Hauptversammlungen: Protestmarsch der Dax-Anleger droht

Hauptversammlungen: Protestmarsch der Dax-Anleger droht

von Günter Heismann und Cornelius Welp

Selten boten Aktionärstreffen so viel Zündstoff – trotz teilweise üppiger Dividenden. Bei welchen Dax-Unternehmen Anleger auf die Barrikaden gehen.

Das Drama ist das gleiche, nur der Aufführungsort ist neu: Commerzbank-Chef Martin Blessing wird bei der Hauptversammlung, diesmal in der Messe Frankfurt statt in der Jahrhunderthalle Höchst, wieder kräftig verbale Prügel beziehen. Für 2012 meldete der einstige Hoffnungsträger müde sechs Millionen Euro Gewinn. „Das ist weniger als die Vergütung des Vorstandes“, sagt Anke Zschorn vom Karlsruher Aktionärsberater Ivox.

Nun mutet die Bank den Aktionären auch noch eine Kapitalerhöhung zu. 2,5 Milliarden Euro will sie einsammeln, um ihr Kapital zu stärken und in der Finanzkrise empfangene Staatshilfen zurückzuzahlen. Die Hauptversammlung (HV) wurde eigens auf den kommenden Freitag vorgezogen, damit Aktionäre die Kapitalmaßnahme früh absegnen können. Das Ziel der Aktion halten Investoren durchaus für lobenswert; sie hegen allerdings große Zweifel am Zeitpunkt: Die Coba-Aktie ist billig wie nie. „Das Timing ist alles andere als erfreulich“, sagt Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Weil der Börsenkurs so niedrig ist, muss die Bank sehr viele Aktien ausgeben; der Anteil, den bestehende Aktionäre an der Bank halten, wird so sehr stark verwässert.

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Kapitalherabsetzung Tiefer Schnitt für Commerzbank-Aktionäre

Deutschlands zweitgrößte Bank will ihr Kapital erhöhen und die Zahl der Aktien drastisch eindampfen. Private Aktionäre und Steuerzahler verbuchen hohe Kursverluste.

Um die Kapitaldecke zu stärken, will die Commerzbank die Zahl der Aktien drastisch reduzieren - Zum Leidwesen der Aktionäre Quelle: REUTERS

Ein Trost für Blessing: Er wird nicht der Einzige sein, der in der neuen HV-Saison sein Fett abbekommt. Zumindest verbal machen große Investoren ihrem Ärger Luft, ab und zu stimmt tatsächlich auch mal einer gegen die regelmäßig mit sozialistischen Mehrheiten angenommenen Vorschläge des Vorstands.

Infineon, Siemens und ThyssenKrupp, deren Geschäftsjahr im Herbst endete, haben ihre Aktionärstreffen schon Anfang des Jahres abgehalten. In der abgelaufenen Woche waren Daimler und die Deutsche Bank, Letztere mit einer außerordentlichen Hauptversammlung, an der Reihe. Die übrigen Dax-Konzerne folgen bis Ende Mai.

Beispielhaft zeigte die Daimler-HV am Mittwoch vergangener Woche, welche Themen die Aktionäre bewegen: krasses Missmanagement, nicht mit Leistung begründbare Vergütungen und Sprengsätze in den Bilanzen, die das Vermögen der Aktionäre gefährden.

Hauptversammlung Daimlers Prognose wackelt

Daimler-Chef Zetsche musste schon im vergangenen Jahr die Ziele kappen. Auf der Hauptversammlung versah er nun die aktuelle Prognose für 2013 mit einem Fragezeichen und vertröstete die Aktionäre auf bessere Zeiten.

Dieter Zetsche Quelle: dpa

Daimler, einst unbestritten führender deutscher Hersteller von Luxuskarossen, ist weit hinter Audi und BMW zurückgefallen. In China sieht Mercedes nur Rücklichter. „Die Daimler-Aktie hat sich im letzten Jahr erneut um 19 Prozent schlechter entwickelt als die Aktie von BMW“, stellte Fondsmanager Speich auf der HV fest. Der Aufsichtsrat verlängerte den Vertrag von Vorstandschef Dieter Zetsche nur um drei statt der üblichen fünf Jahre. „Zwischen Aufsichtsrat und Vorstand knirscht es gewaltig. Die Auseinandersetzungen werfen aus Sicht der Finanzmärkte kein gutes Licht auf das Unternehmen“, warnt Henning Gebhardt, Leiter Europäische Aktien bei DWS Investment.

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