Geplatzte Börsenfusion: Glücklich gescheitert

KommentarGeplatzte Börsenfusion: Glücklich gescheitert

Bild vergrößern

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse AG, Reto Francioni, äußert sich zum Nein der EU-Wettbewerbshüter zur geplanten Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext

von Andreas Toller

Das Fusionsverbot für Deutsche Börse und Nyse Euronext ist weniger schlimm, als die Verlobten glauben machen.

Reto Francioni, Chef der Deutschen Börse, nennt es einen „schwarzen Tag für Europa und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit auf den weltweiten Finanzmärkten“. In einer Stellungnahme hieß es, die Deutsche Börse nehme die Entscheidung der EU-Kommission, „mit Enttäuschung zur Kenntnis“.

Das ist Humbug. Allenfalls ist es ein schwarzer Tag für Francioni, und weniger für die Deutsche Börse.

Anzeige

Schon lange vor der Absage aus Brüssel hatten Francioni und Nyse-Euronext-Chef Duncan Niederauer zu Verstehen gegeben, dass die geplante Börsenhochzeit „nicht um jeden Preis“ verfolgt werde. Der Preis für einen Zusammenschluss wäre viel zu hoch gewesen.

Die Übernahmeversuche der Deutschen Börse

  • Häufiges Scheitern

    Bei ihren zahllosen Versuchen, große Wettbewerber zu übernehmen, ist die Deutsche Börse Deutsche Börse oft gescheitert. Im Visier waren bereits die Handelsplätze in Zürich, mehrfach die Londoner Börse LSE sowie Mailand. Beispiellos war der Aufstand mächtiger Großaktionäre gegen die LSE-Übernahme im Jahr 2005, die letztlich die damalige Börsenführung den Job kostete. Im Kampf um die europäische Vierländerbörse Euronext hatte 2006 die New York Stock Exchange (Nyse) die Nase vorn.

    Nach dem Kauf der US-Optionsbörse ISE 2007 - den Kritiker viel zu teuer fanden - ist die im Februar verkündete Fusion mit der Nyse Euronext zweifelsohne der größte Deal des Frankfurter Marktbetreibers. Mit dem am Freitag vorgelegten Konkurrenzangebot von Nasdaq OMX und ICE könnten die transatlantischen Pläne der Frankfurter allerdings wieder einmal durchkreuzt werden.

    Einige Stationen der Fusionsbemühungen der Deutschen Börse. (Quelle: dpa)

  • Mai 2000

    Der Plan einer Fusion mit der LSE scheitert.

  • August 2004

    Die Schweizer Börse SWX gibt Frankfurt einen Korb.

  • 9. Mai 2005

    Der Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, tritt als Folge des gescheiterten Übernahmekampfes um die LSE zurück.

  • 15. März 2006

    Die Deutsche Börse gibt bekannt, dass sie eine Fusion mit der Vierländerbörse Euronext beabsichtigt.

  • 2. Juni 2006

    NYSE und Euronext einigen sich auf eine Fusion.

  • 8. November 2006

    Gespräche der Deutschen Börse über ein gemeinsames Vorgehen mit der Borsa Italiana enden erfolglos.

  • 15. November 2006

    Die Deutsche Börse gibt Übernahmepläne für die Euronext auf. Euronext zieht eine Fusion mit der NYSE vor.

  • 30. April 2007

    Die Deutsche Börse kündigt die Übernahme der US-Optionsbörse ISE für umgerechnet rund zwei Milliarden Euro an.

  • Dezember 2008

    Die Deutsche Börse teilt mit, Sondierungsgespräche für eine Fusion mit Nyse Euronext seien ergebnislos beendet worden.

  • 15. Februar 2011

    Die Aufsichtsräte machen den Weg frei für den Zusammenschluss von Deutscher Börse und Nyse Euronext.

  • 1. April 2011

    Nasdaq OMX und ICE legen ein Angebot für Nyse Euronext vor, das sie selbst auf 11,3 Milliarden US-Dollar beziffern. Die Deutsche Börse bekräftigt, dass sie an ihren Fusionsplänen festhalten will.

Die EU-Kommission stößt sich nämlich an der Marktmacht der Vermählten im Börsenhandel mit Derivaten und hatte in ihrer ersten Bewertung der Fusionspläne bereits den Verkauf einer der beiden Derivatebörsen verlangt. Gerade aber dieses Geschäft der Tochterbörsen Liffe (Nyse Euronext) und Eurex (Deutsche Börse) war für die Börsenbetreiber das Salz in der Suppe.

New York braucht Frankfurt - nicht umgekehrt

Im Geschäft mit Derivaten – mit denen Anleger auf künftige Kursentwicklungen wetten und sich gegen Kursverluste absichern können – lässt sich nämlich noch gutes Geld verdienen. Der Aktienhandel hingegen wirft immer weniger ab. Die Gebühren fallen, außerbörsliche Handelsplattformen im Internet nehmen den altehrwürdigen Börsen allmählich die Butter vom Brot und steigern erfolgreich ihren Marktanteil. Es ist also nicht verwunderlich, dass vor allem New York daher das Derivate-Standbein braucht – denn noch erzielt Nyse Euronext die Hälfte seiner Einnahmen im Aktienhandel.

Auch nicht verwunderlich, dass die Zugeständnisse der Börsenbetreiber an die EU-Kommission bezüglich des gemeinsamen Derivate-Geschäfts eher knapp ausfielen. Aus ihrer Sicht war das nur konsequent. Schließlich müssen Francioni und Niederauer auch ihren Aktionären gegenüber gute Argumente für die Fusion finden. So hätten nach dem Zusammenschluss die Gewinne der beiden Betreiber steigen müssen. Nach den ursprünglichen Fusionsplänen stimmten die Argumente noch, die Aktionäre hatten die Pläne mit großer Mehrheit abgesegnetund damit auch die Zustimmung ihrer Aktionäre.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%