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Hilfe für Spekulanten: Schweizer Notenbank unter Verdacht

von Holger Alich Quelle: Handelsblatt Online

Die Schweizer Nationalbank veröffentlicht einen kritischen Bericht zur Credit Suisse. Deren Aktienkurs sackt daraufhin ab. Spekulanten sollen die Vorabmeldung gezielt genutzt haben.

Gebäude der Schweizer Notenbank in Bern. Quelle: Reuters
Gebäude der Schweizer Notenbank in Bern. Quelle: Reuters

Es ist in der Medienarbeit von Unternehmen und auch Notenbanken nichts ungewöhnliches, dass Journalisten ein Dokument vorab mit Sperrfrist versehen zugestellt bekommen. Der Zeitvorsprung soll Journalisten helfen, sich in die Materie einzuarbeiten.

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So verschickt auch die Schweizerische Nationalbank seit Jahren ihren jährlichen Finanz-Stabilitätsbericht ein paar Tage vorab an Reporter. In diesem Jahr ist die Kommunikationspraxis nun ins Gerede gekommen.

Denn der sonst eher dröge Bericht der Notenbanker hatte es in sich: Unverblümt empfiehlt die Schweizer Notenbank darin der Großbank Credit Suisse, noch in diesem Jahr ihr Kapital zu erhöhen, um sich Krisenfest zu machen. Als diese Empfehlung am Donnerstag über die Ticker lief, brach die Credit Suisse-Aktie um zehn Prozent ein.

Journalisten hatten den brisanten Bericht bereits seit Montag, den 11. Juni,  auf ihren Schreibtischen. Und an diesem Tag bemerkten Marktbeobachter einen eigenartigen Anstieg im Handel mit Verkaufs-Optionen auf die Credit Suisse Aktie.

Laut dem Datenlieferanten Bloomberg wurden an diesem Tag 4250 Put-Optionen mit Ausübungspreis von 19 Franken und Fälligkeitsdatum 15. Juni der Credit Suisse gehandelt. Das Papier berechtigt zum Verkauf von CS-Aktien zu 19 Franken. Das Volumen entspricht fast dem zehnfachen des durschnittlichen Handelsvolumen im Juni für diesen Kontrakt. Börsenbetreiber Six Swiss Exchange machte keine Angaben darüber, ob dieser abrupte Anstieg im Optionshandel nun untersucht wird.

Die Schweizer Notenbank macht das Phänomen aber nachdenklich; sie will sich auf keinen Fall vorwerfen lassen, Spekulanten Hilfe geleistet zu haben. Daher will die Notenbank nun ihre Politik der Vorab-Veröffentlichung mit Sperrfrist "einer Überprüfung unterziehen", wie die SNB mitteilte.

Ein großer Frontrunner-Skandal sei dennoch nicht zu befürchten: die am fraglichen Tag gehandelten Put-Optionen hätten insgesamt den Wert von nur rund 1000 Franken gehabt. Teurer kam der Bericht der Credit Suisse und ihren Aktionären: Sie haben am Tag der Veröffentlichung rund zwei Milliarden Franken an Marktwert verloren.

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