Internet-Aktien: Facebook-Fieber an der Börse

Internet-Aktien: Facebook-Fieber an der Börse

von Matthias Hohensee und Christof Schürmann

2012 stehen die Aktienmärkte im Bann eines der größten Börsengänge aller Zeiten: Facebook wagt sich aufs Parkett. Das soziale Netzwerk hat schon jetzt einen neuen Internet-Aktienwahn ausgelöst. Welche Papiere wirklich etwas taugen, was Facebook tatsächlich wert sein könnte, warum Google und Amazon lukrativ sind.

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Facebook strebt an die Börse: Mark Zuckerberg hätte dann ein Privatvermögen von 24 Milliarden Dollar

Umrandet von sumpfigem Marschland und einem vierspurigen Highway, leuchtet es in der Abendsonne: das Alcatraz des Silicon Valley, ein Komplex aus elf zweistöckigen, ineinander verschachtelten Gebäuden in Menlo Park. Wie die berühmte Gefängnisinsel in der Bucht vor San Francisco lässt sich der Bau leicht abschotten. Was drinnen passiert, ist von außen nicht zu sehen, und der Weg hinein ist mühsam.

Jahrelang residierte hier das Computerunternehmen Sun Microsystems, das inzwischen zum Softwarekonzern Oracle gehört. Derzeit zieht das prominenteste Start-up der Welt von seinen aus allen Nähten krachenden Gebäuden in der Nähe der Stanford-Universität auf die „Gefängnisinsel“ um. Facebook, das größte soziale Netzwerk der Welt, braucht Raum zum Wachsen. 3300 Mitarbeiter kommen hier unter, Neubauten sollen bis Mitte der Dekade noch einmal so vielen Platz bieten. Vor allem aber hat Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg jetzt seine eigene Festung, so wie der mächtige Wettbewerber Google mit seinem burgähnlichen Google-Plex im nur zehn Autominuten entfernten Mountain View.

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Börsengang wird Technologiebranche beeinflussen

Vom Binnenland-Alcatraz aus wird derzeit eine 100-Milliarden-Dollar-Operation geplant, die das Schicksal der gesamten Technologiebranche beeinflussen wird: der Börsengang (Initial Public Offering/IPO) von Facebook. Im späten Frühjahr 2012 soll das soziale Netzwerk an die Börse gehen. Nach einem verkorksten Börsenjahr lechzen Investmentbanken nach einem großen IPO, allen voran Goldman Sachs, die bereits 2011 Facebook-Aktien an Kunden verkauften. Facebook soll ein Signal an viele andere Börsenkandidaten sein – und den Banken fette Provisionen bringen, nach Angaben des Analysehauses Dealogic rund 220 Millionen Dollar.

Fakten rund um den Facebook-Börsengang

  • Börsenwert

    100 Milliarden Dollar Börsenwert erwarten die Analysten von Facebook.

  • Wert pro Nutzer

    1250 Dollar wäre auf Grundlage des Börsenwertes jeder der 800 Millionen Nutzer bei Facebook wert.

  • Privatvermögen Zuckerberg

    24 Milliarden Dollar Privatvermögen hätte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg nach dem IPO.

  • Vergleich mit Amazon-IPO

    227-mal so teuer wie Amazon wäre Facebook zum Börsengang.

  • Umsatzprognose 2012

    6 Milliarden Dollar soll das soziale Netzwerk Facebook in diesem Jahr umsetzen.

  • Vergleich mit Google-Umsatz

    6-mal so viel Umsatz wird Facebook-Konkurrent Google 2012 machen, bei 13 Milliarden Dollar Gewinn.

Facebook ist das beherrschende Börsenthema im High-Tech-Eldorado: Kann der 27-jährige Harvard-Studienabbrecher Zuckerberg, der quasi aus dem Nichts ein weltweites Netzwerk mit 800 Millionen Nutzern aufbaute, junge High-Tech-Unternehmen wieder populär machen? Wird er, neben Mitarbeitern und Investoren, die früh einstiegen, auch Anleger an der Börse reich machen? Kann der jugendliche Egomane einen ähnlichen Börsen- und Gründungsboom auslösen wie sein wichtigster Vertrauter und Aufsichtsrat Marc Andreessen, der mit dem Internet-Browser Netscape Mitte der Neunzigerjahre den ersten Internet-Boom anfachte?

Für Anleger nicht unbedingt Schlaraffenland

Was dafür spricht: Das Internet bietet scheinbar immer noch grenzenlosen Raum für Wachstum, für das Entstehen neuer Imperien rund um digitale Güter, Werbung, Marketing und Software, befeuert von Computern, Notebooks, Smartphones und mächtigen Datenzentren.

Doch was ein Schmaus für Gründer und Investmentbanken ist, muss noch lange kein Schlaraffenland für Anleger sein. Selbst Jüngeren klingelt es noch in den Ohren, wenn sie von Dotcom-Boom und einer angeblich nie untergehenden Sonne im Reich des Internets hören. Anleger fragen deshalb zu Recht, inwiefern sich die aktuelle Börsenwelle von der Web-1.0-Hysterie unterscheidet.

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