Jens Ehrhardt: "9500 Punkte beim Dax sind drin"

InterviewJens Ehrhardt: "9500 Punkte beim Dax sind drin"

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DJE Kapital-Chef Jens Ehrhardt: "Wird Geld gedruckt, kaufen Anleger Aktien"

von Heike Schwerdtfeger

Der renommierte Vermögensverwalter Jens Ehrhardt rechnet mit einem weiteren Anstieg des Dax. Warum aus seiner Sicht Aktien noch nicht zu teuer sind und was einen Crash auslösen könnte.

WirtschaftsWoche: Herr Ehrhardt, der Dax ist nach den Jahren 2000 und 2007 zum dritten Mal über 8000 Punkte geklettert. Wird er wieder so abstürzen wie damals?

Ehrhardt: Ich möchte nicht prozyklisch bei den hohen Kursen in großen Optimismus verfallen. Aber: Solange die USA und die Japaner ihre lockere Geldpolitik fortsetzen, droht kein Absturz. Im Jahr 2000 musste ich mich verspotten lassen, weil ich radikal gegen die Überbewertung von Internet- und Telekomaktien gepredigt habe. Damals waren alle euphorisch, als wir über 8000 gingen. Heute trauen Privatanleger und Profis dem Frieden nicht. Obwohl die Aktien günstiger bewertet sind als damals und die Zinsen tiefer. Die Voraussetzungen für weitere Kursgewinne sind besser, weil viele mit Angst dabei sind und kleine Vermögensanteile in Aktien investieren.

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Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

  • Eigene Strategie festlegen

    Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

  • Widerstandskraft zeigen

    Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

  • Richtig mischen

    Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

  • Barrieren einbauen

    Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

  • Herdentrieb beobachten

    Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

  • Risiko rausnehmen

    Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

  • Insidern folgen

    Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

  • Geopolitische Ereignisse beachten

    Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie aktuell zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Entscheidende Wahlen wie jüngst in Russland und in diesem Jahr noch in Frankreich und den USA sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

  • Auf reale Werte setzen

    Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

  • Moden misstrauen

    Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Welchen Stand wird der Dax erreichen?

Es ist überheblich, das zu raten. Ich bin schon froh, wenn ich die Richtung der Börse richtig eingeschätzt habe. Aber 9500 Punkte beim Dax sind durchaus möglich – und ich denke, wir werden sie schneller sehen, als viele glauben, weil Anlagealternativen fehlen. Eine eigentlich nebensächliche Beobachtung: Wir haben im Herbst Derivate gekauft, mit denen wir auf einen steigenden japanischen Nikkei-Index gesetzt haben. Die waren damals so günstig, wie es heute die Kauf-Derivate für den Dax sind. Der Nikkei hat seitdem etwa 60 Prozent zugelegt, beim Dax sollten 15 Prozent drin sein.

Bislang steigen die Gewinne der Unternehmen weltweit sehr moderat...

...und meist nur, weil Unternehmen Kosten senken. Kosten können aber nicht endlos gedrückt werden. Irgendwann braucht man höhere Umsätze. Die sehe ich im Moment nirgendwo. Selbst in den Wachstumsmärkten Asiens sind die Zuwächse nicht hoch. Eine der wenigen Branchen, die in diesem Jahr besser verdienen, sind Banken und Versicherer. Wir haben Allianz, Talanx und Hannover Rück im vergangenen Herbst gekauft.

2013 Das sind die nächsten Börsenanfänger

Was Anleger bei Börsendebütanten beachten müssen

Quelle: dpa/Montage

Legt der Aktienkurs stärker zu als der Unternehmensgewinn, steigt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), die Aktie wird teurer.

Wenn Alternativen fehlen, akzeptieren Anleger auch höhere Aktien-KGVs durchaus über einen längeren Zeitraum. Eine Anleihe mit zwei Prozent Rendite hat ein KGV von 50, da bleiben Aktien aussichtsreicher. Als ich 1969 als Aktienanalyst für Japan anfing, lagen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse unter 10, aber schon Ende der Achtzigerjahre gab es kaum noch eine Aktie mit einem KGV unter 100.

Woher kommen beim Dax die Käufer? Privatanleger verkaufen sogar Aktienfonds.

Die Dax-Aktien gehören mehrheitlich Ausländern, vor allem Amerikanern. Dort wird, anders als in Europa, durch die Notenbank massiv Geld in den Markt gepumpt – und Investoren kaufen davon auch ein paar Aktien.

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