Interview: „Raus aus Nestlé und Unilever“

InterviewInterview: „Raus aus Nestlé und Unilever“

von Annina Reimann

Der DWS Aktienchef für Europa, Henning Gebhardt, sieht keine Aktienblase und kauft zyklische Papiere in die Anlegerdepots. Von einigen Branchenpapieren rät er jedoch ab.

WirtschaftsWoche: Herr Gebhardt, der Dax steht mit 8200 Punkten nah am Hoch – müssten Anleger da jetzt nicht raus aus Aktien?

Henning Gebhardt: Es spricht nichts dagegen, mal Gewinne mitzunehmen. Allerdings sehe ich aktuell keine Blase. Die Kurse liegen unter den durchschnittlichen Bewertungsniveaus der letzten Jahre. Viele Unternehmen machen heute höhere Gewinne als zu der Zeit, als wir die 8000-Marke zum ersten Mal gesehen haben. Die meisten Bilanzen sind zudem gesünder als vor der Finanzkrise. Damals waren Unternehmen nach einer Übernahmewelle höher verschuldet als heute. Ich erwarte, dass die Gewinne vieler Unternehmen nun steigen. Das wirtschaftliche Umfeld verbessert sich gerade.

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Woran machen Sie fest, dass bald Gewinne sprudeln?

Es gibt Umfragen unter Managern, die als Frühindikator gelten. Der Ifo-Geschäftsklimaindex etwa, Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland, hat angezogen. Zuletzt hat mich der spanische Einkaufsmanagerindex positiv überrascht, der zum ersten Mal wieder über 50 Punkten liegt. England steht auch schon länger über 50. In Italien sehe ich eine Verbesserung, die aber noch im Anfangsstadium steckt.

Vermögensverwaltung Deutsche Bank sieht sich beim Umbau auf Kurs

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ist derzeit eine Großbaustelle. Doch scheinbar läuft alles nach Plan, die Gewinnziele können wohl erreicht werden. Doch die gute Stimmung wird vom Stellenabbau getrübt.

Der Stellenabbau bei der Deutschen Bank belastet das Klima im Unternehmen deutlich. Quelle: Reuters

Würden Sie den Patient Europa schon wieder von der Intensivstation entlassen?

Ich habe heute eine deutlich positivere Meinung zu Europa als in den letzten zwei bis drei Jahren. In den letzten zwei Monaten kamen mehr positive Nachrichten, in Europa läuft es jetzt besser als erwartet.

Der Internationale Währungsfonds hat gerade seine Wachstumsprognose für Deutschland zurückgenommen.

Die volkswirtschaftlichen Schätzungen laufen den Märkten meist etwas hinterher. Ich lege meinen Blick auf zwölf Monate. Momentan gehe ich davon aus, dass die Märkte in dem Zeitraum weiter Aufwärtspotenzial haben.

Wo ist in Europa der Reformbedarf am größten?

Viele Haushalte müssen weiter konsolidiert werden. Frankreich ist bei der Restrukturierung besonders weit hinterher. Das Land muss deutlich mehr für seine Wettbewerbsfähigkeit tun. In Frankreich sind die Investitionen aus dem Ausland bereits rapide gesunken, seit Präsident François Hollande an der Macht ist. Es herrscht für Investoren große Unsicherheit über den Arbeitsmarkt oder das Steuersystem dort. Die Franzosen haben nicht mehr viel Zeit.

Sehen Sie weitere Schuldenschnitte kommen?

In vielen Ländern sind die Schulden zu hoch und müssen mittelfristig runter – unklar ist aber, wie genau. Aber ob einem Land Schulden erlassen werden, so wie in Griechenland, hängt am politischen Willen.

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