Hausse am Aktienmarkt: Unsichere Börsenrally

Hausse am Aktienmarkt: Unsichere Börsenrally

von Frank Doll

US-Ökonomen haben einen Index entwickelt, der die Unsicherheit über die zukünftige Wirtschaftspolitik misst. Aktuell ist die Unsicherheit so hoch wie nie zuvor seit Erhebung der Datenreihe 1997. Dennoch notieren die Börsen, die Unsicherheit eigentlich nicht mögen, nahe ihrer Höchststände. Geht das gut?  

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Der überraschende Wahltriumph von Donald Trump beflügelte die Börsen in den vergangenen Wochen. Wie lange hält diese Euphorie an?

Wenn die Handelnden in der Wirtschaft nicht wissen, welche Regulierungen, Steuern, Zölle oder Verstaatlichungen auf sie zukommen, geraten sie ins Zaudern. Auch die Börse mag keine Unsicherheit. Das zumindest besagt eine alte Börsenweisheit. Tatsächlich reagierten die Aktienmärkte in der Vergangenheit oft mit scharfen Einbrüchen auf einen Anstieg der Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik.

Wie wird diese Unsicherheit gemessen? Die Ökonomen Scott R. Baker, Nicholas Bloom und Steven J. Davis entwickelten 2015 für mehrere Länder Indizes wirtschaftspolitischer Unsicherheit – sogenannte Economic-Policy-Uncertainty-Indizes (EPU). Erstellt werden diese Indizes, indem pro Land und Monat die Zahl der Zeitungsartikel ermittelt werden, in denen in der jeweiligen Landessprache die drei Begriffe „Wirtschaft“, „Politik“ und „Unsicherheit“ vorkamen. Der Index für den betreffenden Monat errechnet sich aus der Gesamtzahl der Artikel mit diesen drei Wörtern, dividiert durch die monatliche Gesamtzahl der Artikel in den jeweiligen Zeitungen.

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Trotz des Anstiegs der Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik - der globale EPU-Index (rot) kletterte auf den höchsten Stand seit Beginn der Datenreihe 1997 - notiert der Weltaktienindex MSCI World (schwarz) nahe seines Rekordhochs von 2015. (bitte klicken)

Es gibt inzwischen auch einen globalen EPU-Index. Er setzt sich zusammen aus den nationalen EPU-Indizes von 17 Ländern, die zusammen zwei Drittel zur weltweiten Wirtschaftsleistung beitragen. Gewichtet werden die Einzelindizes gemessen an der jeweiligen Wirtschaftsleistung des Landes.

Trotz des weltweiten Anstiegs wirtschaftspolitischer Unsicherheit – der globale EPU-Index kletterte zuletzt auf den höchsten Stand seit Beginn der Datenreihe 1997 - notiert der weltweite Aktienindex MSCI World aktuell nahe seines Rekordhochs von 2015.

Riedls Dax-Radar Zehn Gründe, warum die Aktien trotz Trump, Brexit und Euro-Krise steigen

Während sich die halbe Welt über den Rekordlauf an den Weltbörsen wundert, könnten die Aktienmärkte in den nächsten Jahren sogar noch deutlich weiter zulegen.

ARCHIV - ILLUSTRATION - Die große Anzeige in der Börse in Frankfurt am Main (Hessen) zeigt am 15.01.2014 die Dax-Kurve und verschiedene Börsenkurse (Aufnahme mit Doppelbelichtung). (zu dpa «Wie die Deutschen ihr Geld anlegen» vom 16.12.2016) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Der unerwartete Ausgang des Brexit-Referendums war rasch verdaut. Der überraschende Wahltriumph von Donald Trump beflügelte die Börsen gar in den vergangenen Wochen. Die Indizes stiegen nach der Wahl erst durch Shorteindeckungen von Investoren, die auf Hillary Clinton gesetzt hatten, dann aus Angst, die Trump-Rally zu verpassen.

Zuletzt machte sich gar eine gewisse Euphorie breit über das wirtschaftspolitische Programm Trumps. Aber genau deshalb könnte die Rechnung irgendwann nachgereicht werden. Haussen sterben in der Euphorie. Auch das ist eine alte Börsenweisheit. Zumindest droht an den Börsen ein Rücksetzer.

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