Größter Investmentfond der Welt: 450 Milliarden Dollar und keiner kennt ihn

Größter Investmentfond der Welt: 450 Milliarden Dollar und keiner kennt ihn

, aktualisiert 21. August 2016, 16:30 Uhr
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Fondsmanager Gerry O'Reilly führt ein unauffälliges Leben. Dabei verwaltet er eine Riesenmenge Geld.

Quelle:Handelsblatt Online

Wenn sich Gerry O'Reilly in Philadelphia in ein Cafe setzt, kommt niemand auf die Idee, dass dieser Mann einen gigantischen Index-Fonds managt. Ein seltener Blick hinter der Türen der Welt der passiven Fonds.

Gerry O’Reilly war am Freitagmorgen nach dem Brexit-Votum nicht in Aufruhr. Während die Börsen in Europa so heftig bebten wie selten zuvor und weltweit Aktien abschmierten, verrichtete der Amerikaner sein Werk nicht sonderlich anders als üblich. Der Dax hatte gerade acht Prozent verloren und an der Wall Steet schlug immerhin ein Minus von drei Prozent zu Buch. Doch: „Für das, was wir machen, ist das keine große Sache“, sagt der Manager des größten Investmentfonds der Welt, im Gespräch.

O'Reilly kann das von sich und seinem Arbeitsgeber der Vanguard Group behaupten, ohne dass er sich groß aus dem Fenster lehnt. Denn wer selbst eine so große Sache ist, für den ist so was wie der Börsenabsturz keine große Sache. O’Reillys Job bei Vanguard: Den Markt zu erfassen - und nicht, Volatilität zu vermeiden. Fluch und Segen eines Passivinvestments. Jeden Handelstag stellt er sicher, dass der 450 Milliarden Dollar schwere Vanguard Total Stock Market Index Fund die Entwicklung seiner 3600 Aktien umfassenden Benchmark möglichst genau abbildet. In anderen Worten: Aktien besitzen. Ob sie nun fallen, steigen oder sich seitwärts bewegen.

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O’Reilly verwaltet eine ganze Menge Geld. Er führt nicht nur den größten Investmentfonds, sondern leitet auch den drittgrößten börsengehandelten Fonds (EFF) und 16 andere Fonds. Unterm Strich kümmert er sich um Aktiva im Volumen von 800 Milliarden Dollar.

Angesichts von Anzeichen dafür, dass selbst die besten aktiven Manager Schwierigkeiten dabei haben, den Markt zu schlagen, waren Investoren zuletzt verstärkt in Richtung Index-Fonds wie dem vom O’Reilly geströmt. Dadurch wurde Vanguard, der Pionier bei Index-Investments, zum weltgrößten Manager von Investmentfonds - mit Aktiva von über 3 Billionen Dollar. Oft werden Index-Fonds als „passive Investments“ bezeichnet. Doch in Wirklichkeit gibt es kaum etwas bei dem, was O’Reilly und seine Kollegen den ganzen Tag machen, was besonders passiv ist.

Theoretisch ist das Beste, was ein Index-Fonds erzielen kann, der Ertrag der Benchmark minus Fonds-Gebühren. Tatsächlich jedoch haben es die Fonds mit zusätzlichen Kosten aus Handel und Transaktionen zu tun, die den Abstand zwischen den Erträgen des Fonds und seiner Benchmark vergrößern können. Erfolg oder Fehlschlag werden oft in kleinsten Teildifferenzen gemessen. „Für uns ist ein Basispunkt eine große Sache“, sagt O’Reilly.

Die besten Index-Fondsmanager finden Wege, um zusätzliche Gewinne zu erzielen und gleichzeitig die Benchmark abzubilden. Der Fonds Vanguard Total Stock Market lag in den vergangenen fünf Jahren im jährlichen Durchschnitt nur ein Basispunkt hinter seinem Index zurück. In der institutionellen Anteilsklasse stellt der Fonds eine Kosten-Quote von vier Basispunkten in Rechnung.

Wo findet der Fonds die Extra-Erträge? Er verdient etwas Geld, indem er Aktien an Leerverkäufer verleiht. In diesem Bereich erzielte er im vergangenen Jahr rund 95 Mio. Dollar oder zwei Basispunkte. Der Rest ergibt sich aus klugem Handel.

Die Vanguard-Händler vollziehen einen ständigen Drahtseilakt. Auf der einen Seite wollen sie ihre Indizes so nah wie möglich abbilden. Auf der anderen Seite wollen sie zu den besten Preisen kaufen und verkaufen - während sie andere Marktteilnehmer nicht von ihrer Notwendigkeit, voll investiert zu bleiben, profitieren lassen.

Vanguard hat stark in Technologie investiert. Algorithmen helfen Managern dabei, herauszufinden, wo sie am besten kaufen und verkaufen bei gleichzeitiger Minimierung der Marktauswirkung. Risiko-Software stellt zudem nach eigenen Angaben sicher, dass das Portfolio nahe am Index bleibt. Doch die Automatisierung funktioniert nur bis zu einem gewissen Punkt. Die schwierigen Entscheidungen müssen noch immer von den Portfolio-Managern getroffen werden.

Auf dem Firmengelände von Vanguard nahe Philadelphia kann O’Reilly ins Café gehen, ohne als Manager des größten Fonds erkannt zu werden. Selbst wenn sein Name in den Unterlagen aufgeführt werde, sei die Verwaltung eines Index-Fonds eine Team-Arbeit, sagt er. "Wer irgendeine Art von Ego hat, der büßt einiges davon ziemlich schnell ein."

Quelle:  Handelsblatt Online
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