Intelligent investieren: Hohe Rendite bei geringem Risiko ist möglich

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kolumneIntelligent investieren: Hohe Rendite bei geringem Risiko ist möglich

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Ein Investitionsrisiko gibt es immer.

Kolumne von Thorsten Polleit

Diese Börsenweisheit kennen Sie: Lege nicht alle Eier in einen Korb. Das Verteilen auf mehrere Körbe nennt man Diversifikation. Das senke das Investitionsrisiko, so die landläufige Auffassung - leider ein Irrglaube.

Die Diversifikation ist der zentrale Eckpfeiler im modernen Geldanlagemanagement geworden. Sie wurde populär mit der Portfoliotheorie, wie sie Harry M. Markowitz (*1927) maßgeblich entwickelt hat.

Markowitz führte ein Risikomaß ein, die „Volatilität“ (weniger pompös gesprochen: die „Standardabweichung“). Sie misst, vereinfacht gesprochen, das Auf und Ab der Börsenkurse in einem bestimmten Zeitraum. Markowitz entdeckte Folgendes: Wenn die Renditen, die sich mit Aktien erzielen lassen, nicht perfekt miteinander korreliert sind, lässt sich das Portfoliorisiko verringern, wenn man diversifiziert.

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Wenn die Rendite von Aktie X und Aktie Y vollständig positiv korreliert sind, führt eine Mischung aus ihnen zu einem Rendite-Risikoprofil, das der schwarzen Linie entspricht. Sind die Renditen unkorreliert, lässt sich bis zu einem bestimmten Punkt (hier A auf der blauen Linie) das Risiko vermindern bei steigender Rendite. Sind die Renditen hingegen vollständig negativ korreliert, kann man eine positive Rendite bei einem Risiko von null erreichen (Punkt B auf der roten Linie).

Markowitz hat die Finanzindustrie im Sturm erobert. Seine Portfoliotheorie wird als Standard für die aufgeklärte Geldanlage angesehen und wie folgt praktiziert: Diversifiziere Dein Portfolio, investiere in verschiedene Vermögensklassen. Wenn Du kannst, teile Dein Vermögen auf in Aktien, Anleihen, Häuser und Grundstücke, Kunst und anderes mehr. Diversifiziere aber auch innerhalb der einzelnen Vermögensklassen.

Markowitz‘ Portfoliotheorie - die Idee der Diversifikation Quelle: Privat

Was die meisten Investoren denken: Markowitz‘ Portfoliotheorie - die Idee der Diversifikation (zum Vergrößern bitte anklicken)

Bild: Privat

Diversifiziere beispielsweise den Teil des Portfolios, der in Aktien angelegt wird: Investiere in viele, in 60, 80 oder noch mehr Aktien. Diversifiziere aber nicht nur in Bezug auf die Anzahl der Aktien, diversifiziere auch nach Branchen: Investiere in Maschinenbauaktien, Banken- und Versicherungsaktien und Pharmaaktien. Und: Diversifiziere die Regionen: Aktien aus dem Euroraum, den USA, Japan und China.

Wohlgemerkt: All diese Empfehlungen speisen sich aus Markowitz‘ Risikomaß Volatilität. Die wichtige Frage, die sich daher stellt, lautet: Ist es überhaupt sinnvoll, Risiko mit dem Auf und Ab der Börsenkurse gleichzusetzen? Markowitz‘ Anhänger haben zunächst einmal das folgende Problem: Die Volatilität wird aus vergangenen Börsenkursen errechnet. Aus ihnen lässt sich jedoch aus logischen Gründen nicht auf künftige Kursschwankungen schließen.

Ein Investor, der sich auf die Volatilität verlässt, ist daher wie ein Autofahrer, der bei der Fahrt nach vorn in den Rückspiegel schaut. Die Alternative wäre, künftige Kursschwankungen zu schätzen. Doch wie will man das machen? Mir ist kein Verfahren bekannt, mit dem sich das künftige Auf und Ab der Kurse verlässlich prognostizieren ließe. Ergebnis: Markowitz‘ Risikomaß lässt sich in der Praxis nicht überzeugend umsetzen.

Zur Person

  • Thorsten Polleit

    Dr. Thorsten Polleit ist Chefvolkswirt der Degussa sowie Mitgründer und volkswirtschaftlicher Berater und Mitgründer des P&R REAL VALUE Fonds. Er ist zudem Honorarprofessor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth. In seiner auf wiwo.de erscheinenden Kolumne "Intelligent investieren" widmet er sich alle 14 Tage (immer mittwochs) den grundlegenden Irrtümern und Erkenntnissen der Geldanlage.

Weitaus gewichtiger ist allerdings die folgende Einsicht: Die Volatilität ist ganz grundsätzlich ein fragwürdiges Risikomaß. Um das zu erkennen, betrachten wir das folgende Beispiel. Sie investieren 100 Euro in Aktie A. Die Aktie steigt in Jahr eins um zehn Prozent, fällt in Jahr zwei um fünf Prozent, steigt in Jahr drei um 20 Prozent, fällt in Jahr vier um fünf Prozent und steigt in Jahr fünf um 25 Prozent. Nach fünf Jahren sind aus 100 Euro 148,91 Euro geworden.

Ein kritischer Blick auf das Risikomaß "Volatilität"

 Periode 
 012345Volatilität*
I. Investiere in Aktie A
Rendite in Prozent 10-520-52512,4
Betrag in Euro100,00110,00104,50125,40119,13148,91 
II. Investiere in Aktie B 
Rendite in Prozent -105-205-2512,4
Betrag in Euro100,0090,0094,5075,6079,3859,54 

Eigene Berechnungen; *Standardabweichung 

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Aktie B hat die gleichen Renditen wie Aktie A – nur mit negativen Vorzeichen. Wenn Sie 100 Euro in Aktie B investieren, werden daraus nach fünf Jahren 59,54 Euro. Gleichwohl haben Aktie A und Aktie B das gleiche Risiko: Die Volatilität beträgt in beiden Fällen von 12,4 Prozent! Das aber ist Unsinn, nicht wahr? Aktie A ist doch ganz offensichtlich weniger risikoreich als Aktie B! Fragen wir also: Was denken erfolgreiche Investoren über Risiko?

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