Gold und Silber: Schweizer spülen Millionen den Bach runter

Gold und Silber: Schweizer spülen Millionen den Bach runter

, aktualisiert 11. Oktober 2017, 10:55 Uhr
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Die Schweizer schütten jährlich hochgerechnet rund 43 Kilogramm Gold in ihre Flüsse.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Schweizerische Forscher fanden im Abwasser Gold und Silber im Wert von drei Millionen Franken. Die Edelmetalle zu recyceln, wäre zu aufwändig – doch es gibt eine Ausnahme, bei der sich aus Klärschlamm Gold machen ließe.

ZürichZum Luxus pflegen die Schweizer ein besonderes Verhältnis. Das gilt offenbar selbst fürs Abwasser: Wissenschaftler der Forschungsanstalt Eawag haben errechnet, dass jährlich Gold und Silber im Wert von drei Millionen Franken (umgerechnet 2,6 Millionen Euro) den Bach runter gespült werden. Ein Recycling der edlen Stoffe lohnt sich bislang nicht. Doch es gibt eine Ausnahme, bei der sich aus Klärschlamm womöglich tatsächlich Gold machen ließe.

Eine Forschergruppe um die Eawag-Umweltchemiker Bas Vriens und Michael Berg hat mit 64 Schweizer Kläranlagen systematisch untersucht, welche Elemente in welchen Mengen mit dem gereinigten Abwasser abfließen oder mit dem Klärschlamm entsorgt werden. Hochgerechnet auf die gesamte Schweiz kommen dabei enorme Mengen zusammen.

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Doch das liegt nicht etwa daran, dass Schweizer ihren Schmuck auf der Toilette entsorgen. Die Verursacher vermuten die Forscher in der Industrie und der Medizin, wo Spurenelemente häufig genutzt werden. So stießen die Forscher nicht nur auf Gold und Silber, sondern auch andere Elemente – etwa Gadolinium, das zu den Metallen der Seltenen Erden gehört, die in der Medizin als Kontrastmittel verwendet wird.

Hochgerechnet kommen so enorme Werte zusammen: Etwa 3000 Kilogramm Silber oder 43 Kilogramm Gold. Dabei gibt es bei den verschiedenen Fundorten große Unterschiede. Im Jura fanden die Forscher etwa erhöhte Werte der Metalle Ruthenium, Rhodium und Gold – und haben als Verursacher die Uhrenindustrie im Verdacht.

Das Recycling aus Abwasser oder Klärschlamm lohnt sich aus Sicht der Forscher aber nicht. Die gefundene Menge an Aluminium entspreche etwa nur 0,2 Prozent der jährlichen Importe. Doch es gibt eine Ausnahme: An einzelnen Orten im Tessin ist die Goldkonzentration so hoch, dass sich sogar eine Rückgewinnung lohnen könnte. Die Erklärung: In der Region gibt es viele Goldraffinerien.

Gesundheitsgefährdend seien die gefundenen Stoffe aber nicht, so die Forscher. Allerdings sei bei einigen Elementen bislang wenig über eine mögliche Gefährdung bekannt.

Wertvolle Metalle im Abwasser gibt es nicht nur in der Schweiz. 2015 zeigten etwa Forscher der amerikanischen Arizona State University, dass eine Tonne Klärschlamm Edelmetalle im Wert von rund 240 Millionen Euro enthält. Das Problem: Die Stoffe zurückzugewinnen, ist technisch sehr aufwändig – und rechnet sich deshalb kaum.

Quelle:  Handelsblatt Online
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