Intelligent Investieren: Preis versus Wert

Intelligent Investieren: Ein Geld-Guru hadert mit Bitcoin & Co.

Preis versus Wert

Auch wenn die Fans der Kryptowährungen den Kopf schütteln mögen: Aus Sicht eines Value Investors – und Howard Marks ist dafür ein Beispiel par excellence – ist die Abneigung, in Kryptowährungen zu investieren, zunächst einmal folgerichtig. Denn der zentrale Grundsatz, auf den die Value Investoren setzen, lautet: Investiere nur dann, wenn der Wert dessen, was Du kaufst, deutlich höher ist als der Preis, den zu zahlst. Darin kommt das Preis-versus-Wert-Prinzip zum Ausdruck. Und wer diesem Prinzip folgt, kann auf zwei Vorteile hoffen.

Erstens: Investiert man, wenn der Wert beispielsweise einer Aktie 10 oder 20 Prozent über dem Marktpreis liegt, arbeitet man mit einer „Sicherheitsmarge“. Sie bewahrt ihn vor Verlusten, die mögliche Fehler bei der Unternehmensbewertung haben können. Zweitens: Wenn eine Aktie, die 100 Euro wert ist, zu beispielsweise 60 Euro gekauft wird, erhöht sich die Investitionsrendite. Das Preis-versus-Wert-Prinzip senkt folglich das Investitionsrisiko und erhöht gleichzeitig die erzielbare Rendite. 

Will man nun aber das Preis-versus-Wert-Prinzip auf Kryptowährungen anwenden, gibt es ein Problem. Bei Aktien lässt sich der Wert zumindest innerhalb gewisser Bandbreiten ermitteln: Er entspricht, vereinfacht gesprochen, dem Barwert alle abdiskontierten Gewinne, die ein Unternehmen erzielt. Bei Kryptowährungen – wie übrigens bei allen Währungen auch – lässt sich ein solcher Wert aber nicht ermitteln. Das Preis-versus-Wert-Prinzip lässt sich hier nicht anwenden.

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Der Grund, warum Howard Marks seine Leser vor Kryptowährungen warnt, ist folglich das Bewertungsproblem: Man weiß schlichtweg nicht, wo der „faire Wert“ der digitalen Einheiten liegt. Und wenn ein Value Investor den Wert einer Sache nicht annähernd beziffern kann, lässt er die Finger davon. Marks Abneigung gegen die Kryptowährungen rührt also in erster Linie nicht aus einer Einschätzung, die Kryptowährungen könnten sich nicht am Markt durchsetzen oder würden irgendwann wertlos verfallen.

Investieren versus spekulieren

Wenn man eine Sache kauft, dessen Wert man nicht kennt, angetrieben von der Hoffnung, dass ihr Preis der steigt, dann investiert man nicht, man spekuliert. Die Grenze zwischen spekulieren und investieren ist zuweilen recht schmal. Mit einem Augenzwinkern könnte man sagen: Investieren ist erfolgreiches Spekulieren, und Spekulieren ist erfolgloses Investieren. Doch die Trennlinie zwischen beiden lässt sich näherungsweise wie folgt ziehen.

Erstens: Man investiert, wenn man sein Geld so anlegt, dass ein monetärer Mehrwert geschaffen wird – wie es beim Erwerb einer Unternehmensbeteiligung oder einer Mietswohnung der Fall ist. Zweitens: Wer investiert, beschäftigt sich eingehend mit dem Investitionsobjekt. Beim Investieren in Aktie gehört dazu, sich mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens vertraut zu machen, die Konkurrenz zu überblicken, den Einfluss neuer Technologien abschätzen zu können und vieles andere mehr.

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Wenn das alles in Erfahrung gebracht wurde, eröffnet sich die Möglichkeit, das Unternehmen zu bewerten. Und erst wenn man den Wert des Unternehmens hinreichend genau bestimmen kann, lassen sich gut begründete Investitionsentscheidungen treffen: Man vergleicht dann den Wert mit dem Preis und kauft nur dann, wenn der Preis deutlich unter dem Wert der Aktie liegt. Das Berücksichtigen des Preis-versus-Wert-Prinzips begrenzt folglich das Investitionsrisiko und verbessert die Investitionsrendite.

Wer Kryptowährungen kauft und keine hinreichend genaue Vorstellung hat vom Wert der digitalen Einheit, der investiert nicht, der spekuliert. Er begibt sich in ein „Greater Fool’s Game“: Er kauft etwas und hofft, dass sich in der Zukunft jemand findet, der bereit sein wird, einen noch höheren Preis zu bezahlen. Das Spiel endet dann – und der Preis kollabiert –, wenn die Erwartung verpufft, dass sich jemand findet, der künftig noch mehr bezahlt. Und die Letzten beißen die Hunde.

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