ThemaAktien & Börse

alles zum Thema
_

kolumne Inside Börse: Finanztransaktionssteuer ja, aber nicht für Private

Kolumne von Christoph Boschan

Politiker wollen Sparer über eine neue Steuer an den Kosten der Krise beteiligen. Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Eine Analyse von Christoph Boschan, Vorstandsmitglied der Börse Stuttgart.

15. Platz

Die Commerzbank-Aktie liegt wie Blei in vielen Depots. Viel Freude hatten die Aktionäre in den vergangenen Monaten und Jahren nicht mit den Papieren. Auch die Kursgewinne der vergangenen Wochen ändern daran wenig. Trotzdem oder gerade deshalb gehört die Commerzbank zu den beliebtesten Basiswerten der Zertifikate-Anleger. Mit einem Volumen von 13,5 Millionen Euro wurden an der Stuttgarter Börse Commerzbank Faktor 4x Short DAXF Indizes ge- und verkauft. Das reicht für Platz 15 der beliebtesten Basiswerte, die im September an der Stuttgarter Börse gehandelt wurden.

Quelle: Börse Stuttgart

Bild: dpa

In der öffentlichen Diskussion wurde sie schon abgeschrieben. Und lange schien es alles andere als sicher, ob sich genug Unterstützer finden. Mindestens neun Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mussten sich zusammentun, um eine Finanztransaktionssteuer auf den Weg zu bringen. Nach der Bestätigung der EU-Kommission vom vergangenen Dienstag ist es jetzt amtlich: Die Länder, die eine Finanztransaktionssteuer umsetzen wollen, erfüllen alle rechtlichen Voraussetzungen. Mit Estland kam inzwischen das elfte EU-Mitglied hinzu, das die Steuer im Rahmen der sogenannten „Verstärkten Zusammenarbeit“ einführen möchte.

Anzeige

In den nächsten Wochen und Monaten muss zunächst eine qualifizierte Mehrheit aller Mitgliedstaaten dem Vorhaben zustimmen. Daneben ist die Annahme durch das Europäische Parlament erforderlich. Und die EU-Kommission will bis Ende des Jahres einen entsprechenden Gesetzesentwurf vorlegen.

Faire Finanztransaktionssteuer

Wie aber kann eine gerechte Finanztransaktionssteuer aussehen? Bei ihrem jüngsten Treffen sprachen die EU-Finanzminister erneut von einer möglichst breiten Bemessungsgrundlage. Ihr Ziel: Die Steuer soll möglichst alle Finanztransaktionen und – vor allem – alle Akteure am Finanzmarkt erfassen. Ob die Besteuerung so die Richtigen trifft und für Gerechtigkeit sorgt, wird im aufkommenden Wahlkampf eine wichtige Frage sein.

Die Strategien der Blitz-Trader

  • News-Reader

    News-Reader (Handel auf Nachrichten):

    Empfängt computerlesbare Nachrichten und handelt, bevor Kurse reagieren.

    Status: Erlaubt

  • Arbitrage (Kursunterschiede nutzen)

    Arbitrage (Kursunterschiede nutzen):

    Kauft Papiere an einer Börse und verkauft an einer anderen teurer.

    Status: Erlaubt

  • Pinging (Anklopfen)

    Pinging (Anklopfen):

    Sucht Liquidität, schickt kleine Orders zur Börse und späht so Handelsbücher aus.

    Status: Bedenklich

  • Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen)

    Sniping (Aus dem Hinterhalt schießen):

    Handelt, bis er ausgespäht hat, wo die Limits anderer Trader liegen.

    Status: Bedenklich

  • Scalping (Abschneiden)

    Scalping (Abschneiden):

    Sucht große Orders und kauft Papiere früher. Verkauft wenig später teurer wieder.

    Status: Bedenklich

  • Quote Stuffing (Leitungen verstopfen)

    Quote Stuffing (Leitungen verstopfen):

    Sendet Hunderte Orders und löscht sie. Profitiert von Arbitrage an anderer Börse.

    Status: Gefährlich

  • Spoofing bzw. Layering (Täuschen)

    Spoofing bzw. Layering (Täuschen):

    Ein Algorithmus bewegt einen zweiten zum Handeln und verdient daran.

    Status: Gefährlich

  • Wash Trades (Mit sich selber handeln)

    Wash Trades (Mit sich selber handeln):

    Kauft und verkauft gleichzeitig, täuscht Nachfrage nach einem illiquiden Papier vor.

    Status: Gefährlich

  • Frontrunning (Vordrängeln)

    Frontrunning (Vordrängeln):

    Kennt Kundenaufträge und deckt sich ein, bevor er für diese handelt.

    Status: Verboten!

    Quellen: eigene Recherche

Die Politik sollte sich hier an ihr eigenes Postulat erinnern: Die Finanztransaktionssteuer soll die Verursacher der Krise an deren Kosten beteiligen. Diese Haltung ist quer durch alle Parteien unbestritten. Erst am Dienstag betonte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, es sei eine Sache der Fairness, dass die Kosten der Krise vom Finanzsektor übernommen werden, anstatt sie den einfachen Bürgern aufzubürden. Das klingt plausibel, aber kann es auch gelingen?

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.10.2012, 19:47 UhrKronecker

    Zusammengefasst ist zu sagen, dass der Autor den Vorgang der Kursfeststellung wohl nicht verstanden hat. Er versteht nicht, dass man inzwischen zeigen konnte, dass Kurse gemessene Informationen sind. Die vielen unterschiedlichen Methoden des Kaufens/Verkaufens beweisen, dass der Prozess der Kursfeststellung niemals objektiv sein kann, denn offensichtlich entscheidet die Art des Kursfeststellens über den Preis. Um wenigstens Fairness in den Markt zu bringen, darf es nur noch eine Methode des Kursfeststellens geben - und die ist offenzulegen.

  • 29.10.2012, 22:44 Uhrsuchtgruebler

    dem guten Artikel sind noch einige Gesichtpunkte hinzuzufügen:
    „Die Politik sollte sich hier an ihr eigenes Postulat erinnern: Die Finanztransaktionssteuer soll die Verursacher der Krise an deren Kosten beteiligen.“
    Wie in dem Artikel beschrieben, werden jetzt in wesentlichem Umfang die Nichtverusacher der Krise mit der Finanztransaktionssteuer belastet. Darüber hinaus ist keine entsprechende Zweckbindung der Finanztransaktionssteuer zur Tilgung der durch die Finanzkrise entstandenen Staatsschulden vorgesehen. Damit wird ethische Begründung für die Finanztransaktionssteuer einfach ignoriert.
    „Ebenso beteiligen sie sich nicht an Spekulationsgeschäften, die eingedämmt werden sollen“
    Die Finanztransaktionssteuer dämmt keine Spekulationsgeschäfte ein und verhindert keine wesentliche Krise. Sie kann vielleicht die Verstolperer beim schnellen häufigen Handeln verhindern. Die wesentlichen Finanzkrisen aber werden verursacht durch die unangemessene Größe des Geschäftsvolumens, die unangemessene Bewertung, die Größe des Kredithebels und nicht durch die Häufigkeit.
    „Der einfachste Weg wäre, alle kapitalertragssteuerpflichtigen Anleger von der Finanztransaktionssteuer auszunehmen. Nur die körperschaftssteuerpflichtigen Marktteilnehmer würden besteuert."
    Die Abgrenzung ist technisch schwierig. Es genügt, die Finanztransaktionssteuer auf Geschäfte zertifizierter Finanzmarktinstitutionen zur Erzielung eigener Gewinne zu beschränken.

  • 26.10.2012, 15:44 UhrCharly

    Lauter Lösungsansätze, die praktisch nicht durchführbar und nicht verifizierbar sind, oder in der Folge zu gewaltiger Überwachung und Bespitzelung der Anleger führen würden.
    Deshalb werden sie wohl vom Autor auch vorgetragen.

    Es würde genügen, den Banken den Eigenhandel zu untersagen und den Hochfrequenzhandel zu verbieten. Damit würden die Börsen aber weniger verdienen und deshalb ist der Autor dagegen.

Alle Kommentare lesen

Tool: Immobilienscout24

Immobilien-Wertfinder

Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet.

weitere Fotostrecken

Blogs

Es kann bis 9000 gehen
Es kann bis 9000 gehen

Die Rally läuft, und sich dagegen zu stemmen, ist gefährlich. Mindestens ein kräftiger Schub sollte noch kommen – nach...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 18.05.2013

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.