Happy Birthday Alan Greenspan: Der gefallene Magier der Märkte wird 90

Happy Birthday Alan Greenspan: Der gefallene Magier der Märkte wird 90

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Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht.

Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht. Doch mit der Finanzkrise kam auch sein persönlicher Absturz.

Er stand fast zwei Jahrzehnte als mächtigster Geldpolitiker der Welt an der Spitze der US-Notenbank - und war der umjubelte Maestro der Märkte. Doch die Finanzkrise 2008 ramponierte auch Alan Greenspans Ruf. Das Genie, dem Konjunktur und Inflation zu gehorchen schienen, wurde zum Sündenbock. An seinem 90. Geburtstag an diesem Sonntag steht Greenspans Name vor allem für eine fahrlässige Niedrigzinspolitik, die einem verheerenden Crash den Boden bereitete.

„Der großartigste Zentralbanker in der Weltgeschichte“, hieß es in den Lobeshymnen der Politiker noch, als die USA Greenspan zur Jahrtausendwende für weitere vier Jahre an die Spitze der Notenbank Federal Reserve (Fed) beriefen. Der damals bereits seit 13 Jahren amtierende Fed-Chef galt in der Welt des Geldes als Maß aller Dinge, genoss Kultstatus an den Finanzmärkten und hatte die Rückendeckung sowohl von Republikanern als auch von Demokraten.

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Billiges Geld der Notenbanken Es läuft auf die Zerstörung der Währung hinaus

Nach sieben Jahren ist die lockere Geldpolitik nicht nur längst ein Dauerzustand, sie wurde von der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of Japan 2015 sogar noch intensiviert. Das ist verrückt. Ein Gastkommentar.

EZB im Nebel Quelle: dpa

Dabei war Greenspan zuvor in große Fußstapfen getreten. Er hatte den Job vom legendären Paul Volcker übernommen, dem es gelungen war, die galoppierende Inflation mit einer gewagten Hochzinspolitik zu zügeln. Aber Greenspan, der im New Yorker Stadtteil Washington Heights aufgewachsene Sohn eines Börsenmaklers und Finanzanalysten, wurde selbst rasch zum Superstar unter den Geldpolitikern.

Der hagere Ökonom mit der großen Brille, der 1977 an der New York University promoviert hatte, schien einfach alles richtig zu machen. 1987, direkt nach seinem Amtsantritt, meisterte er in einer Art erster Nagelprobe das als „Schwarzer Montag“ in die Finanzgeschichte eingegangene Börsenbeben. Die Fed öffnete die Geldschleusen, um die Panik der Anleger mit massenhafter Liquidität zu kontern.

Die Methode wirkte. Sie sollte zum Markenzeichen des Notenbankchefs werden. Geboren war das Versprechen, das in den Handelssälen der Finanzprofis fortan als „Greenspan-Put“ bezeichnet wurde: Wenn es hart auf hart kommt, könnt ihr euch auf die Fed verlassen. Von den unangenehmen Risiken und Nebenwirkungen niedriger Zinsen und billigen Geldes war damals noch nicht so viel zu hören.

Ende des Billiggelds Ex-Fed-Chef Greenspan rechnet mit Finanzstress

Alan Greenspan hat in seinen fast 20 Jahren als US-Notenbankchef viel erlebt. Nun äußert er sich zu seinen Nachfolgern - an einen problemlosen Ausstieg aus der Billiggeldpolitik glaubt er nicht.

Der ehemalige US-Notenbankchef Alan Greenspan hält ein reibungsloses Ende der ultralockeren Geldpolitik für unwahrscheinlich. Quelle: REUTERS

Greenspans Erfolg hielt an - unter seiner geldpolitischen Führung legte die US-Wirtschaft eine der längsten Blütezeiten in ihrer Geschichte hin. Anfang 2000 wurde es dem „Economist“ unheimlich: Das renommierte Wirtschaftsmagazin beschrieb den Notenbanker als „Allmächtigen“ der Finanzwelt. „Investoren verlassen sich so sehr auf Greenspans magische Hand, dass sie die Aktien in der Annahme hochbieten, dass er sie schon retten wird, wenn es schief geht.“

Es dauerte dann noch sieben Jahre, bis es richtig krachte. Zunächst wurde Greenspan weiter für seine vermeintliche Weitsicht als Orakel gefeiert. Als der Terroranschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Centers vom 11. September 2001 die Börsen erneut taumeln ließ, griff Greenspan einmal mehr zum bewährten Allheilmittel - und senkte entschlossen die Leitzinsen. Es wirkte. Doch wenn der Geldhahn zu lange offen steht, kann es zu Flurschäden kommen.

Fed US-Notenbank erhöht Leitzins nicht weiter

Die US-Notenbank Fed will weltweite Entwicklungen genau beobachten, wenn sie über den Zinssatz entscheidet. Zunächst lässt sie ihn dort, wo er ist. Die Börse reagiert wenig begeistert.

US-Notenbank-Chefin Janet Yellen. Quelle: dpa

Heute gilt es als weitgehend unumstritten: Die Geldschwemme aus dem Greenspan-Tropf war ein Wegbereiter der Spekulationsblasen, die 2007 zum Zusammenbruch des Häusermarktes und dann zum konjunkturellen Kollaps führten. Die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit fiel aber nicht mehr in Greenspans Amtszeit. Er ging 2006 in Rente - die Aufräumarbeiten übernahm sein Nachfolger Ben Bernanke. Teilweise ist auch die jetzige Fed-Chefin Janet Yellen noch damit beschäftigt.

Fehler gesteht Greenspan indes nicht ein - er habe schließlich wiederholt vor Übertreibungen an den Immobilien- und Kreditmärkten gewarnt. Mit dieser Einschätzung ist er aber ziemlich allein. Die Weigerung, eine Mitschuld an der Krise einzuräumen, brachte Greenspan harsche Kritik von Fachkollegen wie dem Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman ein: „Er hat noch immer nicht die Integrität, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen.“

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3 Kommentare zu Happy Birthday Alan Greenspan: Der gefallene Magier der Märkte wird 90

  • Wenn Alan Greenspan, nach seinem Scheitern, auch noch zugibt, daß
    er in seiner 'Laufbahn' von zweifelhafter Qualität, sein Publikum
    absichtlich aufs Glatteis geführt hat, dann kann davon ausgegangen
    werden, daß es diesem Publikum finanziell zu gut ging und es aufs
    Eis zum Tanzen ging, dessen Auswirkungen sich bis heute unter
    Janet Yellen, nur noch vergrößert hat, besonders wenn man offenen
    Auges in das geplante kommende Desaster der Haftungs-, Trans-
    ferunion mit der 'Einlagensicherung' in Europa rennt!

  • Was hat dieser Mann zu feiern der so viel Leid über die Menschen gebracht hat.

  • "Das Genie, dem Konjunktur und Inflation zu gehorchen schienen..."

    Wie bitte? Greenspan hat die Entwicklung des viel zu billigen Geldes bis hin zum heutigen negativen Zinssatz gestartet! Das hat mit Genialität rein gar nichts zu tun. Der Mann hatte lediglich das Glück, noch vor der Manifestation der Folgen dieser "Strategie" aus dem Amt zu scheiden. Vernünftige Ökonomen (die gibt es vereinzelt) haben von Anfang an vor dieser Politik des zu billigen Geldes gewarnt, deren Folgen im übrigen auch jedem fortgeschrittenen VWL-Studenten klar sein müssten.

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