Hedgefonds und Co.: Schattenbanken werden immer gefährlicher

Hedgefonds und Co.: Schattenbanken werden immer gefährlicher

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Allein in den USA machen Hedgefonds rund 35 Prozent des gesamten Finanzsystems aus.

Schattenbanken wie Hedgefonds oder Zweckgesellschaften sind im vergangenen Jahr auf ein Volumen von rund 67 Billionen Dollar gewachsen. Dabei ist die Branche der Krisenbeschleuniger weitgehend unreguliert. Das ist Aufsehern ein Dorn im Auge.

Von Krisenstimmung keine Spur: Schattenbanken sind nach Erkenntnissen der Banken-Regulierer größer als vor der Finanzkrise. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G20-Staaten bezifferte das Volumen der Nicht-Banken, die den weltweiten Geldkreislauf mit Kredit und Liquidität anheizen, zum Ende des vergangenen Jahres auf 67 Billionen Dollar.

Die gefürchteten Hedgefonds, Geldmarktfonds und Zweckgesellschaften sind damit noch größer als vor dem Ausbruch der Finanzkrise, 2007 waren es erst 62 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es erst 26 Billionen. Damit sorgen die zum großen Teil unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem. Die Banken selbst stellen knapp die Hälfte der Liquidität im globalen Finanzsystem, der Rest kommt von Versicherern und Pensionsfonds, Staatsbanken und Zentralbanken.

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Hoher Regulierungsbedarf

Dabei sei die Dunkelziffer bei den Schattenbanken noch groß, räumte der FSB ein. So seien viele Hedgefonds in Steuer- und Finanzparadiesen zuhause, wo den Aufsehern genaue Daten fehlen. Das Gremium, das bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, will im Zuge der weltweiten Regulierungsbemühungen auch die Kontrolle über die Schattenbanken verstärken. Am Sonntag stellte der FSB dazu ein Maßnahmenpaket zur Diskussion, das bis September 2013 von den G20-Staaten umgesetzt werden soll. Bisher waren viele der Schattenbanken - und die damit verbundenen Risiken - unter dem Radarschirm der Aufseher geblieben. Und das, obwohl Hedgefonds und Co. als Mitauslöser und Beschleuniger der Finanzkrise gelten.


Schattenbanken seien an sich nichts Schlechtes, betonten die Aufseher. Doch könnten sie eine Finanzkrise beschleunigen oder sogar selbst auslösen, wenn sie für eine steigende Verschuldung der Banken sorgen, vor allem aber wenn sie langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren. In einer Krise ziehen sie sich oft schnell zurück und hinterlassen Chaos im Finanzsektor. Ein Dorn im Auge sind den Aufsehern vor allem Geldmarktfonds, die in der Euro-Schuldenkrise für Verwerfungen gesorgt hatten, weil sie den europäischen Banken Dollar-Liquidität entzogen hatten. Sie seien am verwundbarsten, weil ihre eigenen Geldgeber in schlechten Zeiten häufig blitzschnell die Liquidität abziehen.
Aber auch die Wertpapierleihe, die Wiederverbriefung von Verbindlichkeiten oder Repo-Geschäfte sollen besser überwacht werden. Die Pleite von Lehman Brothers und die Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG in der Finanzkrise hatten vor allem deswegen einen Flächenbrand ausgelöst, weil beide in der Wertpapierleihe stark vertreten waren. Zu den Schattenbanken zählen auch Investment-Vehikel wie Conduits oder SIVs, in die etwa deutsche Landesbanken außerhalb der Bilanz investiert und damit Schiffbruch erlitten hatten. Nicht alle sind so gefährlich: So zählen die Aufseher auch die in den Niederlanden angesiedelten Finanztöchter vieler Banken zu den Schattenbanken.

Schattenbanken Die dunkle Bedrohung

Immer mehr Risiken wandern von Banken in unregulierte Hedgefonds ab.

Der Hedgefonds Azentus Capital Quelle: Laif


Den größten Schattenbanken-Sektor haben nach den FSB-Daten die USA: Er ist dort allein 23 Billionen Dollar groß und macht 35 Prozent des gesamten Finanzsektors aus. Die gesamte Euro-Zone kommt auf 22 Billionen Dollar. Allerdings ist der Anteil der USA von 2005 bis 2011 von 44 auf 35 Prozent gesunken - vor allem zugunsten von Großbritannien. In internationalen Finanzzentren wie Hongkong, Großbritannien, Singapur und der Schweiz erreicht das Volumen der Schattenbanken ein Vielfaches des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

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1 Kommentar zu Hedgefonds und Co.: Schattenbanken werden immer gefährlicher

  • Im Quartalsbericht der BIZ vom Juni 2008 geht hervor, dass die Bankster weltweit auf ca.600 Billionen Dollar absolut wertloser Papierschnipsel sitzen, es könnten auch doppelt so viel sein, aus den Bilanzen in Schattenbanken und Zweckgesellschaften ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren. http://www.bis.org/press/p080609_de.pdf

    +++ 18,2 Billionen Euro faule Werte vergiften europäische Banken +++
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/453406/182-Billionen-Euro-faule-Werte-vergiften-europaeische-Banken?from=gl.home_Wirtschaft

    Das Armageddon des globalen Finanzsystems
    Laut Bloomberg hat die Bank of America, nach ihrem Downgrade durch Moody's, Derivate im Wert von 75 Billionen Dollar (nicht Milliarden) von ihrer Investment- banking-Tocher Merrill Lynch in ihre Retailbanking-Abteilung verschoben.
    Aber es geht weiter, die JPMorgan Bank hat anscheinend das selbe mit 79 Billionen Dollar an Derivaten gemacht. Dazu kommt, man weiß gar nicht was sonst noch an Versicherungsgarantien irgendwo in den Büchern anderer Banken schlummern, denn niemand führt Buch darüber. Es können mehrere Hundert Billionen sein.

    Prof. Steve Keen von der University of Western Sydney : Wir sind in der größten Finanzblase aller Zeiten.
    Ein Grund dafür ist der Bankensektor, der völlig außer Kontrolle geraten ist. Der zweite liegt in der neoklassischen Wirtschaftstheorie, die die Entwicklung theoretisch unterlegte und rechtfertigte. Um die Wiederholung zu vermeiden, müssten dogmatische Ökonomen und der Finanzsektor bluten. Stattdessen jedoch wird er wieder zum selben Verhalten ermuntert, das uns direkt in die Krise brachte.
    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/im-gespraech-steve-keen-wir-sind-in-der-groessten-finanzblase-aller-zeiten-1236141.html

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