Geplanter Börsengang: Ölhändler Glencore: So teuer wie die Telekom

Geplanter Börsengang: Ölhändler Glencore: So teuer wie die Telekom

Der geplante Börsengang von Glencore in London und Hongkong wäre der größte des Jahres 2011. Wie sich der Öl- und Rohstoffhändler auf den Börsengang vorbereitet.

Bild vergrößern

Geht Ex-BP-Chef Tony Hayward zu Glencore?

Der geplante Börsengang (IPO) von Glencore wäre weltweit der bisher größte des Jahres 2011. Analysten schätzen den Börsenwert des Rohstoffkonzerns auf 50 bis 60 Milliarden Dollar. Die britische Research-Firma Liberum Capital bewertet den Handel, das Kerngeschäft von Glencore, mit 23 Milliarden Dollar. Die Bergwerke, Hütten und Agrarflächen, die das Unternehmen direkt hält, taxieren die Analysten auf 14,6 Milliarden Dollar.

Zu diesen 37,6 Milliarden Dollar kommen das Paket von 34 Prozent an der Minengesellschaft Xstrata und Beteiligungen an anderen börsennotierten Unternehmen. Die Aktien sind aktuell rund 29 Milliarden Dollar gleich 20,6 Milliarden Euro wert.

Anzeige

Von der Zwischensumme von gut 67 Milliarden Dollar ziehen die Analysten einen Abschlag von mindestens zehn Prozent ab. Glencore ist ein Konglomerat, das an der Börse niedriger bewertet wird als die Summe seiner Teile. Mithin dürfte die Marktkapitalisierung rund 60 Milliarden Dollar betragen. Damit wäre Glencore etwa so wertvoll wie die Deutsche Telekom.

Ende 2009 hatte Glencore erstmals über eine Anleihe, die in Aktien gewandelt werden kann, bei Investoren wie dem Fonds-Giganten BlackRock und dem Staatsfonds GIC aus Singapur 2,2 Milliarden Dollar eingenommen. Damals wurde Glencore noch mit rund 35 Milliarden Dollar bewertet.

Nischen-Player

Da bei einem IPO mindestens 20 Prozent des Kapitals in die Hände freier Aktionäre übergehen müssen, könnten Aktien für zehn bis zwölf Milliarden Dollar gestreut werden, spekuliert wird über bis zu 16 Milliarden. In jedem Fall würde Glencore schnell in den britischen Aktienindex FTSE einrücken.

Den größeren Teil will Glencore offenbar im Mai in London platzieren. Parallel dazu ist ein IPO in Hongkong geplant. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg versucht Glencore, Staatsfonds aus China und Katar als Investoren zu gewinnen. Eine Entscheidung über den Börsengang sei jedoch noch nicht getroffen, heißt es aus dem Umfeld des Unternehmens.

Auch eine Fusion mit Xstrata wird in Baar und Zug diskutiert. Glencore-Partner könnten ihre Anteile nach dem IPO in Xstrata-Aktien tauschen und später versilbern. Womöglich hat Glencore aber auch andere Ziele im Visier. Mit dem frischen Geld der Investoren und der eigenen Aktie als Tauschwährung könnte die Firma es mit reinen Rohstoffkonzernen wie BHP Billiton aufnehmen, die ihr Portfolio gezielt mit dem Zukauf von Nischen-Playern abrunden.

Voraussetzung für eine Zulassung an der Londoner Börse ist, dass im Verwaltungsrat von Glencore zwei unabhängige Direktoren sitzen; sie dürfen weder Anteile am Kapital halten noch Funktionen im operativen Management ausüben. Unabhängige Direktoren gibt es aber noch nicht.

Denkbar wäre, dass Verwaltungsratschef Willy Strothotte seinen Stuhl für einen externen Oberaufseher räumen könnte. Der gebürtige Westfale, der Gründer Marc Rich aus dem Unternehmen drängte, dürfte heute Milliardär sein. Seinen Platz im Verwaltungsrat von Xstrata räumte er bereits zugunsten des ehemaligen Chefs der Großbank HSBC, John Bond. Als Strothotte-Nachfolger bei Glencore ist EX-BP-Chef Tony Hayward im Gespräch. Er musste nach der Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon zurücktreten. Glencore will die heikle Personalie nicht kommentieren.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%