IPO-Markt: Neue Aktien für den heißen Börsenherbst

IPO-Markt: Neue Aktien für den heißen Börsenherbst

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Zwei Jahre nach Facebook, planen wieder eine ganze Reihe von technologielastigen Unternehmen den Sprung an die Börse.

von Andreas Toller

Wenn sich die Aktienmärkte einem Rekordhoch nähern, wagen Unternehmen den Sprung an die Börse. Was Anleger über die Börsengänge von Zalando, Alibaba und Co. wissen sollten.

Als Facebook im Mai 2012 an die Börse ging, fühlten sich erfahrene Anleger an die Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende erinnert. Die Bewertungen an der Börse entpuppten sich als damals als dramatisch überzogen, die „New Economy“ bewies: Auch das Neue muss erst einmal Geld verdienen, um Anleger zu erfreuen.

Doch Facebook strafte die Skeptiker Lügen – wenn auch mit einiger Verspätung. Facebook startete mit einer Bewertung von 104 Milliarden Dollar in den ersten Handelstag an der Technologiebörse Nasdaq. Doch der Börsengang war vermurkst, die Aktie verlor in den darauffolgenden Wochen mehr als die Hälfte ihres Wertes.

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Später aber bewies das soziale Netzwerk mit mittlerweile mehr als einer Milliarde Nutzern weltweit, dass es durchaus viel Geld verdienen kann. Heute notiert das Papier beim doppelten des Ausgabekurses. Facebook ist an der Börse heute rund 179 Milliarden Dollar wert. Wer die Aktie vor dem Börsendebüt gezeichnet hat, konnte sich also erst einmal ärgern. Wer aber erst im Kurstief wenige Monate nach dem Börsenstart Facebook-Aktien kaufte, konnte sich freuen.

Was Sie über die Börsenkandidaten wissen sollten

  • Zalando

    ZALANDO (Online-Versand von Schuhen und Bekleidung)

    Börse: Frankfurt (Prime Standard)

    Erstnotiz: 1. Oktober

    Zuteilungspreis: 21,50 Euro

    Eigentümer: Kinnevik (36,5 Prozent), European Founders Fund/Gebrüder Samwer (17 Prozent), Bestseller/Anders Holch Povlsen (10 Prozent), Tengelmann (5 Prozent), Holtzbrinck Ventures (8 Prozent), OTPP (2 Prozent)

    Bewertung: bis zu 5,34 Milliarden Euro

    Platzierungsvolumen: 526 Mio. Euro (605 Mio. Euro inkl. Mehrzuteilung)

    Streubesitz: 11,3 Prozent

    Banken: Credit Suisse, Morgan Stanley und Goldman Sachs

    Umsatz und Ebit:

    2011: 510 Mio. Euro Umsatz, Ebit¹: -57 Mio. Euro

    2012: 1159 Mio. Euro, Ebit¹: -77 Mio. Euro

    2013: 1762 Mio. Euro, Ebit¹: -99 Mio. Euro

    2014: 2235 Mio. Euro², Ebit¹: 52 Mio. Euro

    2015: 2784 Mio. Euro², Ebit¹: 136 Mio. Euro

    2016: 3399 Mio. Euro², Ebit¹: 207 Mio. Euro

    ¹Gewinn vor Zinsen und Steuern, Nettogewinn ist weiter negativ

    ²Prognose der Deutschen Bank

  • Rocket Internet

    ROCKET INTERNET (Holding von jungen Internet-Unternehmen)

    Börse: Frankfurt (Entry Standard)

    Erstnotiz / Handelsstart: 2. Oktober

    Zeichnungsfrist: 24. September bis 1. Oktober

    Preisspanne: 35,50 bis 42,50 Euro

    Platzierung: 33 bis 38 Millionen Aktien

    Volumen: 1,477 Millionen Euro

    erwarteter Börsenwert des Unternehmens: 6,2 bis 6,7 Milliarden Euro

    Eigentümer: Brüder Samwer (52,3 Prozent), Kinnevik (18,1 Prozent), United Internet (10,4 Prozent, Access Industries (Len Blavatnik, 8,3 Prozent), Philippine Long Distance Telephone (PLDT, 8,4 Prozent), Holtzbrinck Ventures (2,5 Prozent)

    Banken: JPMorgan, Morgan Stanley, Berenberg

  • Tele Columbus

    TELE COLUMBUS (Kabelnetzbetreiber)

    Zeitpunkt: Herbst 2014

    Eigentümer: mehrere Hedgefonds

    Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

    Volumen: rund 300 Millionen Euro

    Banken: JPMorgan, Goldman Sachs

  • TLG Immobilien

    TLG IMMOBILIEN (Gewerbeimmobilien in Ostdeutschland)

    Zeitpunkt: Herbst 2014

    Eigentümer: Lone Star

    Bewertung: 1,5 Milliarden Euro (inklusive Schulden)

    Volumen: rund 500 Millionen Euro

    Banken: UBS, JPMorgan

  • Steinhoff

    STEINHOFF (Möbelproduktion und -handel)

    Zeitpunkt: nach dem 9. September

    Eigentümer: börsennotiert, Gründer Bruno Steinhoff größter Aktionär

    Bewertung: knapp 9 Milliarden Euro (Börsenwert)

    Volumen: Wechsel von der Börse Johannesburg nach Frankfurt, Kapitalerhöhung im Juli durchgeführt, möglicherweise weitere Platzierung im Zuge des Wechsels des Börsenplatzes.

    Banken: Kapitalerhöhung begleitet von Barclays, BNP Paribas, Citigroup, HSBC und Commerzbank

  • Hella

    HELLA (Autoscheinwerfer-Hersteller)

    Zeitpunkt: Herbst 2014 möglich

    Eigentümer: Familie

    Bewertung: rund 3,5 Milliarden Euro

    Volumen: offen

    Banken: Citi, Bankhaus Lampe

  • Armacell

    ARMACELL (Dämmstoff-Hersteller)

    Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

    Eigentümer: Charterhouse Capital Partners

    Bewertung: mehr als 600 Millionen Euro

    Volumen: rund 300 Millionen Euro

    Banken: Deutsche Bank, Bank of America Merrill Lynch, BNP Paribas

  • Scout24

    SCOUT24 (Betreiber von Online-Marktplätzen)

    Zeitpunkt: Ende 2014/Anfang 2015

    Eigentümer: Hellman & Friedman (49 Prozent), Blackstone (21 Prozent), Deutsche Telekom (30 Prozent)

    Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

    Volumen: rund 400 Millionen Euro (für 20 Prozent der Anteile)

    Banken: Goldman Sachs, Credit Suisse als Koordinatoren (erwartet)

  • Siemens Audiologische Technik

    SIEMENS AUDIOLOGISCHE TECHNIK (Hörgeräte)

    Zeitpunkt: frühestens Ende 2014

    Eigentümer: Siemens AG

    Bewertung: ca. 2 Milliarden Euro

    Volumen: möglicherweise als Spin-off mit Ausgabe von Aktien an Siemens-Aktionäre

    Banken: Auswahl in Kürze erwartet

  • Axel Springer Digital Classifieds

    AXEL SPRINGER DIGITAL CLASSIFIEDS (Online-Anzeigenbörse)

    Zeitpunkt: Anfang 2015

    Eigentümer: Axel Springer SE (70 Prozent), General Atlantic (30 Prozent)

    Bewertung: rund drei Milliarden Euro

    Volumen: offen

    Banken: noch nicht ausgewählt

  • Douglas

    DOUGLAS (Parfümerie, Einzelhandel)

    Zeitpunkt: Frühjahr 2015

    Eigentümer: Advent International und Familie Kreke

    Bewertung: rund zwei Milliarden Euro

    Volumen: offen

    Banken: noch nicht ausgewählt

  • Hapag-Lloyd

    HAPAG-LLOYD (Reederei)

    Zeitpunkt: Herbst 2015

    Eigentümer: (vor Vollzug der Fusion mit CSAV ) Stadt Hamburg (37 Prozent), Kühne Maritime (28 Prozent), TUI (22 Prozent), Signal Iduna (5 Prozent), HSH Nordbank (3 Prozent), M.M. Warburg & Co (2,9 Prozent) und HanseMerkur (1,8 Prozent), CSAV erhält zunächst 30, später 34 Prozent.

Ein Dutzend Börsengänge in Frankfurt

Nun planen wieder eine ganze Reihe von technologielastigen Unternehmen den Sprung an die Börse – und hoffen auf einen Erfolg schon beim Börsenstart. Mit Zalando, Alibaba, Rocket Internet, Scout24 und Axel Springer Digital Classifieds sind gleich vier im Milliardenbereich bewertete Unternehmen mit einer Aktienneuemission in der Warteschleife.

Die Liste ist hierzulande noch deutlich länger: Insgesamt ein Dutzend IPOs wären noch bis Jahresende an der Frankfurter Börse denkbar. Darunter die Hörgerätesparte von Siemens, Kabelnetzbetreiber Tele Columbus, Dämmstoff-Fabrikant Armacell oder Autoscheinwerfer-Hersteller Hella.

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Quelle: Torsten Wolber für WirtschaftsWoche

Auf den ersten Blick scheint die Zeit für einen Börsengang, kurz IPO (Initial Public Offering) für Unternehmen wie Anleger günstig. „Der IPO-Markt ist zyklisch“, erklärt Martin Steinbach, Experte für Börsengänge bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. „Schon 2013 kam es zum Turnaround. Seitdem hat das Volumen der Börsengänge zugenommen, erst in den USA, jetzt in Europa.“

Dafür sieht Steinbach vor allem drei Gründe: die hohen Börsenbewertungen der Unternehmen, die relativ geringen Kursschwankungen und die positiven Geschäftsaussichten dank einer guten Konjunkturphase. Insgesamt sei das Börsenumfeld für IPOs in Europa so gut wie in den USA - wenn nicht sogar besser. „Der Markt ist noch nicht überhitzt. Gemessen an den Börsenständen müssten wir eigentlich deutlich mehr Börsengänge haben“, konstatiert Steinbach.

Rekordbörsengang voraus

Den Anfang dürfte das chinesische Schwergewicht Alibaba mit einem Handelsstart an der New York Stock Exchange machen. Die Erstnotiz wird für den 18. Oder 19. September erwartet. Das Platzierungsvolumen schätzen Beobachter möglicherweise sogar mehr als 20 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Facebook platzierte 2012 Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar.

Ab dem 8. September könnten Alibaba-Aktien den Investoren bereits zur Zeichnung angeboten werden. Die Schätzungen zur Börsenbewertung des Online-Händlers Alibaba reichen von 140 bis 230 Milliarden Dollar. Sollte Alibaba sogar mehr als 22,1 Milliarden Dollar platzieren, wäre es der größte Börsengang der Geschichte. Den bisherigen Rekord hält die Agricultural Bank of China, kurz ABC, seit ihrem Börsendebüt in Hongkong und Shanghai im Jahr 2010. 

Alibaba ist laut Analysten größer als Amazon und Ebay zusammen. Im bereits im März abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Gewinn laut Unternehmensangaben bei umgerechnet 3,7 Milliarden Dollar gelegen, der Umsatz lag bei 8,4 Milliarden Dollar. Dafür tätigte das Unternehmen Transaktionen im Wert von 248 Milliarden Dollar für 300 Millionen Kunden. Genaueres wird erst im Börsenprospekt stehen, den jedes Unternehmen vor seiner Aktienplatzierung vorlegen muss. Noch ist weder von Alibaba noch den anderen genannten Börsenaspiranten ein solcher Prospekt öffentlich.

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