Harry Assenmacher: „Ein Investor muss genau hingucken“

InterviewHarry Assenmacher: „Ein Investor muss genau hingucken“

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Harry Assenmacher, 61, gründete 1995 Forest Finance. Das Bonner Unternehmen hat für seine inzwischen 17.000 Kunden rund 100 Millionen Dollar in ökologische Aufforstungsprojekte investiert.

von Frank Doll

Was der Gründer des Anbieters von Direktinvestments in Öko-Wälder vom neuen Kleinanlegerschutzgesetz hält und warum Großinvestoren bei ihm anklopfen.

Sie haben Anfang des Jahres den Vertrieb ihrer Produkte eingestellt. Warum?

Der Gesetzgeber hat ungewöhnlich rasch auf die Prokon-Insolvenz reagiert. Binnen weniger Monate wurde das Kleinanlegerschutzgesetz (KSchG) verabschiedet. Seitdem dürfen nur Produkte vertrieben werden, die einen der neuen Gesetzgebung entsprechenden Verkaufsprospekt nachweisen können.

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Das Gesetz kam nicht über Nacht?

Richtig, nur war der Gesetzestext nicht klar. Unsere Rechtsberater, alles erfahrene Kapitalmarktjuristen, waren noch bis Anfang 2016 sicher, dass unsere Produkte nicht unter das KSchG fallen.

Das sah die Bafin anders.

Maßgeblich ist der Wille des Gesetzgebers. Eine langwierige Diskussion, die de facto einen Rechtsstreit bedeutet hätte, wollten wir nicht führen. Ohnehin rechneten wir schon seit Jahren damit, dass Regulierungsvorschriften erlassen werden, die auch Prospekte für unsere Produkte verlangen. Wir haben sofort mit der Prospekterstellung begonnen. Währendessen haben wir den Vertrieb an Privatanleger natürlich eingestellt.

Forest Finance-Chef Assenmacher "Wir erwarten eine mittlere Rendite von 7,5 Prozent"

Harry Assenmacher, Gründer von Forest Finance, einem Anbieter von Direktinvestments in Ökowälder, setzt jetzt auch auf den Anbau von Kakao. Dieser wirft schneller Rendite ab als ein reines Holz-Investment. Ein Interview.

Kakaobaum Quelle: Frank Eckgold - Fotolia

Ihr Wettbewerber Lignum ist darüber pleite gegangen. Investoren haben schätzungsweise 65 Millionen Euro im Wald versenkt.

Schon erstaunlich, wie schnell das passiert ist. Aber ich kann nicht beurteilen, welchen Einfluss die Gesetzgebung darauf hatte. Noch erstaunlicher ist, dass Anbieter aus dem Ausland ihre Produkte hierzulande weiter ohne Prospekt vertreiben können.

Sie vertreiben ihre Walddirektinvestments jetzt mit gebilligten Prospekten. Ist das ein Wettbewerbsvorteil?

Ja, das mag ein Vorteil sein. Die Prospekterstellung war aber auch ein hartes und teures Stück Arbeit. Über das Ziel, den Anleger besser und umfassender zu informieren, kann man diskutieren.

Was ist schlimm daran?

Im Prinzip nichts. Viele der nun geforderten Informationen haben wir unseren Kunden ohnehin immer schon gegeben. Wir veröffentlichen zum Beispiel seit Jahren eine testierte Bilanz. Jetzt ist vor allem die Aufbereitung der Information eine andere. Ähnlich wie bei Prospekten von geschlossenen Fonds führt das teilweise zu einer Überdosis an Informationen, zumal in einer juristischen Darstellungsform, wo ein Normalanleger kaum noch durchsteigt.

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Goldbarren. Quelle: dpa

Aber Anleger sind jetzt besser geschützt.

Ich glaube nicht. Es war schon immer so, dass ein Anleger genau hingucken musste, bevor er sein Geld investiert. Er muss verstehen, was der Anbieter macht, welche Risiken bestehen. Daran hat sich durch die Neuregelung nichts geändert. Hinzugekommen aber sind jetzt Kosten, die jedes Jahr für die Billigung durch die Bafin anfallen.

Wie stark drückt das auf Ihre Rendite?

Die Erträge der Investoren sind davon nicht betroffen sind. Diese Kosten schmälern den Ertrag in der GmbH. Ohnehin lässt sich die Höhe des Ertrages nicht sicher quantifizieren. Wir haben es mit einem Naturprodukt zu tun. Da ist nicht alles planbar oder vorhersehbar. Wir versprechen deshalb ja auch keine punktgenaue Rendite, sondern reden von einer Bandbreite zwischen null und zehn Prozent.

Was Anleger bei Kakao-Investments beachten müssen

  • Rollverluste

    Wer über Zertifikate oder Futures in Kakao investiert ist, sollte daran denken, dass die Gefahr besteht, einen billigen Kontrakt in einen teureren tauschen zu müssen, der zu einem anderen Zeitpunkt fällig ist.

  • Witterung

    Der Ertrag einer Kakao-Ernte hängt von diversen Faktoren ab, eine wichtige Rolle spielt das Wetter. Sowohl Überschwemmungen als auch Dürreperioden können zu massiven Ernteeinbußen führen.

  • Wasser

    Dementsprechend wichtig für Qualität und Ertrag der Ernte ist Wasser. Kommt es - egal ob witterungs- oder konfliktbedingt - zu einer Wasserknappheit, nimmt auch die Kakaoernte Schaden. Dann steigt der Preis.

  • Politisches Klima

    Rohstoffe wie Kakao oder Kaffee stammen überwiegend aus politisch instabilen Regionen. So sorgten politische Krisen an der Elfenbeinküste, dem weltweit größten Anbieter von Kakao, immer wieder für Preisausschläge.

  • Schädlingsbefall

    Wie bei allen anderen Agrarrohstoffen auch, ist die Qualität der Kakaoernte oft abhängig von winzig kleinen Tieren und Organismen. Sind die Pflanzen von Pilzen wie dem sogenannten Hexenbesen oder der Kakaomotte befallen, bringen sie keine gesunden Früchte mehr hervor.

  • Transportrisiko

    Doch selbst, wenn den Kakaobohnen an sich nichts geschehen ist, sollten Anleger auch an das Risiko des Transports von Südafrika oder Lateinamerika nach Europa denken. Unwetter und Streiks in Häfen können die Reise verlängern und so den Preis beeinflussen.

Aber Sie stellen Erträge von sechs Prozent in Aussicht? Daran werden Sie gemessen.

Das stimmt so nicht. Wir kommunizieren seit Jahren, gegen den Rat von Beratern für Verkaufsförderung, sehr transparent die Bandbreite von null bis zehn Prozent. Die Parameter für eine Prognose sind vielschichtig und können nicht mit Bestimmtheit vorhergesagt werden. Wir glauben, dass die Bandbreite von vier bis sieben Prozent am wahrscheinlichsten eintreffen wird.

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