Harte Zeiten für Anleger: Bitcoin-Börsen sollten ihre Taschen durchsuchen

Harte Zeiten für Anleger: Bitcoin-Börsen sollten ihre Taschen durchsuchen

Der Bitcoinkurs stieg monatelang unaufhörlich. Dann ging die Börse Mt.Gox pleite, die Anleger waren verunsichert. Jetzt sind verschollen geglaubte Bitcoins in ungenutzten Geldbeuteln wieder aufgetaucht. Die Börsenbetreiber sollten wohl besser noch einmal überall nachsehen.

Was die Cyberwährung Bitcoins anbelangt, überschlagen sich seit einigen Wochen die Nachrichten: Am 28. Februar 2014 meldet die japanische Bitcoin-Börse Mt. Gox Insolvenz an. Niemand weiß, ob die Kunden ihr angelegtes virtuelles Geld jemals wiedersehen werden. Anfang März wird die Chefin der Bitcoin-Börse First Meta in Singapur tot aufgefunden. Die Umstände ihres Todes sind noch ungeklärt, die Polizei geht jedoch nicht von einem Tötungsdelikt aus. Ebenfalls Anfang März wird die kanadische Bitcoin-Börse Flexicoin Opfer eines Hacker-Angriffs, bei dem 896 Bitcoins im Wert von etwa 590.000 Euro gestohlen werden. Die Börse schließt daraufhin.

Für viele Experten sind diese Ereignisse Wasser auf ihre Mühlen. So sagte beispielsweise der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer gegenüber der WirtschaftsWoche, dass der Bitcoin-Boom "den Keim der Zerstörung in sich" trage. Das sei das Problem einer jeden knappen Währung, die keinen Materialwert hat und parallel zu einem gesetzlichen Zahlungsmittel eingeführt werde. Gerade wegen der stark schwankenden Kurse habe der Bitcoin keine Chance, sich dauerhaft als Alternativwährung durchzusetzen. "Niemand verwendet eine Währung, die dauernd Achterbahn fährt", so Krämer. Aktuell kostet der Bitcoin rund 640 Dollar. Im vergangenen Jahr hatte die virtuelle Währung hohe Popularität erreicht. Ende 2013 war der Kurs auf über 1150 Dollar gestiegen. Zum Vergleich: Im Dezember 2012 hatte ein Bitcoin lediglich 13 Dollar gekostet.

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In die gleiche Kerbe schlug auch die Bundesbank noch vor ein paar Tagen: "Bitcoins sind kein Zahlungsmittel, sondern ein hoch spekulatives Finanzinstrument", sagte Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zwar wurden Bitcoins im Vorjahr von Finanzminister Wolfgang Schäuble als Recheneinheit anerkannt. Dies sei jedoch kein "Gütesiegel". Der Beweis sei für ihn der Verlust der Anleger, der mit den Pleiten der Bitcoin-Börsen einherging.

Schon vor der Pleite der japanische Börse Mt.Gox kamen die Anleger nämlich nicht mehr an ihr Geld. Die Börsenbetreiber hatten irgendwie 850.000 Bitcoins im Wert mehrerer Millionen Euro verlegt. Man stelle sich einmal vor, die Deutsche Bank - oder sonst ein Kreditinstitut - müsse seinen Kunden gestehen, mehrere Hunderttausend Euro verloren zu haben. "Entschuldigen Sie bitte, wir können uns das auch nicht erklären. Muss wohl beim Aufräumen passiert sein." Die Betreiber anderer Plattformen versuchten zu beschwichtigen. Es habe sich um einen tragischen Vertrauensbruch gehandelt, der aber nur mit dem Missmanagement bei Mt.Gox zu tun habe und nichts mit der "Seriosität oder dem Wert von Bitcoins", wie es in einer Erklärung von BitStamp, BTC China, Circle, Coinbase und Kraken hieß.

Auch der bekannteste deutsche Marktplatz bitcoin.de spielt die Gefahren herunter: "Alle unsere Kunden-Einlagen in Bitcoins sind sicher. Wir haben keine Angst vor einem Bankenrun." Geschäftsführer Oliver Flaskämper räumte gegenüber der WirtschaftsWoche allerdings ein, dass es sich vermutlich nicht um den letzten Zwischenfall dieser Art gehandelt habe. Es sei zwar nur ein Dienstleister von der Fahne gegangen, "aber leider ein großer und vermutlich auch nicht der letzte."

Doch nun hat die insolvente Mt.Gox - quasi in der Hosentasche - 200.000 verloren geglaubte Einheiten der digitalen Währung mit einem Wert von derzeit 120 Millionen Dollar (86 Millionen Euro) wiedergefunden. Die Bitcoins hätten in einer ungenutzten elektronischen Geldbörse vor sich hin geschlummert. Damit sinke die Zahl der noch vermissten Bitcoins auf 650.000. Von den ursprünglich vermissten 850.000 Bitcoins gehörten 750.000 den Kunden und 100.000 dem Handelsplatz selbst.

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Mt.Gox waren schon vorher mangelnde Sicherheitsmaßnahmen und eine chaotische Geschäftsführung vorgeworfen worden. Das Eingeständnis, ein so großes Bitcoin-Paket aus den Augen verloren zu haben, hat die Kritik weiter befeuert. Gleiches gilt für den überraschenden Fund der 200.000 Münzen. Ob Anleger von dem Fund profitieren - sprich: ihr Geld zumindest zum Teil zurück bekommen - kann bislang niemand sagen. Wohl aber wird sich - zu Recht - die Frage gestellt, wie die Börsenbetreiber die besagte digitale Geldbörse zweieinhalb Jahre lang übersehen konnten. Der Ort, an dem die Bitcoins aufgetaucht sind, wurde zuletzt im Juni 2011 genutzt. Dass die Münzen fehlen, sei aber erst in diesem Jahr aufgefallen.

Für Anleger ebenfalls interessant: Wie viele dieser unentdeckten Konten und Geldbörsen haben die Börsenbetreiber denn noch vergessen und schlummern dort vielleicht die übrigen 650.000 Münzen? Vielleicht sollten die Betreiber der Mt.Gox noch einmal ganz genau nachschauen, ob nicht in irgendeiner Jackentasche noch mehrere Millionen Euro ruhen, die vorher übersehen worden sind.

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