Inside Börse: Finanztransaktionssteuer ja, aber nicht für Private

kolumneInside Börse: Finanztransaktionssteuer ja, aber nicht für Private

Kolumne

Politiker wollen Sparer über eine neue Steuer an den Kosten der Krise beteiligen. Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Eine Analyse von Christoph Boschan, Vorstandsmitglied der Börse Stuttgart.

In der öffentlichen Diskussion wurde sie schon abgeschrieben. Und lange schien es alles andere als sicher, ob sich genug Unterstützer finden. Mindestens neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mussten sich zusammentun, um eine Finanztransaktionssteuer auf den Weg zu bringen. Nach der Bestätigung der EU-Kommission vom vergangenen Dienstag ist es jetzt amtlich: Die Länder, die eine Finanztransaktionssteuer umsetzen wollen, erfüllen alle rechtlichen Voraussetzungen. Mit Estland kam inzwischen das elfte EU-Mitglied hinzu, das die Steuer im Rahmen der sogenannten „Verstärkten Zusammenarbeit“ einführen möchte.

In den nächsten Wochen und Monaten muss zunächst eine qualifizierte Mehrheit aller Mitgliedstaaten dem Vorhaben zustimmen. Daneben ist die Annahme durch das Europäische Parlament erforderlich. Und die EU-Kommission will bis Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.

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Faire Finanztransaktionssteuer

Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Bei ihrem jüngsten Treffen sprachen die EU-Finanzminister erneut von einer möglichst breiten Bemessungsgrundlage. Ihr Ziel: Die Steuer soll möglichst alle Finanztransaktionen und – vor allem – alle Akteure am Finanzmarkt erfassen. Ob die Besteuerung so die Richtigen trifft und für Gerechtigkeit sorgt, wird im aufkommenden Wahlkampf eine wichtige Frage sein.

Die Strategien der Blitz-Trader

  • News-Reader

    News-Reader (Handel auf Nachrichten):

    Empfängt computerlesbare Nachrichten und handelt, bevor Kurse reagieren.

    Status: Erlaubt

  • Arbitrage (Kursunterschiede nutzen)

    Arbitrage (Kursunterschiede nutzen):

    Kauft Papiere an einer Börse und verkauft an einer anderen teurer.

    Status: Erlaubt

  • Pinging (Anklopfen)

    Pinging (Anklopfen):

    Sucht Liquidität, schickt kleine Orders zur Börse und späht so Handelsbücher aus.

    Status: Bedenklich

  • Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen)

    Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen):

    Handelt, bis er ausgespäht hat, wo die Limits anderer Trader liegen.

    Status: Bedenklich

  • Scalping (Abschneiden)

    Scalping (Abschneiden):

    Sucht große Orders und kauft Papiere früher. Verkauft wenig später teurer wieder.

    Status: Bedenklich

  • Quote Stuffing (Leitungen verstopfen)

    Quote Stuffing (Leitungen verstopfen):

    Sendet Hunderte Orders und löscht sie. Profitiert von Arbitrage an anderer Börse.

    Status: Gefährlich

  • Spoofing bzw. Layering (Täuschen)

    Spoofing bzw. Layering (Täuschen):

    Ein Algorithmus bewegt einen zweiten zum Handeln und verdient daran.

    Status: Gefährlich

  • Wash Trades (Mit sich selber handeln)

    Wash Trades (Mit sich selber handeln):

    Kauft und verkauft gleichzeitig, täuscht Nachfrage nach einem illiquiden Papier vor.

    Status: Gefährlich

  • Frontrunning (Vordrängeln)

    Frontrunning (Vordrängeln):

    Kennt Kundenaufträge und deckt sich ein, bevor er für diese handelt.

    Status: Verboten!

    Quellen: eigene Recherche

Die Politik sollte sich hier an ihr eigenes Postulat erinnern: Die Finanztransaktionssteuer soll die Verursacher der Krise an deren Kosten beteiligen. Diese Haltung ist quer durch alle Parteien unbestritten. Erst am Dienstag betonte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, es sei eine Sache der Fairness, dass die Kosten der Krise vom Finanzsektor übernommen werden, anstatt sie den einfachen Bürgern aufzubürden. Das klingt plausibel, aber kann es auch gelingen?

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