Interview mit Mark Mobius: „Die Reformen überall auf der Welt sind ein Glück“

Interview mit Mark Mobius: „Die Reformen überall auf der Welt sind ein Glück“

, aktualisiert 31. Oktober 2016, 10:07 Uhr
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Die Investorenlegende spricht im Interview über Entwicklungen in Schwellenländern.

von Heike SchwerdtfegerQuelle:Handelsblatt Online

Mark Mobius hat die Geldanlage in Schwellenländern salonfähig gemacht und ist mit seinen 80 Jahren längst eine Investorenlegende. Im Interview blickt er zurück und verrät, wie es in den Schwellenländern weitergeht.

Herr Mobius, Schwellenländeraktien sind gefragt, die Kurse rasant gestiegen. Ist der Trend nachhaltig? Oder muss man bei einer US-Zinserhöhung mit einem Kurssturz rechnen?
Es gibt keine Gesetzmäßigkeit, dass ein Zinsanstieg in den USA zugleich eine Krise in den Schwellenländern auslöst. Das gab es zwar 1994, damals hat die US-Notenbank die Märkte mit einer Zinserhöhung geschockt und die Mexikokrise ausgelöst, und an 2013 erinnern sich alle. Die USA sind bei Zinsschritten heute behutsamer als 1994, die Schwellenländer sind solider finanziert als Mexiko damals, und sie sind durch Reformen und wieder angestiegene Rohstoffpreise relativ stark geworden.

Welche Reformen stufen Sie als besonders wichtig ein?
In Indien ist die landesweite Mehrwertsteuer ein gigantischer Schritt. China verbindet durch das sogenannte Connect-Programm die Festlandbörsen mit Hongkong. Das wird den Kapitalaustausch verbessern und den Wertpapierhandel auf dem chinesischen Markt erhöhen. Es tut sich überall auf der Welt viel. Selbst der philippinische Präsident Duterte bemüht sich um Reformen für die Mittelschicht und gegen Korruption. Das geht meist unter.

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Templeton verwaltet in thailändischen Aktien 2,5 Milliarden Dollar. Haben Sie nach dem Tod des Königs Angst um das Land?
Ich habe in Thailand gelebt, der Tod erschüttert die Bevölkerung. Ein Jahr wird jetzt getrauert, und 2017 gibt es eine Parlamentswahl. Das sind unruhige Zeiten, da wird es am Aktienmarkt volatil bleiben. Aber das bietet Chancen. Das Land ist stark, es hat ein geringes Haushaltsdefizit und einen Leistungsbilanzüberschuss. Die Bevölkerung ist belastbar, die Verwaltung gut organisiert. Die Militärregierung setzt einen ambitionierten Fünfjahresplan um und steckt viel Geld in die Infrastruktur. Eine Herausforderung bleiben Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Sie verwalten seit 2010 Gelder des Entschädigungsfonds für Enteignete des kommunistischen Regimes in Rumänien. Geht es dort voran?
Es war ein großer Schritt, dass die Regierung einer privaten Gesellschaft das Management der staatlichen Gelder anvertraut hat. Rumänien ist in der EU eines der wachstumsstärksten Länder. Wenn die Menschen fragen, was die EU für einen Sinn hat, dann muss ich sagen: Sie ist enorm wichtig. Dabei geht es nicht um Geld aus Brüssel, sondern um Korruptionsbekämpfung und Justiz. Wir haben Aktiengesellschaften im Fonds, die wir bei ihren Geschäften unterstützen, aber gegen die wir auch vor Gericht gezogen sind. Die Richter wissen, dass sie Brüssel im Rücken haben und unabhängig urteilen müssen und sich nicht von der noch immer mächtigen Nomenklatura des Landes behindern lassen dürfen. Die Reformer in der Regierung können die EU-Regeln als Vorbild nutzen.

Worum ging es vor Gericht?
Wir waren in Aktien des größten rumänischen Produzenten von Strom aus Wasserkraft investiert. Er machte ständig Verlust. Wir stellten fest, dass es beim Verkauf des Stroms einen Mittelsmann gab, der schon in der kommunistischen Partei eine wichtige Rolle spielte. Er kaufte den Strom billig und verkaufte ihn teuer.

An der Börse zählt auch Südkorea noch als Schwellenland. Die Samsung-Aktie ist wegen der Probleme mit dem Luxus-Smartphone Galaxy Note 7 abgestürzt. War das vermeidbar?
Solche Skandale sind immer ein Thema, wenn man mit Schwellenländern zu tun hat. Vieles geht zurück auf Probleme mit der verantwortungsvollen Unternehmensführung. Ich hoffe, dass sich jetzt die Corporate Governance in Korea verbessert. Samsung ist unter enormem Druck, der Vorstand ist schon seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen worden, niemand weiß, ob er noch lebt. Nach diesem Vorfall müssen sie transparenter werden.


„Die Chinesen wappnen sich“

Droht in China eine neue Immobilienkrise wie in den USA?
Nein. Die USA waren auf die Finanzkrise nicht vorbereitet, aber die Chinesen wappnen sich. Es stimmt, dass die Zahl der Kredite, die nicht ordentlich zurückgezahlt werden, enorm gewachsen ist. Die Chinesen haben Asset Manager gegründet, die diese Kredite absorbieren. Sie kaufen mit dem Geld, das ihnen Anleger geben, Kredite günstig auf. Banker verkaufen die Fonds mit Renditeversprechen von fünf bis acht Prozent.

Gibt es keinen Anlegerschutz?
Kaum. Fordern die Anleger ihr Geld zurück, wird man die Gelder einfrieren. Es ist die gleiche Story wie immer: Gier, Gier, Gier. Aber Schneeballsysteme gab es überall auf der Welt.

Wie gefährlich wäre ein Ende der Globalisierung?
Der neue Nationalismus – ob in den USA oder Polen – ist für die Schwellenländer schlecht. Ein Ende der Globalisierung würde wieder zu Behinderungen bei den Investitionen führen. Das habe ich alles in den Achtzigerjahren schon erlebt, als es noch Kapitalverkehrskontrollen gab. Es war schwer, Geld anzulegen, und das hat die Unternehmensentwicklung gebremst. Ich habe aber keine große Angst, dass zu viel rückgängig gemacht wird.

US-Präsidentschaftskandidat Trump möchte Handelsabkommen kündigen.
Ich rechne nicht mit extremen Änderungen, denn die meisten Abkommen sind multilateral ausgehandelt, da kann man nicht einseitig eingreifen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, was bedauern Sie?
Wir haben die Bedeutung des Internets unterschätzt. Weil wir als Value-Investoren substanzstarke Unternehmen mit guten Geschäftsmodellen suchen, wollten wir nicht in die hoch bewerteten Firmen investieren, die kein Geld verdienten. Manche der heutigen Internetgiganten in Schwellenländern hatten wir uns früh angesehen.

Was freut Sie im Rückblick?
Die Reformen überall auf der Welt sind ein Glück und machen mich zufrieden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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