Italienische Anleihen: Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

Italienische Anleihen: Der Monti-Effekt verpufft schon an den Märkten

, aktualisiert 14. November 2011, 16:07 Uhr
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Börsenhändler in Frankfurt.

Quelle:Handelsblatt Online

Italien bekommt eine neue Regierung. Doch am Kapitalmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren. Das Land bekommt zwar noch Geld - muss aber für neue Anleihen enorm hohe Zinsen zahlen. Euro und Aktien knicken ein.

DüsseldorfBerlusconi ist weg. Doch die Probleme sind die alten. Italien braucht dringend Geld – und muss extrem hohe Zinsen bieten, um welches zu bekommen. Am Finanzmarkt ist von einem Neuanfang wenig zu spüren.

Während der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti in diesen Stunden versucht, eine Regierung auf die Beine zu stellen, lassen die Investoren nicht locker. Bei einer Auktion von Staatsanleihen hat Italien am Montag zwar wie geplant drei Milliarden Euro eingesammelt. Allerdings wird für die Papiere mit einer Laufzeit bis Mitte September 2016 ein Rekord-Zins von 6,29 Prozent fällig. Derart hohe Zinsen für fünfjährige Bonds musste das Land den Anlegern seit Einführung des Euro noch nicht zahlen. Zum Vergleich: Mitte Oktober wurden bei einer vergleichbaren Auktion lediglich 5,3 Prozent fällig.

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Der Euro fiel nach der Anleihe-Auktion zurück. Er gab 1,3 Prozent nach auf 1,3626 Dollar. In Frankfurt fiel der Dax um 1,6 Prozent auf 5960 Punkte, nachdem er am Morgen noch im Plus gelegen hatte. Der Mailänder Leitindex rutschte ebenfalls ins Minus und fiel um 2,1 Prozent auf 15.447 Punkte. Im Gegenzug stieg die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Italien-Bonds um 24 Basispunkte auf 6,66 Prozent - damit liegt sie aber noch unter dem Rekordhoch der Vorwoche bei 7,46 Prozent.

„Es war eine ordentliche Anleihe-Emission“, sagte Zinsstratege Peter Chatwell von der Credit Agricole CIB. Italien habe schließlich sämtliche Papiere platziert. „Kurzfristig ist das positiv“, fügte er hinzu. „Langfristig ändert dies jedoch nichts an der Tatsache, dass die Renditen zuletzt deutlich gestiegen sind.“

Italien steckt tief im Schuldensumpf. Die Verschuldung wird auf rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die neue Regierung unter Monti muss dringend Reformen durchsetzen, um das Defizit zu begrenzen. Ob es Italien aus eigener Kraft aus der Krise schaffen kann, ist umstritten. Am Markt wird darüber spekuliert, ob das Land habe den „Point-of-no-return“ bereits überschritten hat. Bei Zinsen in Höhe von sieben Prozent mussten andere Länder unter dem Euro-Rettungsschirm flüchten. „Die Zinsen treiben einem die Tränen in die Augen. Das lässt sich nur für eine überschaubare Zeit durchhalten“, sagt David Schnautz, Zinstratege von der Commerzbank.


Weidmann wettert gegen Anleihekäufe

Einige Experten wie der Nobelpreisträger Paul Krugman meinen, nur die Europäische Zentralbank (EZB) könne Italien noch helfen, indem sie massiv Anleihen aufkauft und in ihre Bücher nimmt. Die EZB kauft Woche für Woche Anleihen in Milliardenhöhe auf und drückt damit drückt die Zinskosten. Sie kauft nicht bei Auktionen, sondern auf dem Sekundärmarkt. In der vergangenen Woche hat die Zentralbank allerdings weniger Staatsanleihen gekauft als erwartet. Sie habe Papiere im Wert von 4,478 Milliarden Euro am Sekundärmarkt erworben, teilte die EZB am Montag in Frankfurt mit. Von Reuters befragte Experten hatten mit zehn Milliarden Euro gerechnet - so viel wie eine Woche zuvor.

Nach Meinung von Valentin Marinov, Stratege bei Citigroup, muss die EZB eingreifen, um den italienischen Politikern mehr Zeit zu kaufen. Der einzige glaubwürdige Weg, dem Land diese notwendige Zeit zu verschaffen, sei der aggressivere Aufkauf italienischer Staatsanleihen. Die EZB sei der einzige Marktteilnehmer, bei dem die Taschen tief genug seien, um den Markt zu überzeugen. Eine Unterstützung Italiens durch den Euro- Rettungsfonds EFSF werde nicht ausreichen, solange es zu keiner Hebelung seiner Mittel komme, schrieb Marinov.

In der Bundesbank regt sich großer Widerstand gegen eine derartige Geldpolitik. Der Präsident der Bundesbank, Jens Weidmann, kritisiert die „zunehmende Vereinnahmung“ der EZB. „Die Geldpolitik kann und darf Solvenzprobleme von Staaten und Banken nicht lösen,“ sagte Weidmann am Montag bei der Eröffnung der "Euro Finance Week" in Frankfurt. Andernfalls drohe eine Erschütterung des Vertrauens in die EZB, die mit ihrer Politik Inflation bekämpfen soll. Italiens Wirtschaft sei stark genug - entscheidend sei der politische Wille, sagte Weidmann Damit erteilte er Forderungen nach einer Ausweitung geldpolitischer Maßnahmen eine Absage.

Quelle:  Handelsblatt Online
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