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exklusiv Insolventer Leuchtenhersteller Hess: Ex-Chef Hess wirft Nachfolgern Manipulation vor

von Annina Reimann

Der abgesetzte Chef des insolventen Börsenneulings Hess, Christoph Hess, erhebt schwere Vorwürfe gegen die jetzigen Verantwortlichen, glaubt aber an das Unternehmen.

Das Gebäude der Hess AG in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg). Quelle: dpa
Der Leuchtenhersteller Hess aus dem Schwarzwald ist insolvent. Der Betrieb sei nicht nur zahlungsunfähig, sondern auch überschuldet und obendrein ohne aussichtsreiche Fortführungsperspektive Quelle: dpa

Herr Hess, die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Sie. Sie werden verdächtigt, Anleger betrogen zu haben, etwa durch falsche Angaben im Wertpapierprospekt zum Börsengang. Hess soll Umsätze künstlich aufgebläht haben. Sind Umsätze bei Hess geschönt worden?

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Hess: Ich habe keine Informationen, dass strafrechtlich relevante Dinge passiert sind.

Halten Sie es für möglich, dass Ihr ehemaliger Finanzvorstand Peter Ziegler Umsätze fingiert haben könnte?

Dazu kann ich nichts sagen. Ich habe bis heute noch keine volle Akteneinsicht. Ich will erst die Unterlagen sehen, dann kann ich beurteilen, ob jemand anders Schuld hat oder nicht.

Sie haben in Ihrer Stellungnahme von "fraglichen Buchungen" geschrieben, die Sie noch mit dem Aufsichtsrat besprechen wollten. Um welche Buchungen geht es?

Christoph Hess Quelle: Presse
Christoph Hess, 41, musste am 21. Januar als Chef des Leuchtenherstellers Hess aufhören. Die Aktie stürzte seit dem Börsengang im Oktober 2012 von 15,50 Euro auf unter einen Euro ab Quelle: Presse

Patentkosten. Der Basisvorwurf – so wie ich verstehe, was mir erzählt wird – basiert auf einer Buchung aus Dezember 2012. Ich frage mich: Wie kann diese fragwürdig sein, wenn der Abschluss 2012 noch gar nicht erstellt worden ist?

Hess wird vorgeworfen, Umsätze über Briefkastenfirmen nach oben getrieben zu haben. Gab es solche Firmen bei Hess?

Was ist eine Briefkastenfirma? Es gab Firmen, die im Ausland im Aufbau waren, weil wir internationalisieren wollten. Ein Büro in Dubai mit zwei Mitarbeitern, das in den ersten drei Monaten noch keinen Umsatz macht, ist keine Briefkastenfirma. Ich weiß auch von keinen Firmen, die nur einen Briefkasten haben.

Skandal um Leuchtenhersteller Börsenneuling Hess will Insolvenz anmelden

Beim Börsendebüt vor vier Monaten sammelte Leuchtenhersteller Hess noch 36 Millionen Euro ein. Jetzt gibt das Schwarzwälder Unternehmen zu: Wir sind überschuldet. Für andere Börsenkandidaten ist das fatal.

Skandal um Leuchtenhersteller: Börsenneuling Hess will Insolvenz anmelden

Scheinumsätze sollen etwa über die Briefkastenfirma AMW gelaufen sein – stimmt das?

Mir ist nicht bewusst, dass AMW eine Briefkastenfirma ist. Nach meinen Informationen gab es mit dieser Firma nur geringfügige Umsätze in den letzten Jahren.

Die Hess AG hat mitgeteilt, dass das Unternehmen seit 2009 Jahr für Jahr mehr Geld ausgegeben als eingenommen hat. 2011 wies Hess ein Ebit, also einen Überschuss vor Steuern und Zinsen, von 5,6 Millionen Euro aus. Wie passt das zusammen?

Jede Bilanzposition wurde in den letzten Jahren mehrfach von Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und auch den Konsortialbanken LBBW und M.M. Warburg für den Börsengang zum 25. Oktober 2012 auf ihre Richtigkeit überprüft. Dafür hat Hess mindestens zwei Millionen Euro ausgegeben. Ich kann mir daher nicht erklären, wieso Hess heute behauptet, es sei mehr Geld ausgegeben worden als eingenommen.

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