IPO: „Farmville“-Macher erzielt eine Milliarde Dollar bei Börsenstart

IPO: „Farmville“-Macher erzielt eine Milliarde Dollar bei Börsenstart

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 19:24 Uhr
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Mark Pincus, CEO von Zynga, präsentiert seine Spielewelt.

Quelle:Handelsblatt Online

Der Onlinespiele-Anbieter Zynga bringt es mit virtuellen Häusern und Traktoren auf einen Milliardenwert. Der „Farmville“-Macher könnte seinem engen Partner Facebook den Weg in Richtung Börse weisen.

New YorkEs ist der größte Börsengang eines amerikanischen Internet-Unternehmens seit Google: Zynga, Marktführer bei Spielen für Facebook, hat bei seiner Aktienplatzierung eine Milliarde Dollar eingenommen. Der Entwickler von Hits wie „Farmville“, „Cityville“ oder „Mafia Wars“ wurde seine Wertpapiere am oberen Ende der zuletzt angepeilten Spanne zu je 10 Dollar los, wie aus Daten der US-Technologiebörse Nasdaq hervorgeht.

Die ersten Minuten als börsennotiertes Unternehmen glichen am Freitagmorgen (Ortszeit) aber einer Achterbahnfahrt: Zuerst sprang die Aktie auf mehr als 11 Dollar hoch, nur um Minuten später Kurs auf 9 Dollar zu nehmen. Kurz vor Mittag bewegte sich das Papier um den Ausgabekurs. Zusammen mit den Anteilsscheinen, die noch bei den Alteigentümern verbleiben, wird Zynga zum Ausgabekurs mit 7 Milliarden Dollar bewertet. Mit noch ausstehenden Optionen läge der Firmenwert bei 8,9 Milliarden Dollar.

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Der Sprung aufs Parkett gilt als Testlauf für einen möglichen Börsengang des Online-Netzwerks Facebook im kommenden Jahr. Die klare Nummer eins unter den Sozialen Netzwerken dürfte alle bisherigen Internet-Börsengänge locker übertrumpfen: Bei Facebook steht eine Börsenbewertung von 100 Milliarden Dollar im Raum. Zynga ist eng mit Facebook verbandelt. Die meisten Spieler stammen aus dem sozialen Netzwerk.

223 Millionen Nutzer tummeln sich bei Facebook im Monat in Zynga-Titeln. Am erfolgreichsten sind derzeit die Simulationen „Cityville“, „Castleville“ und „Farmville“, in denen Spieler eine Stadt, ein mittelalterliches Königreich oder einen Bauernhof aufbauen. Auch ein Pokerspiel lockt Millionen. Zynga hat ein Geschäftsmodell in der gesamten Branche populär gemacht: Das Spielen ist an sich ist kostenlos, Nutzer können aber für kleine Beträge virtuelle Güter kaufen, auf die sie sonst lange warten müssten. „Farmville“-Bauern kommen beispielsweise dank eines Traktors schneller voran.


Börsenwert fiel niedriger aus als erwartet

Nur ein Bruchteil der Zynga-Nutzer setzt allerdings echtes Geld ein - nach jüngsten Angaben waren es lediglich 6,7 Millionen. Doch angesichts seiner großen Reichweite kommt der Spieleanbieter trotzdem auf beachtliche Einnahmen: In den ersten neun Monaten 2011 verdiente das Unternehmen rund 30 Millionen Dollar bei einem Umsatz von etwa 830 Millionen Dollar.

Die Social-Games-Branche wertet den Start als gutes Zeichen. „Der Gang an die Börse von Zynga und die erwartete Bewertung spiegeln das starke Wachstum - von Umsätzen und Nutzerzahlen - der jungen Branche wieder“, sagte Jens Begemann, Gründer und Chef des Zynga-Konkurrenten Wooga in Berlin. Seine Erwartungen an die weitere Entwicklung sind hoch: „Spielen ist ein tiefes menschliches Bedürfnis und damit dessen Befriedigung ein Markt.“ Wooga ist hinter Zynga und Electronic Arts die Nummer 3 bei Facebook-Spielen.

Der Börsenwert von Zynga ist allerdings deutlich niedriger ausgefallen als erwartet. Im Sommer kursierten noch Zahlen von 15 Milliarden bis 20 Milliarden Dollar, zuletzt immerhin noch von 10 Milliarden Dollar. Das Klima für Internet-Börsengänge hat sich allerdings deutlich eingetrübt. Die Aktien mehrerer Firmen wie die Schnäppchen-Website Groupon oder das Internet-Radio Pandora rutschten nach einem anfänglichen Kursfeuerwerk unter den Ausgabepreis.

Den Rekord bei den Internet-Börsengängen hält bis heute Google. Im Jahr 2004 hatte der Aktienverkauf des Suchmaschinen-Betreibers knapp 1,7 Milliarden Dollar eingebracht, die Gesamtbewertung lag damals bei 23 Milliarden Dollar. Heute ist Google mehr als 200 Milliarden Dollar wert. Den größten Internet-Börsengang in diesem Jahr legte der russischen Suchmaschinenbetreiber Yandex mit einem Volumen von mehr als 1,3 Milliarden Dollar hin.

Mit gut 14 Prozent bringt Zynga einen höheren Anteil am Unternehmen an die Börse als andere Online-Firmen in diesem Jahr. Der 45-jährige Chef und Gründer von Zynga, Mark Pincus, wird aber weiter fest die Kontrolle behalten. Er behält alle seine Anteile, die dank einer Drei-Klassen-Aktienstruktur auch noch höhere Stimmrechte haben als die Anteilsscheine einfacher Investoren. Laut Zynga-Unterlagen liegen gut 38 Prozent der Stimmen in der Hand des Gründers, so dass ohne ihn keine wichtige Entscheidung getroffen werden kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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