KommentarHedgefonds klagt : Apples Reichtum weckt Begehrlichkeiten

08. Februar 2013
von Stefan Hajek

Ein Hedgefonds hat eine Milliarden-Klage gegen Apple eingereicht. Er fordert höhere Ausschüttungen für Aktionäre aus den Bargeldreserven. Die Klage ist aussichtslos, die Forderung aber richtig.

So viel Reichtum weckt Begehrlichkeiten: der US-Konsumelektronikkonzern Apple sitzt auf Bargeldreserven von fast 140 Milliarden US-Dollar. Forderungen, die Aktionäre stärker an dem Geldregen teilhaben zu lassen, gibt es schon länger. Im vergangenen Jahr bezahlte Apple erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre wieder eine Dividende, allerdings keine, die irgendwelche Schnäppchenjäger hinter dem Ofen hervorlocken könnte: Gerade mal 45 Milliarden Dollar in drei Jahren wollte der Konzern rausrücken, was zum damaligen Aktien-Kurs von fast 700 Dollar einer annualisierten Rendite von rund 1,5 Prozent entsprach. Würde Apple all seine Reserven ausschütten, was natürlich unrealistisch ist, wären das fast 167 Dollar je Aktie. Das entspräche einer einmaligen jährlichen Dividendenrendite von 35,5 Prozent.

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So lange der Apple-Aktienkurs von Rekord zu Rekord eilte, störte sich niemand an der knausrigen Dividende. Im Gegenteil: Apple-hörige Analysten und Kommentatoren feierten die Brosamen im Sommer 2012 lauthals als "Kulturwandel".  Seit das Papier aber um rund 60 Prozent von seinem Höchstkurs eingebrochen ist, rückt die hohe Barreserve der Technologie-Trendsetter wieder ins Blickfeld vieler Investoren.

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Klage mit PR-Wirkung

Das Geld "gehöre den Aktionären", behauptet nun ein großer Fonds - und verklagt den Technikkonzern auf höhere Ausschüttungen. Der US-Hedgefonds-Manager David Einhorn will Apple mit rechtlichen Mitteln zwingen, mehr Geld als Dividende auszuschütten. Einhorns Hedgefonds Greenlight Capital hält derzeit Apple-Aktien im Wert von fast  600 Millionen Dollar, mehr als 1,3 Millionen Stück.

Eine solche Klage ist auf den ersten Blick sowohl wirtschaftlicher als auch juristischer Unfug. Herr Einhorn kann Apple per Gericht in Sachen Dividende zu rein gar nichts zwingen. Er müsste sich wie jeder andere Aktionär auch eine Mehrheit auf der nächsten Apple-Hauptversammlung dafür besorgen. Dies kann er entweder tun, in dem er sich die Mehrzahl der Apple-Aktien kauft, oder andere Aktionäre von seiner Idee überzeugt. Ersteres ist schlicht nicht bezahlbar, Letzteres hat aber durchaus Aussicht auf Erfolg. Die Klage dürfte also mehr PR- als juristische Ziele verfolgen.

Denn Einhorn ist längst nicht der Einzige, der von Apple fordert, das Unternehmen solle endlich sagen, was es mit dem riesigen und immer weiter wachsenden Geldbergen anfangen will.

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Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 08.02.2013, 16:26 UhrSebo

    Apple könnte Pionierarbeit in der Elektronikbranche leisten, in dem es die gesamte Wertschöpfungskette am Erfolg teilhaben lässt. Z.b. Verträge mit besseren Konditionen, mehr Schutz und bessere Bedingungen für die Arbeiter. Senkt womöglich etwas die Marge, aber dem Image würde es nunmal garnicht schaden, was den "Verlust" vielleicht sogar ausgleichen würde.
    Man könnte ja mal klein anfangen bei den Minenarbeitern für seltene Erden in Afrika oder sonst wo.

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