German Pellets: Asche zu Asche

German Pellets: Asche zu Asche

, aktualisiert 05. Juli 2016, 09:09 Uhr
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Das Stammwerk hat inzwischen neue Eigentümer - und einen neuen Namen: Wismar Pellets.

von Andreas Dörnfelder und Gertrud HusslaQuelle:Handelsblatt Online

Trauriges Treffen: In Schwerin versammeln sich erstmals die Gläubiger der Pleitefirma German Pellets. Ein Papier aus der Insolvenzakte legt nahe, was mit ihrem Geld geschehen ist.

Schwerin/WismarEin Werktag im mecklenburgischen Wismar im vergangenen Frühjahr. Der Brief von der großen Privatbank aus Frankfurt bringt die Gewissheit: Die Geduld der Kreditgeber ist zu Ende. Rund 30 Millionen Euro stellt das Geldhaus fällig. Damit ist die Pleite des Brennstoffherstellers German Pellets praktisch nicht mehr abzuwenden. Firmengründer Peter Leibold bleibt nur noch der Gang zum Amtsgericht. Am 10. Februar meldet der Geschäftsführer Insolvenz an. Die erhoffte Sanierung in Eigenverwaltung lehnt die Richterin ab. Danach hat in der Zentrale an der Ostsee nur noch eine das Sagen: Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde.

An diesem Dienstag tritt Schmudde in Schwerin erstmals den Menschen gegenüber, die der German Pellets GmbH und Gründer Leibold ihre Ersparnisse anvertraut haben. Oder sollte man sagen: die auf Leibold hereingefallen sind? Insgesamt 270 Millionen Euro hat der gelernte Industriekaufmann von rund 17.000 deutschen Anlegern eingesammelt.

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Das meiste Geld gaben ihm die Investoren mittels dreier Anleihen, für die er 7,25 Prozent Zinsen in Aussicht stellte. Eine vierte Anlegergruppe zahlte für Genussrechte. In einem seiner Werbevideos lobte Leibold sein Unternehmen, das „wie ganz wenige andere Ökologie und Ökonomie verbindet“. Der Clip steht noch immer im Internet.

Doch bei den insgesamt vier Gläubigerversammlungen im Laufe der Woche in der Schweriner Kongress- und Sporthalle wird Leibold wohl nicht auftreten, hieß es am Montag aus Wismar. Dabei hätten die Anleger durchaus eine Reihe von Fragen an ihn. So mussten die Sparer in den vergangenen Monaten bereits erfahren, dass ein großer Teil ihres Geldes über eine Stiftung als Eigenkapital bei zwei US-Produktionsfirmen gelandet ist. Ein Papier aus der Insolvenzakte enthält dazu eine Reihe pikanter Details.

Demnach hatte German Pellets am Tag der Insolvenzanmeldung offene Forderungen von rund 168,5 Millionen Euro. Allein mehr als 82 Millionen Euro davon entfielen auf Darlehen an die von der Familie Leibold kontrollierte Pele Holding in Wien. Fast 47 Millionen Euro wanderten an eine Firma mit dem Namen IPBG Pellets Beteiligungs GmbH, laut Registerdaten eine 100-prozentige Tochter der Pele Holding. 29 Millionen Euro sind dem Ofenbauer Kago zugeordnet, der ebenfalls Insolvenz angemeldet hat. Und 2,4 Millionen Euro sind direkt als „Gesellschafterdarlehen“ an Leibold und seine Frau gekennzeichnet.


Ein Ex-Manager packt aus

Was sollen all diese Transaktionen? Um Fragen wie diese zu klären, wandte sich das Handelsblatt immer wieder an Peter Leibold. Doch der Gründer ist seit Monaten für Journalisten nicht erreichbar. Sein Anwalt ließ am Montag eine Anfrage unbeantwortet. Dafür redeten andere. Ein ehemaliger Manager, der eine Zeit lang nah am German Pellets-Gründer dran war, hatte eine einfache Erklärung: „Leibold fing in Deutschland an, solange es noch attraktiv war. Als der Markt kippte, nutzte er German Pellets als Vehikel, um Geld für sein Auslandsgeschäft einzusammeln.“

Bisher sieht es so aus, als komme er damit durch. Zwar ermittelt die Staatsanwaltschaft Rostock seit Monaten gegen Leibold wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung, Untreue, Bankrott und Steuerhinterziehung. Doch ein Abschluss der Ermittlungen ist nicht in Sicht. Es gilt die Unschuldsvermutung. Für die Gläubiger sieht es allerdings düster aus. Die Darlehen etwa an die Pele Holding sollen weit über das Jahr 2020 hinaus laufen, berichtet der Ex-Manager. Genug Zeit, um das Geld in aller Ruhe auszugeben.

Eine Horrorvorstellung für die Anleger. Denn ihnen dürfte – so stellt es sich dar – am Ende des Insolvenzverfahrens kaum etwas übrig bleiben. Zwar hat Insolvenzverwalterin Schmudde im Mai die vier größten deutschen Werke von German Pellets in Wismar, Torgau (Sachsen), Ettenheim und Herbrechtingen (Baden-Württemberg) an verschiedene Investoren verkauft. Der Erlös lag insgesamt aber nur im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Auf den Tagesordnungen der Gläubigerversammlungen in Schwerin stehen ohnehin nur zwei Punkte. Nach einem kurzen Bericht der Insolvenzverwaltung sollen die Anleihegläubiger einen gemeinsamen Vertreter wählen. Gleich sechs Anwälte kandidieren für das Amt. Zu den Bewerbern gehören Juristen bekannter, auf Kapitalanlage spezialisierter Kanzleien wie Sascha Borowski von Mattil & Kollegen, Klaus Nieding aus Frankfurt, die Berliner Kanzlei Schirp, Neusel & Kollegen und Hartmut Göddecke aus Siegburg.

Der gemeinsame Vertreter sammelt Forderungen und meldet sie zur Insolvenztabelle an. Bezahlt wird er aus der Insolvenzmasse nach Stundensatz. Die Insolvenzverwalterin kann die Zahl der Stunden und damit das Honorar des Anwalts deckeln. „Ich habe Honorare von 15 000 Euro gesehen und von 500 000 Euro“, berichtet Daniel Bauer von der Anlegerschutzgemeinschaft SdK aus seiner Erfahrung. Begehrt ist das Amt unter den Anwälten in jedem Fall. „So ein großes Verfahren ist auch Prestige-Sache“, sagt ein mit German Pellets vertrauter Jurist. „Deshalb bewerben sich auch so viele.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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