsichtsbehörde FSA wird dann aufgelöst.

Mit der Aufwertung der BoE steht zu befürchten, dass sich Kings Lage noch verschlimmert. Der Notenbankchef hatte die Bank personell ganz auf die Geldpolitik ausgerichtet; Finanzmarkt- und Bankexperten, die er jetzt als Oberregulierer braucht, haben die Bank längst verlassen.

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Kein vielversprechender Nachfolger in Sicht

Beobachter fürchten, die Doppelrolle könnte King, der als praxisferner Akademiker gilt, schlicht überfordern. Zwar endet die Amtszeit des 64-Jährigen Mitte nächsten Jahres. Doch ein Blick auf die potenziellen Nachfolger zeigt, dass allenfalls der Chef der kanadischen Notenbank, Mark Carney, als qualifizierter Kandidat in Betracht kommt. Kanadas Banken haben die Finanzkrise gut überstanden, wirtschaftlich steht das Land gut da. Carney ist Vorsitzender des Financial Stability Board der G20 und somit nicht nur in der Geldpolitik, sondern auch in Aufsichtsthemen bewandert. Gegen ihn spricht: Er ist kein Brite.

Paul Tucker, Kings Stellvertreter, hat diesen Nachteil nicht. Er ist in der City angesehen und steht für Kontinuität, was angesichts der mangelnden Fortune der BoE aber auch ein Handicap sein könnte. Jim O’Neill, ein weiterer Kandidat, ist zwar ein Volkswirt mit weltweitem Ruf, dürfte aber als Top-Manager von Goldman Sachs zu sehr als Vertreter der Finanzindustrie gelten. Ein geldpolitischer Falke ist er jedenfalls nicht.

Inflations- und Wachstumsrate in Großbritannien Quelle: ONS, IWF

Inflations- und Wachstumsrate in Großbritannien (in Prozent; Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: ONS, IWF

Keine Änderung in Sicht

Vorerst dürfte sich an der Geldpolitik der BoE wenig ändern. Seit Dezember 2009 nimmt es King hin, dass die Teuerungsrate konstant über dem offiziellen Inflationsziel von zwei Prozent liegt. Im Gesamtjahr 2011 war die Preissteigerung mit 4,5 Prozent mehr als doppelt so hoch, im März lag sie bei 3,5 Prozent. Dennoch verharren die Zinsen auf dem historischen Tiefstwert von 0,5 Prozent. Seit März 2009 hat die BoE insgesamt 325 Milliarden Pfund – umgerechnet knapp 400 Milliarden Euro – in die britische Wirtschaft gepumpt.

Genützt hat es nichts, denn Großbritannien kommt nicht aus der Krise. Die Wirtschaft ist mit minus 0,3 Prozent im Schlussquartal 2011 und minus 0,2 Prozent im ersten Quartal 2012 wieder in die Rezession gerutscht, obwohl Großbritannien erst Ende 2009 aus der schwersten Krise der Nachkriegszeit auftauchte.

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