Hochfrequenzhandel: Regierung will Börsen-Tricksereien einschränken

Hochfrequenzhandel: Regierung will Börsen-Tricksereien einschränken

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Hochfrequenzhändler können mit ihren Aktionen heftige Kursturbulenzen auslösen. Die Bundesregierung will dies beschränken.

Quelle:dpa

Die Politik will den Hochfrequenzhandel mit Aktien beschränken. Aus Angst vor unkontrollierten Kursturbulenzen.

Die Bundesregierung will den sekundenschnellen Börsen-Computerhandel an die kurze Leine nehmen, um extreme Turbulenzen bei Aktienkursen künftig zu verhindern. Das Kabinett beschloss am Mittwoch in Berlin einen Gesetzentwurf, der strengere Regeln und schärfere Kontrollen für den sogenannten Hochfrequenzhandel vorsieht. Dadurch werde das Finanzsystem insgesamt krisenfester gemacht, teilte das Finanzministerium mit.

Beim Hochfrequenzhandel werden Aktien durch Computerprogramme vollautomatisch in Sekundenbruchteilen gekauft und oftmals auch gleich wieder verkauft. Die Händler wollen so von minimalen Kursdifferenzen profitieren. Weil dieses Verfahren aber auch als Auslöser von heftigen Börsenturbulenzen gilt, will man die Risiken mit strengeren Regeln minimieren. Kursmanipulationen durch vorgetäuschte Aktiengeschäfte sollen ebenfalls eingedämmt werden.

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Quelle: dpa

„Deutschland handelt in diesem Punkt als Vorreiter und nimmt eine geplante europäische Regulierung des Hochfrequenzhandels damit schon mal vorweg“, erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Das Gesetz muss allerdings noch vom Bundestag gebilligt werden. Schätzungen zufolge macht der umstrittene Turbohandel an Deutschlands Börsen bereits 40 bis 50 Prozent der Handelsumsätze aus.

In der Bundesrepublik soll man dafür aber künftig eine Zulassung benötigen. Die betroffenen Händler - in Regierungskreisen ist von einer zweistelligen Zahl die Rede - unterliegen damit der Kontrolle der obersten Finanzaufsicht BaFin und müssen dort auch ihre Algorithmen, also die Programme der Handelscomputer, offenlegen. Zudem sollen Leitplanken den Hochfrequenzhandel beschränken. So müssen etwa die Börsen die Möglichkeit schaffen, den Aktienhandel sofort auszusetzen, wenn die Kurse aus dem Ruder laufen. Automatisierte Aufträge müssen zudem gekennzeichnet werden, damit man die Ursachen für Börsenturbulenzen künftig leichter nachvollziehen kann.

Die Strategien der Blitz-Trader

  • News-Reader

    News-Reader (Handel auf Nachrichten):

    Empfängt computerlesbare Nachrichten und handelt, bevor Kurse reagieren.

    Status: Erlaubt

  • Arbitrage (Kursunterschiede nutzen)

    Arbitrage (Kursunterschiede nutzen):

    Kauft Papiere an einer Börse und verkauft an einer anderen teurer.

    Status: Erlaubt

  • Pinging (Anklopfen)

    Pinging (Anklopfen):

    Sucht Liquidität, schickt kleine Orders zur Börse und späht so Handelsbücher aus.

    Status: Bedenklich

  • Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen)

    Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen):

    Handelt, bis er ausgespäht hat, wo die Limits anderer Trader liegen.

    Status: Bedenklich

  • Scalping (Abschneiden)

    Scalping (Abschneiden):

    Sucht große Orders und kauft Papiere früher. Verkauft wenig später teurer wieder.

    Status: Bedenklich

  • Quote Stuffing (Leitungen verstopfen)

    Quote Stuffing (Leitungen verstopfen):

    Sendet Hunderte Orders und löscht sie. Profitiert von Arbitrage an anderer Börse.

    Status: Gefährlich

  • Spoofing bzw. Layering (Täuschen)

    Spoofing bzw. Layering (Täuschen):

    Ein Algorithmus bewegt einen zweiten zum Handeln und verdient daran.

    Status: Gefährlich

  • Wash Trades (Mit sich selber handeln)

    Wash Trades (Mit sich selber handeln):

    Kauft und verkauft gleichzeitig, täuscht Nachfrage nach einem illiquiden Papier vor.

    Status: Gefährlich

  • Frontrunning (Vordrängeln)

    Frontrunning (Vordrängeln):

    Kennt Kundenaufträge und deckt sich ein, bevor er für diese handelt.

    Status: Verboten!

    Quellen: eigene Recherche

Um Betrugsversuche zu erschweren, soll außerdem das Verhältnis von Ordern und tatsächlichen Aktiengeschäften begrenzt werden. Auf diesem Weg will man verhindern, dass ein Kauf- oder Verkaufsinteresse vorgetäuscht wird, um Kurse zu manipulieren. In solchen Fällen werden die Aufträge kurz vor ihrer Ausführung storniert. Deshalb will die Bundesregierung diese massenhafte Stornierung gebührenpflichtig machen. Das Gesetz soll im Laufe des kommenden Jahres in Kraft treten.

Der Hochfrequenzhandel hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen und macht offiziellen Schätzungen zufolge in Deutschland bereits rund 40 Prozent des Handelsvolumens aus. Es sind gewaltige Summen im Spiel - auf der elektronischen Handelsplattform Xetra der Deutschen Börse werden derzeit jeden Tag allein Dax-Aktien im Volumen von etwa drei Milliarden Euro gehandelt. Das macht den Turbo-Handel zu einem allgemeinen Risiko: Bestimmte Aufträge können innerhalb von Millisekunden eine Art Computer-Herdentrieb und damit gewaltige Kursschwankungen auslösen, im Fachjargon „Flash-Crash“ genannt. Der volkswirtschaftliche Nutzen des automatisierten Handels gilt als gering, und reguläre Anleger werden Experten zufolge von seiner Ausweitung eher benachteiligt.

Quelle:  dpa
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