Herabstufung droht: Jetzt ist auch Deutschlands Top-Rating in Gefahr

Herabstufung droht: Jetzt ist auch Deutschlands Top-Rating in Gefahr

, aktualisiert 05. Dezember 2011, 22:20 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Das deutsche Top-Rating wackelt. Die Ratingagentur Standard & Poor's will offenbar den Ausblick auf negativ herabsetzen. Betroffen sind auch fünf weitere EU-Länder deren Bonität noch mit der Bestnote bewertet wird.

New YorkDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) droht mit der Herabstufung von Deutschland und anderen Ländern der Euro-Zone mit der Bestnote AAA. Neben der Bonität Deutschlands wackelt auch das Top-Rating AAA von Frankreich, den Niederlanden, das Österreichs, Luxemburgs und Finnlands.

Noch am Montag wolle S&P den Ausblick der Länder auf negativ setzen, was eine Herabstufung innerhalb von 90 Tagen nach sich ziehen könnte, berichtete die britische Zeitung „Financial Times“. Die Wahrscheinlichkeit dafür läge dann bei 1:2. S&P weigerte sich, die Nachricht zu kommentieren. Die Nachrichtenagenturen Reuters und Dapd meldeten später am Montagabend unter Bezug auf Kreise in Brüssel, S&P wolle die Bonität sämtlicher Staaten der Euro-Zone überprüfen. Das berichtete auch die Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Der Euro-Kurs reagierte mit Abschlägen und fiel unter 1,34 Dollar, die US-Börsen büßten einen Teil ihrer frühen Gewinne wieder ein.

Während Frankreichs Top-Rating schon seit mehreren Wochen als gefährdet gilt, war dies für Deutschland bis vor kurzem noch unvorstellbar. Allerdings hatte die Bundesrepublik Ende November erhebliche Probleme bei der Platzierung einer Anleihe und die Bundesbank musste als Käufer eines wesentlichen Teils einspringen.

Die Ratingagentur zeigte sich jetzt besorgt angesichts der „möglichen Auswirkungen“ der zunehmenden politischen, finanziellen und monetären Probleme der europäischen Wirtschaften und der europäischen Währungsunion.

S&P erhöht damit den Druck vor dem EU-Gipfel am Ende der Woche. Die Ratingagentur beklagte „den mangelnden Fortschritt“ der europäischen Politiker bisher. Er könne durch „strukturelle Schwächen in den Entscheidungsprozessen der Eurozone und der Europäischen Union“ verursacht sein.


Die möglichen Folgen für den Euro-Rettungsschirm

Eine Herabstufung weiterer Länder der Euro-Zone würde auch die Kreditaufnahme für den Euro-Rettungsschirm ESM verteuern und die Gefahr für die Euro-Zone somit erhöhen.

Erst Mitte November hatte S&P mit einer versehentlichen Herabstufung Frankreichs für Aufsehen gesorgt. Schuld war nach Angaben der Agentur eine Computerpanne. Kritiker werfen den Ratingagenturen zu großen Einfluss und zu wenig transparente Entscheidungen vor.

S&P hatte erst in der vergangenen Woche 15 der weltweit größten Banken heruntergestuft - einige davon in Europa. Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten zwar nicht dazu, doch der Ausblick für das Rating des deutschen Branchenprimus ist nun aber „negativ“ und nicht mehr „stabil“.

Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik wird wegen vergleichsweise solider Staatsfinanzen bisher von allen großen Ratingagenturen mit der Bestnote AAA bewertet, womit ein Zahlungsausfall als höchst unwahrscheinlich gilt. Je höher die Bonitätsnote, desto günstiger kommen Schuldner an Geld. In der Schuldenkrise hatten die Einschätzungen der mächtigen Ratingagenturen immer wieder für Wirbel gesorgt. Nach Herabstufungen wurde es für finanziell angeschlagene Länder immer schwerer, sich am Kapitalmarkt Geld zu besorgen. Die Krise verschärfte sich dadurch.

Am Montag hatten mit Deutschland, Frankreich und Italien drei Schwergewichte der Euro-Zone einen weiteren Versuch unternommen, das Vertrauen der Märkte wieder zu stärken. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy präsentierten erste Ideen, wie sie für eine verbindlichere Einhaltung der Schuldengrenzen sorgen wollen. Italiens neuer Ministerpräsident Mario Monti stellte ein Reformpaket über 30 Milliarden Euro vor.

Am selben Tag konnte die Bundesrepublik bei Investoren problemlos neues Geld einsammeln. Die Nachfrage war trotz einer Minirendite knapp über der Null-Prozent-Marke hoch. Nach der verpatzten Auktion einer zehnjährigen Anleihe am 23. November wurde die Auktion mit Spannung verfolgt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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