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Insider-Barometer: Top-Manager wetten auf Aktienrally

von Andrea Cünnen Quelle: Handelsblatt Online

An den Aktienmärkten sorgt die Euro-Krise für anhaltend schwankende Kurse. Viele Anleger gehen deswegen in Deckung. Das Insider-Barometer jedoch zeigt, dass Deutschlands Firmenlenker wieder zugreifen.

Der Lufthansa Vorstandschef Christoph Franz kauft Aktien von Europas größter ziviler Luftfahrtgesellschaft. Quelle: Reuters
Der Lufthansa Vorstandschef Christoph Franz kauft Aktien von Europas größter ziviler Luftfahrtgesellschaft. Quelle: Reuters

FrankfurtViele Investoren an den Aktienmärkten sind verunsichert. Die Hoffnung auf den EU-Gipfel Ende Juni, bei dem die Staats- und Regierungschefs sich unter anderem auf einen flexibleren Einsatz der europäischen Rettungsschirme einigten, gab den Kursen zwar kurzzeitig kräftigen Auftrieb. Die Wirkung verpuffte aber schnell wieder.

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Der Blick auf die Insiderkäufe bei deutschen Unternehmen liefert Anlegern aber trotz der jüngsten Schwankungen der Aktienmärkte zumindest im Prinzip positive Signale für die kommenden drei Monate. Das zeigt das Insiderbarometer, das sich seit einigen Wochen stabil oberhalb der Marke von 120 Punkten hält, dem immerhin höchsten Stand seit Februar. Bereits vor dem EU-Gipfel stieg das Barometer auf dieses Niveau.

Anstieg nicht überbewerten

Das Insiderbarometer berechnen die Experten des Aachener Forschungsinstituts für Asset Management (Fifam) und von Commerzbank Wealth Management alle zwei Wochen exklusiv für das Handelsblatt. Sie stützen sich dafür auf die Käufe und Verkäufe von Aktien der eigenen Firmen, die Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und deren Angehörige an die Finanzaufsicht Bafin melden müssen. Das Kaufsignal, welches das Barometer ab einem Stand von 110 Punkten sendet, ist indes aktuell mit etwas Vorsicht zu genießen. Der Grund: Die Umsätze der Insidergeschäfte sind gerade in den vergangenen beiden Wochen deutlich gesunken - für den Beginn der Ferienzeit keine ungewöhnliche Beobachtung. "Von daher würde ich den Anstieg des Barometers nicht überinterpretieren", sagt Olaf Stotz, Professor an der privaten Hochschule Frankfurt School of Finance and Management.

Dennoch können Anleger Nutzen aus dem Barometer ziehen, wenn sie sich die einzelnen großen Transaktionen ansehen. Dort fällt auf: "Insider sind zuletzt vor allem bei den Unternehmen eingestiegen, deren Aktienkurse stark gefallen sind", sagt Stotz.

Nur zwei Titel seit Januar im Plus

Mit den Käufen signalisierten die Insider, dass sie die Aktien für unterbewertet halten. "Herkömmliche Investoren sehen bei den Unternehmen eher die Probleme, die Insider, die das Unternehmen besser kennen, richten den Blick auf die Chancen", erklärt Stotz.

In der Tat finden sich auf der aktuellen Liste der größten Käufe von Firmenlenkern mit Lufthansa, Thyssen-Krupp, Heidelberger Druckmaschinen und Zooplus gleich vier Aktien, die im Juni die tiefsten Kursniveaus seit mehreren Jahren erreicht hatten. Lediglich die Aktie der Immobilienfirma TAG, bei der Aufsichtsratschef Lutz Ristow zugriff, hat in diesem Jahr kräftig zugelegt und schwächelte nur mal Ende Juni kurz.


Lufthansa-Chef kauft Lufthansa-Aktien

Seither ist die TAG-Aktie aber wieder gestiegen - wie übrigens auch die von Lufthansa, Thyssen-Krupp und Zooplus. Auf Jahressicht beförderte der jüngste Anstieg aber unter diesen drei Titeln nur die Lufthansa-Aktie ins Plus. Die von Heidelberger Druckmaschinen gab selbst ihre kurzen Kursgewinne rasch wieder ab.

Bei der Lufthansa griff Vorstandschef Christoph Franz persönlich zu. Die Analysten von Commerzbank Private Wealth Management können das nicht ganz nachvollziehen. Verglichen mit der Konkurrenz sei die Lufthansa zwar operativ vergleichsweise gut unterwegs, aber die Branche falle immer wieder durch fehlende Kapazitätsdisziplin auf. Das schaffe "eine Tendenz zu irrationalem Preiswettbewerb".

Insgesamt empfiehlt indes mehr als die Hälfte der 37 Analysten, die die Lufthansa-Aktie nach Angaben des Nachrichtendienstes Bloomberg beobachten, den Dax-Wert zum Kauf. Für David Pitura von JP Morgan zum Beispiel ist sie sein "Top-Airline-Pick". Ein Grund dafür sei die starke Ausrichtung auf Premium-Passagiere.

Lediglich ein großer Verkauf

Die Aktie des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp, die zuletzt Finanzvorstand Guido Kerkhoff kaufte, halten die meisten Analysten ebenfalls für attraktiv. Auch das renommierte US-Anlegermagazin "Barrons" äußerte sich positiv über Thyssen-Krupp. Die Amerikaner lobten die Strategie der Essener, eines Fokus auf Dienstleistungen, als richtigen Weg auf den Wachstumspfad mit nachhaltig steigenden Gewinnen zurückzukehren.

Den größten Insiderverkauf gab es zuletzt beim Autozulieferer Leoni. Dort trennte sich der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Rupp von den seit Jahresanfang um 18,5 Prozent gestiegenen Aktien. Zu Unrecht meinen die Experten der Commerzbank und sind sich da mit den meisten Analysten einig: Die Commerzbank hält die Aktie dabei "angesichts der guten Wachstumsrate und hohen Gewinnmarge" ausdrücklich für "sehr günstig bewertet".

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