Griechenland-Wahl: Vorsichtiger Euro-Optimismus an den Börsen

Griechenland-Wahl: Vorsichtiger Euro-Optimismus an den Börsen

Bild vergrößern

Vorsichtiger Optimismus und Zuversicht regiert derzeit an den Börsen

von Andreas Toller und Tim Rahmann

Die Schicksalswahl in Griechenland hat die Börsen fest in ihren Bann geschlagen. Es geht um den Euro, Notenbanken, Anleiherenditen, sichere Häfen und schnelle Wetten. Womit die Finanzmärkte jetzt rechnen.

Trotz der großen Unsicherheit vor der Griechenland-Wahl zeigen sich die Börsen optimistisch. Der Dax ist in den letzten Handelstag vor der Schicksalswahl in Griechenland mit einem Plus gestartet.

Schon die Vorgaben von der Wall Street und der Börse in Tokio waren positiv. Die freundliche Eröffnung ist nach Ansicht von Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) denn auch überwiegend auf die Kursgewinne an der New Yorker Börse zurückzuführen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zuletzt mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 12.651 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1329 Punkten, einem Aufschlag von 1,1 Prozent. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent und ging mit 2836 Punkten aus dem Handel.

Anzeige

Mögliche Szenarien nach den Griechenland-Wahlen

  • Szenario 1

    Das Szenario der breiten Regierung der Nationalen Rettung: An dieser könnten die drei wichtigsten Parteien, die Konservativen, die Linksradikalen und die Sozialisten teilnehmen. Hinzu könne auch die gemäßigte kleine linke Partei Demokratische Linke kommen. Gemeinsamer Nenner dieser Koalition wäre, dass das Land im Euroland bleibt. Gleichzeitig soll aber auch eine Lockerung des Sparprogramms gefordert werden, weil die Sparmaßnahmen die Wirtschaft abgewürgt haben. Dies Regierung würde stabil und handlungsfähig sein, weil sie mehr als 70 Prozent der Bevölkerung vertreten und eine überragende Mehrheit im Parlament haben würde.

  • Szenario 2

    Das zweite Szenario wäre eine Kooperation zwischen den klar pro-europäischen Parteien der Konservativen der Nea Dimokratia (ND), der Sozialisten (Pasok) und der kleinen Demokratischen Linken (Dimar). Hier beginnen aber schon die ersten Probleme. Denn das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), zu dem mittlerweile die meisten etablierten und ehemals privilegierten Gewerkschaftsführer von den Sozialisten übergelaufen sind, könnten zusammen mit den Kommunisten (KKE) das Land mit Streiks und Demonstrationen ins totale Chaos stürzen.

  • Szenario 3

    Das letzte und schlimmste Szenario ist, dass die Politiker sich erneut nicht einigen. Dann müssten wieder Neuwahlen angesetzt werden. Das Land wäre dann für weitere sechs Wochen ohne handlungsfähige Regierung und könnte irgendwann einfach zusammenbrechen. Das Geld für Medikamente, Löhne und Renten reicht nur noch bis Mitte Juli.

  • Szenario 4

    Eine dritte mögliche Regierungskoalition wäre eine Kooperation der Linksradikalen mit der Demokratischen Linken, falls beide genug Sitze im Parlament erobern. Die Demokratische Linke scheint jedoch nicht bereit zu sein, an einer solchen linken Koalition teilzunehmen. Das Gleiche gilt auch für die Kommunisten. Demnach wäre eine Koalition der Linksradikalen mit den Sozialisten und der Demokratischen Linken eine Lösung, aber diese könnte daran scheitern, dass viele linke Politiker nicht mit den Sozialisten zusammenarbeiten wollen.

Stimmung überraschend positiv

Die Asiaten folgten, auch Tokio notierte leicht im Plus. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag 0,2 Prozent höher auf 8583 Punkten. Die Zuversicht übertrug sich auf die europäischen Börsen. Gestützt auf die freundlichen Vorgaben aus Übersee lag der deutsche Leitindex zwei Tage vor der Griechenland-Abstimmung zum Mittag mit 0,95 Prozent im Plus bei 6197 Punkten. Der EuroStoxx gewinnt 1,5 Prozent auf 2.181 Zähler. Der Euro zeigt sich erfreulich stabil und notiert kaum verändert bei 1,26 US-Dollar. Die Goldunze liegt ebenfalls kaum verändert bei derzeit 1.624 US-Dollar.

Nach den ganzen Horrorszenarien, die in den vergangenen Wochen den Börsen Kursverluste und hohe Schwankungen beschert hatten, ist die Stimmung unter den Anlegern für viele Beobachter überraschend positiv. Dass der Dax im Plus startet, lässt sich heute auch nicht damit erklären, dass geringes Handelsvolumen Kursausschläge in die eine wie die andere Richtung begünstigt. Denn heute ist Hexensabbat, der große, dreifache Verfallstag für zahlreiche Index-Futures und -Optionen sowie Aktienoptionen an den internationalen Terminbörsen. Der dreifache Hexensabbat sorgt vierteljährlich für hohe Handelsvolumina.

Eigentlich hätte man auch erwarten können, dass sich Investoren zunächst von allem trennen, was nach der Griechenland-Wahl starke Verluste bescheren könnte – und das wären insbesondere alle Anlagen, die in Euro notieren. Dass die Kurse nicht noch einmal auf breiter Front Fallen, ist also Indiz dafür, dass die Anleger sich lange zuvor schon auf die Risiken wie den Euro-Austritt Griechenlands, Bankenpleiten in der Euro-Zone, noch mehr faule Immobilienkredite in Spanien, wachsende Schuldenprobleme in Italien und einen globalen Einbruch der Konjunktur vorbereitet haben. Die Börsen haben das alles längst eingepreist.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%