Griechenland und die Börse: Was der näher rückende Grexit für Anleger bedeutet

Griechenland und die Börse: Was der näher rückende Grexit für Anleger bedeutet

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Der Dax startete am Morgen tiefrot in die neue Handelswoche.

von Stefan Hajek

Wie kaum anders zu erwarten, ist der Dax tiefrot in die neue Handelswoche gestartet. Der deutsche Auswahlindex eröffnete mit einem Minus von 1,92 Prozent, erholte sich aber schon in den ersten Handelsminuten zusehends. Anleger reagierten zwar enttäuscht auf das überraschend klare "Nein" der Griechen zu den europäischen Verhandlungsvorschlägen, aber alles andere als panisch. Wie geht es nun weiter? Was bedeutet das "Nein" für Anleger und Sparer?

Bis zuletzt hatten griechische Unternehmerverbände und Wirtschaftspolitiker verzweifelt für ein "Ja" zu weiteren Verhandlungen und damit möglichen neuen Hilfen durch EU und IWF geworben - ohne Erfolg. "Der Ausgang des Referendums ist ein Schock für das politische System und wird sicherlich die formale Unauflösbarkeit der Eurozone auf eine sehr harte Probe stellen", sagte Ralf Zimmermann, Stratege der Lampe Bank am Montagmorgen.

Der Euro in seiner jetzigen Form - mit Griechenland - könnte durchaus bald Geschichte sein. Auch wenn 80 Prozent der Griechen zwar keine Sparprogramme mehr, wohl aber den Euro behalten möchten. Was bedeutet das "Nein" der Griechen für die Märkte?

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Die Reaktion des Dax ist am Montagmorgen zunächst glimpflich (Stand: 10.00 Uhr), und das ist aus zwei Gründen verständlich: Zum einen war die Ablehnung erwartet worden, das zeigten zumindest die letzten Umfragen und auch die Quoten der Londoner Buchmacher am Wochenende. Es konnte also keinen Anleger wirklich überraschen. Zum anderen ist Griechenlands Bedeutung für die Gesamtwirtschaft der EU zum Glück überschaubar: Sie trägt nur noch rund 1,5 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.

Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

  • Grexit

    Der Kunstbegriff wurde aus den englischen Worten für „Griechenland“ (Greece) und „Ausstieg“ (Exit) gebildet - gemeint ist ein Ausstieg oder Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone. So etwas ist in den EU-Verträgen allerdings gar nicht vorgesehen. Die Idee: Würde Griechenland statt des „harten“ Euro wieder eine „weiche“ Drachme einführen, könnte die griechische Wirtschaft mit einer billigen eigenen Währung ihre Produkte viel günstiger anbieten.

  • Graccident

    Neuerdings wird auch vor einem unbeabsichtigten Euro-Aus der Griechen gewarnt. Das Kunstwort dafür besteht aus Greece und dem englischen Wort für „Unfall“ (Accident) - wobei das Wort im Englischen auch für „Zufall“ stehen kann. Gemeint ist ein eher versehentliches Schlittern in den Euro-Ausstieg, den eigentlich niemand will - der aber unvermeidbar ist, weil Athen das Geld ausgeht. Mittlerweile taucht die Wortschöpfung auch als „Grexident“ auf.

  • Anleihe

    Staaten brauchen Geld. Weil Steuereinnahmen meist nicht ausreichen, leihen sie sich zusätzlich etwas. Das geschieht am Kapitalmarkt, wo Staaten sogenannte Anleihen an Investoren verkaufen. Eine Anleihe ist also eine Art Schuldschein. Darauf steht, wann der Staat das Geld zurückzahlt und wie viel Zinsen er zahlen muss.

  • T-Bill

    Im Grunde handelt es sich ebenfalls um Anleihen - allerdings mit deutlich kürzerer Laufzeit. Während Anleihen für Zeiträume von fünf oder zehn oder noch mehr Jahren ausgegeben werden, geht es bei T-Bills um kurzfristige Finanzierungen. Die Laufzeit solcher Papiere beträgt in der Regel nur einige Monate.

  • Schuldenschnitt

    Manchmal hat ein Staat so viel Schulden, dass er sie nicht zurückzahlen kann und auch das Geld für Zinszahlungen fehlt. Dann versucht er zu erreichen, dass seine Gläubiger auf einen Teil ihres Geldes verzichten. Das nennt man Schuldenschnitt. Dieser schafft finanzielle Spielräume. Allerdings wächst auch das Misstrauen, dem Staat künftig noch einmal Geld zu leihen.

  • Rettungsschirm

    Seit 2010 hatten immer mehr Staaten wegen hoher Schulden das Vertrauen bei Geldgebern verloren. Für sie spannten die Europartner einen Rettungsschirm auf. Er hieß zuerst EFSF, wurde später vom ESM abgelöst. Faktisch handelt es sich um einen Fonds, aus dem klamme Staaten Kredithilfen zu geringen Zinsen bekommen können.

  • Troika

    In der Euro-Schuldenkrise wurde der Begriff für das Trio aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission gebraucht. Sie kontrollieren die verlangten Reformfortschritte. Im Euro-Krisenland Griechenland ist die Troika deswegen zum Feindbild geworden. In seinem Schreiben an die Eurogruppe spricht Athen nun von „Institutionen“. Auch die Europartner wollen das Wort „Troika“ nicht mehr verwenden. In offiziellen Dokumenten war ohnehin nie die Rede von der „Troika“.

Griechenlands Staatspleite wird wahrscheinlicher

Zunächst bedeutet das "Nein", dass die Syriza-Regierung die als nächstes fällig werdenden Kredite nicht zurückzahlen wird. 2,0 Milliarden Euro werden schon am 10. Juli fällig, weitere 0,5 Milliarden am 13., beide an den IWF, dort rechnet niemand mehr mit einem Zahlungseingang. Bis zum 20. Juli werden dann weitere 4,5 Milliarden Euro an Krediten an die EU fällig, die Griechenland nicht mehr hat.

Wird nicht noch in letzter Minute eine Einigung erzielt, bedeutet das die Staatspleite und Griechenland bekäme keine Geldspritzen mehr von der EZB. Wahrscheinlich müsste dann zunächst eine Parallelwährung (die Drachme) eingeführt werden, da natürlich weiterhin Euro in Griechenland akzeptiert werden - sowohl von Privatleuten, als auch von kleinen Geschäften.

Griechenland-Krise Die Zeit ist reif für den Grexit

Mit deutlicher Mehrheit haben die Griechen weitere Spar- und Reformauflagen abgelehnt. Europa und die EZB müssen nun handeln: Für Verhandlungen gibt es keinen Spielraum, der Grexit muss vollzogen werden.

Griechenland stimmt für Nein im Referendum. Quelle: dpa Picture-Alliance

Griechenland würde zwar höchstwahrscheinlich EU-Mitglied bleiben, aber Löhne, Renten und staatliche Transferleistungen würden in Drachmen ausbezahlt, die stark gegenüber dem Euro und dem Dollar abwerten würde; weil Griechenland sehr viel importieren muss, wäre eine hohe Inflation die Folge.

Die Binnenwirtschaft Griechenlands würde zunächst weiter geschwächt, soziale Notsituationen würden eher zunehmen. Nur langfristig kämen die Vorteile aus griechischer Sicht zum Tragen: Exportunternehmen etwa würden von der Drachme profitieren und möglicherweise Arbeitsplätze schaffen, ebenso der Tourismus. Das Problem ist aber, dass es außerhalb des Tourismus kaum Industrie gibt. Schon gar keine, die in die Welt exportiert.

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