Japan: Helikoptergeld, Schuldenschnitt und Säbelrasseln

Japan: Helikoptergeld, Schuldenschnitt und Säbelrasseln

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Nach dem Wahlsieg der Regierung setzt der Nikkei die Abe-Rally fort: Der Yen wertet zum Dollar kräftig ab.

von Frank Doll

Nach den Oberhauswahlen in Japan dreht die Börse nach oben und der Yen wertet ab.

Die Liberaldemokraten (LDP) von Premierminister Shinzo Abe und seine Koalition erzielte bei den Oberhauswahlen in Japan einen Erdrutschsieg. Nach Bekanntwerden des Ergebnisses sprach Abe davon, dass es notwendig sei, seine Wirtschaftsdoktrin („Abenomics“) zu beschleunigen, „um den Erwartungen der Öffentlichkeit gerecht zu werden“. Und er versprach die Wirtschaft „umfassend und energisch“ aus ihrer Malaise herauszuholen. Prompt legten die Börsen von Montag an wieder zu: Der japanische Nikkei kletterte seither um 6,6 Prozent, weil der Yen zum Dollar von 100,54 auf 104,30 Yen abwertete.

Bank of Japan Japans Notenbank lockert Geldpolitik nicht weiter

Die Bank von Japan bleibt auf Kurs - vorerst. Sobald die Unsicherheit über einen möglichen Brexit sowie eine Parlamentswahl im Land erst einmal vorbei sind, könnte sie die Geldschleusen aber noch stärker öffnen.

Bank of Japan: Japans Notenbank lockert Geldpolitik nicht weiter Quelle: AP

Am Kabutocho wird spekuliert auf eine Wiederholung des steilen Kursanstiegs, der einsetzte, nachdem der heutige Ministerpräsident im September 2012 zum Parteichef der Liberaldemokraten gewählt wurde. Der Nikkei legte von unter 9000 Punkten bis Mitte 2015 um gut 130 Prozent zu, während der Yen gegenüber dem Dollar um zwischenzeitlich 60 Prozent abwertete. Diese extreme Abwertung verschaffte der japanischen Exportwirtschaft zwischenzeitlich kräftigen Rückenwind.

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Doch nur ein Ausbau des Ankaufprogramms japanischer Staatsanleihen durch die Bank of Japan (BoJ) wird jetzt vermutlich nicht reichen, den Yen wieder in die gewünschte Richtung zu befördern. Wir erinnern uns: Der Yen wertete seit Ende Januar auf von 121 auf zwischenzeitlich unter 100 Yen pro Dollar. Das passierte trotz rekordhohen Anleihekäufe und nachdem die BoJ Ende Januar erstmals einen Negativzins einführte. Finanzinstitute müssen seither auf ihre Guthaben bei der BoJ einen Zins von 0,1 Prozent zahlen. Sie sollten mehr Kredite vergeben.

Der Devisenmarkt aber zweifelte offenbar daran, dass es der BoJ noch gelingt, mit Anleihekäufen und Strafzinsen die umlaufende Geldmenge zu erhöhen, den Yen zu schwächen und so die Inflation anzuschieben. Da Japan steigende Leistungsbilanzüberschüsse meldete, wertete der Yen also auf. Es passierte also genau das Gegenteil, was Abe erreichen will. Was also muss passieren? Als nächste Stufe werde die BoJ daher zu Helikoptergeld greifen, das, wie aus der Luft abgeworfen, an die Bürger verteilt wird, glaubt Russell Napier, ehemaliger Anlagestratege beim Broker CLSA in Hongkong. Dann werde sich der Yen wieder abwerten.

Die gleiche Wirkung hätte auch ein Schuldenschnitt. Die BoJ hält bereits mehr als ein Drittel aller Staatsanleihen. Sie könnte die Papiere abschreiben oder in einem einzigen Schuldschein mit Nullkupon und ohne Fälligkeitsdatum zusammenfassen. Die reale Schuldenquote ginge um ein Drittel zurück – und der Yen schmierte ab.

Staatsschulden und Notenbanken Japan droht Vorreiter beim Helikoptergeld zu werden

Die japanische Notenbank hat in der vergangenen Woche die Märkte kalt erwischt und die Negativzinsen nicht ausgeweitet. Aber das ist kein Rückzug, sondern eher ein Hinweis auf bevorstehende, noch radikalere Maßnahmen.

Japan droht Vorreiter beim Helikoptergeld zu werden. Quelle: REUTERS

Beides aber wiederum lieferte China, das nicht als Währungsmanipulator gelten will, ein gutes Argument, die eigene Währung weiter abwerten zu lassen. Ohnehin werde China nicht mehr länger gleichzeitig den Kapitalverkehr liberalisieren, den Wechselkurs stabil halten und die Zinsen senken, sagt Napier. Eine Abwertung des Yuan erhöht den Preisdruck im Rest der Welt, weil chinesische Produkte auf dem Weltmarkt billiger werden.

Außerdem sei überhaupt noch unklar, ob sich Abes Fokus nicht auf die Novellierung der Verfassung richten wird, sagt Kwok Chern Yeh, Japan-Chefstratege beim Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management. Denn mit einer Zweidrittelmehrheit sowohl im Ober- als auch im Unterhaus im Rücken kann der Premierminister nun ein nationales Referendum zur Änderung von Japans pazifistischer Verfassung einberufen. Dies werde die politischen Spannungen mit Japans Nachbarn erhöhen, fürchtet Kwok.

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